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Höchstwahrscheinlich der netteste Mensch auf der Welt: Milow im ausverkauften Werk 2

Konzert Höchstwahrscheinlich der netteste Mensch auf der Welt: Milow im ausverkauften Werk 2

Milow nicht nur ein begnadeter Sänger und versierter Liedschreiber. Im ausverkauften Werk 2 präsentierte er sich seinen Fans am Samstagabend auch als überaus höflicher junger Mann.

„Leipzig, Leipzig, you could be the one“: Jonathan Vandenbroeck, 35, alias Milow im Werk 2.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Wenn es immer heißt, dass Hass, Häme und Pöbelei gegenwärtig so um sich greifen, dann ist damit jedenfalls kein Milow-Konzert gemeint. Jonathan Vanden­broeck, wie der 35-jährige Belgier laut Ausweis heißt, ist nicht nur ein begnadeter Sänger und versierter Liedschreiber, sondern höchstwahrscheinlich der netteste und höflichste Mensch auf der Welt. „Ist es okay, wenn ich“, hat er sich Samstagabend gleich zu Beginn und dann alle drei, vier Lieder in der ausverkauften Halle A des Werk 2 bei den Zuschauern entschuldigt, „wenn ich das erste Lied allein spiele, bevor die Band hinzukommt?“ Weil es doch sein erstes Konzert in Leipzig seit zweieinhalb Jahren sei.

Die Kausalität mag verwundern, die Anhänger lassen Milow den ach so ehrlichen Auftakt an der Wandergitarre aber sowieso durchgehen. Erst recht, als er am Ende des Solo-Liedleins „She Might She Might“ eine Zeile umdichtet: „Leipzig, Leipzig, you could be the one“. Wir könnten sie also sein: die eine, die seine.

Zuerst tritt aber doch seine Band hinzu und zeigt in „Just Smile“ nicht nur, dass Lächeln hier offenbar wirklich zum Programm gehört. Sondern vor allem Schlagzeuger Oscar Kraal und Gitarrist Tom Vanstiphout demonstrieren, wie sich mit handwerklichen Mitteln ein pumpender Dancefloor-Beat herstellen lässt. „Ist es okay“, fragt die Hauptfigur dann, „dass wir jetzt ein brandneues Stück spielen, das keiner von euch kennt?“ Schließlich sei ja bald Sommer, und wie’s der Zufall will, hat Milow einen perfekten Sommerhit komponiert. „Summer Days“ kreuzt das Bacardi-Feeling so schamlos mit Sunshine-Reggae, dass Meneer Vandenbroeck hier möglicherweise auf ein wenig Chartserfolg spekuliert. Wenn er das Lied anderthalb Stunden später zum Schluss abermals auspackt und die Menge damit zum Grooven bringt, wird es den meisten schon wie ein Hit vorkommen, den man aus dem Radio kennt.

„Ayo Technology“ durchs filmende Handy

Ja, doch, Milow, es ist okay, wenn du jetzt mal die Band vorstellst, es sind fabelhafte Musiker. Vanstiphout kann Toto- ebenso wie Dire-Straits-Gitarrensolos spielen, Remko Kühne ist ein vielseitiger Pianist, Kraal sowie Bassist Bart Delacourt haben den Groove und Perkussionistin Nina Babet eine wahnsinnige Rockröhre. Ist es denn andererseits okay, wenn zu „Ayo Technology“ – dem sehr originellen 50-Cent-Cover, mit dem Milows internationale Karriere vor einem Jahrzehnt Fahrt aufnahm – wenn sich ungefähr jeder im Saal das Lied durchs filmende Smartphone statt unmittelbar anschaut? Obwohl es sich eigentlich um einen Appell handelt, das Handy stecken zu lassen und sich mal persönlich zu begegnen?

Völlig okay ist es, den Warren/Hammond-Hit „Don’t Turn Around“, mit dem vor allem Ace of Base Erfolge feierten, toll mehrstimmig zu covern, und das eigene „You Don’t Know“ ist selbstredend ein feines Stück Musik. Artig lobt Milow noch die Vorband, die American Authors aus New York, die ihm (mit ihrem trommel­affinen Zwitter aus Mumford&Sons-Attitüde und Jim-Pandzko-Refrains) selbst saugut gefallen, erklärt er. So sehr, dass er der Gruppe gesagt habe: „Hey Leute, ich habe in Leipzig tolle Fans, kommt doch mit.“

Und ein schönes Leben noch

Wer glaubt, dass die gemeinsame Tour dem Leipziger Publikum (und nicht etwa der gemeinsamen Plattenfirma) zu verdanken ist, der hegt sicher auch keinen Zweifel daran, dass im Bandbus just auf dem Weg von Berlin nach Leipzig etwas Grusliges passiert ist und Milow mit dieser Geschichte daher noch nie das Schlussstück „Howling at the Moon“ angesagt hat: „Unser Bus hat jemanden angefahren. Es war kein Mensch, wirklich! Ich fürchte, wir haben heute Nacht einen Werwolf getötet.“

Den Refrain heulen die Fans, bis Milow zur Zugabe zurückkehrt. Auf das nette, aber moralinsaure „I Was A Famous Singer“ fragt er wieder, ob es okay sei: „wenn ich für ein paar Lieder zu euch hinunterkomme?“ Nö, du, also ... Für die beeindruckende Fannähe und die äußerst gelungenen Darbietungen von „Out Of My Hands“ und „Learning How to Disappear“ (mit wunderbaren Chorgesang der Band) werden die Musiker ebenso ausgiebig gefeiert wie gefilmt.

Fehlen noch die Reprise von „Summer Days“, dem designierten Sommerhit, und leider ein Moment, der verstört: Da wünscht er seinem einzig und alleinig wahren Leipziger Publikum doch nicht nur einen schönen Sommer, sondern gleich noch frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr! Weniger höfliche Menschen würden wohl noch ein schönes Leben hinzufügen. Pfff. Sollten wir also doch nicht die eine, die seine sein? Hey, das ist nicht okay!

Von Mathias Wöbking

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