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„Hosen runter!“

Rollow-Cartoons in Waldheim „Hosen runter!“

Unter dem Titel „Hosen runter!“ zeigt Werner Rollow in Waldheim 140 Cartoons und Collagen

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Rollows Napoleon – die fast zum Signet verkürzte Zeichnung verdient das höchste Prädikat.

Quelle: Abb.. (2): Werner Rollow

Waldheim.

Hat man sich an „Hosen runter!“ gewöhnt, scheint der Titel in sogar zweierlei Hinsicht zu passen. Auf einer Skala der Selbstironie für die Karikaturisten und Cartoonisten länderweit wäre Werner Rollow recht weit oben zu finden. Er schneidet mit dem Titel jegliche Versuchung ab, die Geburtstagsshow mit Weihrauch in den Augen zu betrachten. Selbstverständlich weiß er, dass er es sich leisten kann. Zweitens geht es oft genug tatsächlich um die Hose. Rollow kennt diejenigen, die „auf dicke Hose machen“ allzugut.

Sein vermutlich prägnantestes Motiv ist der Napoleon, der seine rechte Hand wie auf so vielen historischen Porträts in den Stoff steckt – nur eben in den Hosenschlitz. Diese fast zum Signet verkürzte Zeichnung verdient das höchste Prädikat. Ihre Perspektive streckt die Beine der Figur nach unten, so dass dieser andere Adam denkmalhaft aufzuragen scheint. Gleichzeitig deckelt aber der prägnante Hut als kräftigster dunkler Akkord die Figur, zumal die Stirn sichtlich gepresst ist. Trickreich wird somit die verräterische Mitte nach vorne geschoben. Dieser Mann hat Druck! Die äußerst sparsam gegebene Physiognomie verstärkt den Eindruck. Ein Löwe mit verdrehten Augen über der mächtigen Nase tritt auf, so mächtig wie wirr. Auf diese Weise eingebettet, muss die Geste gar nicht mehr interpretiert werden. Sie kalkuliert die originale Handhaltung mit ein, der Rest ist spaßiges Erkennen.

Gelernt hatte Werner Rollow Werbegrafiker. Er ging 1966 zu Florena und blieb in Waldheim, als er 1972 das wagemutige Leben als freischaffender Gebrauchsgrafiker und Karikaturist begann. Seiner Vita fügt er an: „war nie Soldat, war nie Mitglied einer Partei“. Gelegentlich sah man dennoch schon in den 80ern eine Zeichnung von Rollow und konnte ihn schätzen lernen. Doch erst 1990 erschien sein erstes Buch (ein zweites 1998). Seit den 80ern hat er ein gutes Dutzend Preise für seine Cartoons bekommen.

Wo ein besonderer Adam ist, kann eine sonderliche Eva nicht weit sein. Rollows Eva trug viele Jahre lang ornamentale Haargebirge. Sie ist ebenso große Lockung wie Drohung für ihn. Ihre Waffen sind sehr, sehr rund und werden an der Vorder- und der Rückseite des Körpers getragen. Rollows Adam ist vor allem den vorderen ausgeliefert. Seine Hilflosigkeit erscheint dabei reziprok zu ihrer Größe. Es hindert ihn nicht, damit zu renommieren wie mit Orden, er prahlt nun einmal gern.

Freilich fand Rollows satirischer Blick viele Themen um das psychotische Paar herum: ein Panoptikum der Eitelkeiten. Die wiederholte Zusammenarbeit mit dem Gewandhaus ist mit Entwurfszeichnungen und dem preisgekrönten Plakat mit Kurt Masur vertreten: Masur auf der Passagierrampe (Japan Air Lines), mit ausgebreiteten Armen kurz vor dem Flug in den Himmel. Einen Schwerpunkt setzen die 90er mit den Themen Banken-Frustration und Ich-AG-Sarkasmus. Einmal sind auch NSA-Schnüffler und Boni-Scheffler Thema. Blätter für einen Kalender 2018 sind – im Zuchthaus Waldheim saß Karl May ein – den Erlebnissen von Gefangenen gewidmet. Durch die Gitterstäbe schauend: „Mich wundert immer wieder, wie Viele es schaffen, draußen zu bleiben!“ Überraschend sind Papp-Collagen und Zeichnungen, in denen der abstruse Missbrauch von Kartons in allerhand Alltag ausprobiert ist. Die Collagen sind spröde kunstvolle Minimalismen, womit endlich die wichtigeste Eigenschaft des Zeichners benannt ist.

Denn die knappe Diktion auch des „Napoleon’“ ist programmatisch. Da ist kein Strich zuviel. Oft hat man den Verdacht, der Künstler durchmustere seine Werke bei Adaptionen und Variationen, wo er jeweils noch ein paar Striche weglassen könne. Gewiss darf man die Anregung auch dazu bei Saul Steinberg vermuten, dem legendären Zeichner des „New-Yorker“, den Rollow sich früh als Vorbild auserkoren hatte.

All das nun ist nun in Waldheim, raus nach Massanei, auf vier Etagen zu durchschlendern, ein Œuvre. Gewiss hat Rollows markant auch zum Katalog zeitgeschichtlich aktueller Satire beigetragen, doch sein eigentliches Metier ist die ironische Erörterung der ewigen Psychosen, wenn Adam die Eva zu viel begehrt oder zu wenig oder falsch herum, kurz, es geht immer wieder um die ungelöste Grundfrage der Philosophie: Was erschuf, Gott, als er Eva erschuf?

Werner Rollows Ausstellung „Hosen runter! – Ein Fazit“ ist noch bis 4. August zu sehen, geöffnet Freitag 13–18, Samstag/Sonntag 10–16 Uhr, bei der AOK Waldheim, Massaneier Straße 83

Von Meinhard Michael

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