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Hörspielmacher Andreas Beurmann ist gestorben

„Europa“-Hörspielmacher Hörspielmacher Andreas Beurmann ist gestorben

Er erfand in den frühen 1960ern das Hörspiellabel „Europa“ und brachte Hochkultur ins Wasserschloss Hasselburg: Andreas E. Beurmann, Ehemann von „Hörspielkönigin“ Heikedine Körting, ist am Sonntagabend im Alter von 88 Jahren gestorben.

88-jährig gestorben; Andreas E. Beurmann hatte sich von einem Sturz nicht mehr erholt.

Quelle: dpa

Hamburg/Hasselburg. Sehr gut möglich, dass selbst den meisten Hörspielfreaks der Name Andreas E. Beurmann so gar nichts sagt. Bei dessen Pseudoymen dürfte es hingegen klingeln: Als Hans Meinhardt taucht er in den Sprecherlisten der Episoden auf, die das Label „Europa“ in den 1970ern berühmt machte. Unter dem mit Kollegen geführten Sammelnamen Bert Brac fertigte er als Komponist und Arrangeur die entsprechenden Soundteppiche, als Claudius Brac schrieb er Skripte oder führte Regie. Gäbe es ein Kulturerbe für Audio-Abenteuer – „Europa“ und mit ihm dieser Macher wären neben Litera als Erste darin aufgenommen worden. Wie gestern bekannt wurde, ist Beurmann am Sonntag 88-jährig gestorben.

Zusammen mit seiner Frau Heikedine Körting, die gestern die Nachricht verbreitete, schuf Beurmann ein Imperium der Hör-Unterhaltung. Der am 12. Februar 1928 am Ostseeort Zoppot im heutigen Polen Geborene studierte in Göttingen und Köln Musikwissenschaft und Physik. Zusammen mit Wilhelm Wille und David L. Miller gründete er 1961 die Tonträgerfirma Miller International. Dort kam ihm früh die Idee für ein Hörspiellabel, das er absichtsvoll „Europa“ taufte, angetrieben von seiner Wunschvorstellung einer kontinentalen Einheit.

Mit der 17 Jahre jüngeren Frau an seiner Seite, die er 1979 heiratete, war das Traumgespann der Hörspielszene perfekt. In schier unerschöpfbarer Produktivität entstanden Serien wie Die drei ???, TKKG, Fünf Freunde, Karl-May-Stücke (legendär die Produktionen mit Konrad Halver als Winnetou) oder die Gruselreihe von H.G. Francis. Beurmanns bekannteste Sprechrolle dürfte die des Onkel Titus in den Fragezeichen-Folgen sein.

Für Aufmerksamkeit sorgte das Ehepaar auch 1977 durch die Pacht des Anwesens Hasselburg an der Ostsee. In der im 14. Jahrhundert erbauten Wasserburg brachte Beurmann seine Sammlung historischer Tasteninstrumente unter – die weltweit größte – , außerdem stellte er die restaurierte Gutsscheune dem Schleswig-Holstein Musik Festival zur Verfügung.

Körting leitet noch heute das „Europa“-Label, das inzwischen zu Sony Music Entertainment Germany gehört. Noch vor zehn Jahren, so berichtet sie, habe ihr Mann Musikeinspielungen für Hörspiel-Geschichten aufgenommen. Sony Music Entertainment und Europa trauern mit der Hörspiel-Fangemeinde. Arndt Seelig, Direktor der Sony Music Family Entertainment/Europa betonte am Montag: „Ohne Andreas E. Beurmann würde es das Kinder- und Jugendhörspiel in seiner heutigen Form nicht geben.“

In den Schränken vieler, deren Kindheit und Jugend durch „Europa“ eine akustische Prägung bekommen hat, stehen die originalen Schallplatten und Kassetten als Heiligtümer. Ungewöhnlich, dass ausgerechnet der Klarname des Label-Erfinders und Pfadfinders kultiger Tonspuren, der sich laut Körting von einem Sturz nicht erholte, ein wenig untergegangen ist.

Von Mark Daniel

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