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Hits, nebenbei: Leipziger Band Lizard Pool mit neuer Platte im Ilses Erika

Hits, nebenbei: Leipziger Band Lizard Pool mit neuer Platte im Ilses Erika

Lizard Pool spielen auf ihrem ersten Longplayer melancholischen Gitarrenpop. Mit allen Zutaten, nach denen die Indie-Gemeinde mit den Chucks scharrt: großen Melodien, 80er-Appeal, Krach.

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Wieder auf Anfang: Sven Löbert, Mika Wagner und Vincent Oley (von links).

Quelle: PR

Die Paten sind auch zu erkennen.

"Give Me You're Anger - I cool it down", heißt es gleich zu Beginn des neuen Lizard-Pool-Albums "She Took The Colours". Der Tröster am Mikro heißt Vincent Oley. Zum Interview spricht der Sänger bei einer Cola im trendigen Club "Noch Besser Leben" mit ruhigen, überlegten Worten. Gelegentlich unterbricht er seine Rede und lacht - leise, als würde er bemerken, dass er gerade etwas sehr Schönes sagt.

"Die neue Platte ist wie ein Neubeginn für die Band", gibt der Sänger zu Protokoll. Acht Jahre sind seit dem Erscheinen der letzten EP vergangen. Inzwischen hat Vincent Oley seine Twens fast bewältigt, ist Vater geworden und hat lange bei der Leipziger Pop-Hoffnung Zin musiziert.

Nun also wieder alles auf Anfang. Oley verspürt jetzt weniger Druck beim Song­writing: "Wir müssen keine Hits machen." Die Ambitionen sind andere. "Es geht um eine tolle Zeit mit der Band. Schöne Konzerte in schönen Clubs." Das bringt eine Leichtigkeit, die den melancholischen Songs gut zu Gesicht steht. Und außerdem gilt: "Wir wehren uns natürlich nicht dagegen, dass ein Lied ins Ohr geht."

In kleiner Dreierbesetzung spielt Oley mit Sven Löbert (Bass) und Mika Wagner (Schlagzeug) im Proberaum solange, bis eine Song-Idee den Ansprüchen aller genügt. Heraus kommen tanzbare Indie-Hits wie "Movie House", klassischer Gitarrenpop mit 80er-Appeal wie "Gloomy Day" oder coole Rock-Nummern wie "Faithless King". Lauter, nun ja: Hits. Das Album wirkt unglaublich kompakt. Ganze zwei Tage haben Lizard Pool im Echolux-Tonstudio gebraucht, um die Tracks live einzuspielen. Wie gut sich die drei verstehen, klingt durch jeden Akkord.

Noch eins hört man den gereiften Lizard Pool an: den Einfluss der Leipziger Indiehelden Die Art. Das kann auch nicht anders sein. Vincent Oley ist Filius des Die-Art-Sängers Makarios. Der Klang der Stimme fällt in die Rubrik: Erbglück. Buchstäblich schon in der Wiege hat der kleine Vincent das sphärische Gitarrenschrammeln von Die-Art-Sound-Tüftler Thomas Gumprecht vernommen. Den Einfluss will er gar nicht verleugnen - wäre auch zwecklos. Den hört jeder, der Ohren hat. Die karge Gitarre-Bass-Drums-Gesang-Konstellation ist bei den Bands von Papa und Sohn die Gleiche. Überdies gibt es eine personelle Übereinstimmung: Lizard-Pool-Bassist Löbert spielt bei Die Art die Drums.

Aber von allen persönlichen Verbindungen abgesehen, sagt Vincent Oley: "Ich bin froh, dass es musikalische Bezugspunkte in der Stadt gibt. Ein eigener Sound tut einer Stadt gut." Für den Sound des Leipziger Westens arbeitet Oley junior auch tagsüber. Im "Noch Besser Leben" organisiert er das exzellente Live-Programm. Auch wenn er als junger Vater nicht jeden Abend im Club stehen kann, lernt er doch eine Menge Musik aus aller Welt kennen.

Bei einigen Bands hat er bemerkt, wie unmittelbar deutsche Texte wirken und prompt selbst Verse auf Deutsch verfasst - vier der Texte sind auf "She Took The Colours" gelangt. Die Kitsch-Gefahr der Muttersprache umschifft er mit schönen Reimen wie "ein wahrer Held ist, wer nichts vermisst". Nach den ersten Konzerten mit den Songs sagt er: "Man fühlt sich nackiger, wenn man deutsch singt."

Die Titel wirken anders als die englischsprachigen. Fast die Hälfte des Albums klingt mit den deutschen Worten schwerer, vielleicht im doppelten Sinne bedeutender. Diese Facette der Lizard-Pool-Musik ist Vincent Oley wichtig. "Wenn das Album dadurch nicht stringent wirkt, dann können wir das nicht ändern", sagt er - und da ist es wieder, dieses leise Lachen.

Record-Release-Party zu "She Took The Colours" von Lizard Pool, Freitag, 22 Uhr, Ilses Erika (Bernhard-Göring-Straße 152)

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 03.04.2014
Uwe Schimunek

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