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Herz, Haut und Hirn - Als Privatdetektiv Dengler ermittelt Ronald Zehrfeld mit viel Tempo

Herz, Haut und Hirn - Als Privatdetektiv Dengler ermittelt Ronald Zehrfeld mit viel Tempo

Georg Dengler ist ein Teufelskerl. Dauernd ist er am Rennen, Retten, Flüchten. Über Gleise, durch Tunnel, die endlosen Rohrsysteme eines Klinikkellers entlang Richtung Ziel, das doch stets nur Etappenankunft vor der nächsten Flucht zu sein scheint.

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Ronald Zehrfeld ermittelt als Privatdetektiv Georg Dengler.

Quelle: ZDF

Ronald Zehrfeld hat’s echt nicht leicht, im deutschen Film. Typisch Schwergewicht. In jeder Hinsicht. Der Schauspieler ist ein Titelrollentyp: talentiert, wandelbar, sympathisch und bildschön, mit tiefbraunen Augen im kraftvollen Leib. „Eine gewisse Körperlichkeit ist bei mir unübersehbar“, räumt Ronald Zehrfeld mit Ostberliner Straßenschnauze ein. Allerdings überlagere diese Körperlichkeit sein Inneres nicht derart stark, dass er nicht auch für anspruchsvolle Filme geeignet sei.

Filme wie „Roter Kakadu“, mit dem Dominik Graf ihn 2002 als DDR-Dissidenten von Zadeks Deutschem Theater vor die Kamera lockte. Wie „Barbara“, mit dem Grafs kongenialer Kollege Christian Petzold sechs Jahre darauf aus dem zwischenzeitlichen Bomberjackenbullen der gefeierten Serie „Im Angesicht des Verbrechens“ einen realsozialistischen Provinzarzt an der Seite von Nina Hoss machte.

Nun also „Dengler“, die nächste Bomberjackenrolle. Das weiß auch Zehrfeld und lacht. Doch in der dynamischen Geschichte über einen früheren Zielfahnder, der dem BKA zu verschwörungstheorieanfällig war und nun privat ermittelt, geht es nicht um Action. Nicht nur.

Frisch entlassen, eröffnet der Haudegen eine Detektei, die ihn gleich mal nach Berlin führt, wo ein renommierter Mediziner der Charité (Ernst Stötzner) der Vergewaltigung angeklagt ist. Routine, offenbar. Doch die vermeintliche Untat erweist sich schnell als Komplott in einem Fall großangelegter Wirtschaftskriminalität, die dunkle Seite der Pharmaindustrie mischt mit, Birgit Minichmayr als kiffende Hackerin auf ihrer Spur, es geht ums Ganze, meist unter Volllast. Ballermannfernsehen mit Niveau. Dafür sorgt schon Lars Kraumes Drehbuch nach Motiven des Bestsellerautors Wolfgang Schorlau, das trotz allen Tempos immer mal wieder Zeit und Raum findet für zarte Figurenentwicklung. Dafür sorgt seine intensive Regie, die er bereits in ein paar der besseren „Tatorte“ oder dem gefeierten Polizeiepos „KDD“ unter Beweis gestellt hat. Dafür sorgt nicht zuletzt aber auch sein Hauptdarsteller, den Kraume als eigentlich einzigen bezeichnet, der solch eine physische Rolle zu spielen vermag.

Ein tolles Lob, leicht vergiftet. „Ein Meter neunzig groß, braunes Haar, kräftig gebaut, dunkelblaue Bomberjacke“, so beschreibt ihn eine wütende Einsatzleiterin, die das „Foto von diesem Arschloch auf allen Diensthandys sehen“ will, als Dengler im Dienste der Gerechtigkeit vorm Gesetz flieht.

Natürlich würde er gern was Komödiantisches spielen, beteuert der sportliche Zehrfeld, der im DDR-Leistungssport als hoffnungsvoller Nachwuchs-Judoka gehandelt wurde. „Aber ich spiele jede Rolle, die was mit mir zu tun hat und mich bewegt, ohne dass sie mir zu nahe kommt.“

Georg Dengler spricht ihm da offenbar aus der Seele – empathisch und kraftvoll zugleich, ein Mann mit Hirn und Gefühl. Gut, das dauernde „Mission Impossible“-Gehetze geht intellektuellen Ansprüchen manchmal auf den Geist. Dennoch macht die Mischung aus Alt und Neu, Cyberthriller und Heldentum Lust auf Fortsetzungen, die der abergläubische Ronald Zehrfeld zwar andeutet, aber nicht bestätigen will. Nur so viel: Es gebe acht Romane des Vorlagenschreibers Schorlau. Achtmal Action mit Niveau.

„Dengler – Die letzte Flucht“: mit Ronald Zehrfeld, ZDF, Montag, 20.15 Uhr

Jan Freitag

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