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Himmel, Hölle oder Chemnitz: Falko Köpp inszeniert Il-Comico-Stück „Eva und Adam“

Theaterpremiere Himmel, Hölle oder Chemnitz: Falko Köpp inszeniert Il-Comico-Stück „Eva und Adam“

Il Comico holt aus: Drehte sich das Debüt des jungen Leipziger Ensembles vergangenes Jahr noch selbstreflexiv um das Unvermögen des Theaters an sich, wagt man sich in der zweiten Eigenproduktion „Eva und Adam – Im Himmel ist die Hölle los“ an einen schwereren Brocken. Premiere ist am Freitag in der Nato.

Autor, Regisseur, Schauspieler: Falko Köpp, 35.

Quelle: privat

Leipzig. Gott ist depressiv: Seit die Päpste im Himmel die Geschäfte übernommen haben, hat er nichts mehr zu melden und der ganze Laden ist zu einer bürokratischen Aktiengesellschaft geworden. Adam ist ein weinerlicher Waschlappen, aus der Hölle kommt mal wieder ein Beschwerdeanruf des Gott erstaunlich ähnlichen Teufels, und Judas intrigiert, natürlich. Höchste Zeit, das ganze Oben-unten-System und damit auch die Menschheit dazwischen zu retten, oder ist es dafür längst zu spät?

Il Comico holt aus: Drehte sich das Debüt des jungen Ensembles der mittlerweile längst nicht mehr unbekannten Anne Rab im vergangenen Jahr noch selbstreflexiv um das Unvermögen des Theaters an sich, wagt man sich in der zweiten Eigenproduktion „Eva und Adam – Im Himmel ist die Hölle los“ an einen schwereren Brocken.

„Auf keinen Fall wollen wir uns über Glaube und Spiritualität lustig machen, aber über das, was die katholische Kirche daraus gemacht hat“, sagt Autor und Regisseur Falko Köpp im Gespräch und wird noch deutlicher: „Ich mag die katholische Kirche nicht, sie ist hanebüchen und eine einzige Ausbeutung. Es macht mich wütend zu sehen, was sie mit ihrer Macht alles machen könnte in der Welt, aber nicht macht.“

Demokratie mit einem Bestimmer und einer Prinzipalin

Der 35-jährige Theaterfabrikabsolvent gehört zum festen Kern von Il Comico, aus seiner Feder stammt schon die erste Produktion. Dass er mit „Eva und Adam“ auch das zweite Stück für das Ensemble schreiben würde, war nicht von Anfang an geplant: „Ich setze mich mit einem Bild im Kopf hin und schaue, ob mehr daraus entsteht, nehme mir das aber nicht von vornherein vor. Ich habe auch keine Angst, etwas zu verwerfen.“

Das Schreiben begleitet Köpp seit Jahren, nach Kurztext- und Lesebühnen­erfahrung genießt er sichtlich die kreative Arbeit am längeren Text. So ist er Autor der 20-Jahre-Jubiläumspublikation des Theatriums, dem er sich inzwischen als Theaterpädagoge und Projektleiter fest angeschlossen hat.

Trotz reichhaltiger Theatererfahrung, die der Schauspieler mittlerweile verstärkt hinter die Bühne verlagert hat, der Respekt vorm Inszenieren bleibt, gerade bei einer großen Produktion wie „Eva und Adam“: „Mit zehn Spielern ist das schon eine krasse Nummer“, sagt er und meint dies sowohl kreativ als auch organisatorisch. Dass bei Il Comico einige mit normalen Berufen spielen, erschwert beispielsweise die Probenorganisation. Für die Zukunft wünschen sich Köpp und Rab daher weitere Schritte in Richtung Professionalisierung. Der Inszenierungsprozess ist bereits Ensemblearbeit klassischer Art: „Es gibt einen, der am Ende bestimmt, aber der Weg dahin ist von allen geprägt, jeder bringt etwas ein.“ Der Bestimmer ist natürlich Regisseur Köpp, aber auch Prinzipalin Anne Rab hat ein Wort, obwohl sie diesmal „nur“ spielt: „Il Comico ist ihr Baby, wenn sie Bedenken hat, teilt sie diese mit.“

„Den Adorno lassen wir weg“

Bleibt noch die Frage, ob „die Komödianten“ ihr namensgebendes Versprechen nach befreiendem Lachen trotz thematischer Schwere einzulösen gedenken. „Wir nehmen es schon leicht, es ist eine Komödie. Den Adorno lassen wir weg, die Leute sollen gut unterhalten werden“, versichert Köpp. Die ganze Konstellation von Himmel und Hölle mit ihren Dogmen bieten ihm viel Raum für abstrusen Witz. Zusätzlich vermenschlicht er die Personage konsequent, die Figuren mit ihren Süchten und Nöten haben nichts Heiliges, fast wie in den Soap Operas ähnlichen Geschichten der griechischen Götterwelt: „Das Stück spielt im Himmel, könnte aber genauso gut in Chemnitz spielen.“

Letztlich geht es also um den Menschen und dem täte es von Zeit zu Zeit gut, sich selbst nicht allzu ernst zu nehmen, schließt Köpp: „Es ist wichtig, sich über sich selbst lustig zu machen.“

Il Comico: „Eva und Adam“, Premiere am Freitag, 20 Uhr, Nato (Karl-Liebknecht-Straße 46), weitere Vorstellungen dort diesen Samstag, 20 Uhr, sowie 30. Oktober, 16 Uhr, und 7. November, 20 Uhr, Eintritt je 13/9 Euro. Zudem am 18. November, 20 Uhr, Theatrium (Alte Salzstraße 59), 7,50/4,50 Euro; www.ilcomico.de

Von Karsten Kriesel

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