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"Ich bin gar kein richtiger Punk": Nigel Kennedy kommt mit neuem Album nach Leipzig

"Ich bin gar kein richtiger Punk": Nigel Kennedy kommt mit neuem Album nach Leipzig

Frage: Sie haben das Image des Punk-Geigers, stehen aber mit Antonio Vivaldis "Vier Jahreszeiten" im Guinness-Buch der Rekorde für das meistverkaufte Klassikalbum.

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Liebt die Dämmerung; Nigel Kennedy in den polnischen Karpathen

Quelle: dpa

Ist das kein Widerspruch?

Nigel Kennedy: Nein. Ich bin ja auch kein richtiger Punk, denn ich habe eine klassische Ausbildung. Aber ich sympathisiere mit der Grundhaltung, nicht jeden Marketingmist mitzumachen. Es bringt den Plattenfirmen nichts, demographisch zu ermitteln, wie sie welches Segment der Bevölkerung erreichen könnten. Das ist Quatsch. Auf diese Art Musik zu verscherbeln, ist keine gute Sache und funktioniert nicht. Darum lehne ich es ab. Nur insofern bin ich Punk. Aber um auf die Sache mit dem Guinness-Buch zurückzukommen: Die hätten mir wenigstens ein Bier spendieren können!

Wie auch immer: Sie sind der bestverkaufte klassische Musiker der Welt. Ist das kein Widerspruch zu Ihrem Image?

Im Gegenteil: Dass ich so viel verkauft habe, gibt mir die künstlerische Freiheit, die ich brauche, um das zu tun, was ich möchte. Niemand kann mich aufhalten!

In welcher gefühlten Jahreszeit Ihres Lebens befinden Sie sich denn gerade?

Wenn es ein verdammter Tag ist, Herbst. Wenn aber die Sonne so schön scheint wie an diesem furchtbar trüben Tag, dann Frühling.

Licht spielt auch bei zwei Ihrer Eigenkompositionen auf dem neuen Album eine Rolle: "New Dawn", Neue Morgenröte, und "Dusk", Abenddämmerung. Die Titel klingen ein wenig nach dem Soundtrack für einen neuen Twilight-Vampirfilm. Was ist so besonders an dieser Stimmung zwischen Tag und Nacht?

Menschen und Tiere sind sehr stark vom Licht abhängig. Diese Zeit, wenn die Eulen leise rufen und die Morgenröte das Dunkel besiegt, ist für mich das Beste am Tag. Langsam erwacht die Welt zum Leben. Die Atmosphäre ist ganz besonders in der Dämmerung, die Wiesen erscheinen wie unter einem Schleier, der langsam abgestreift wird.

Die Musik von "Recital" erscheint sehr leicht, hat etwas Beruhigendes. Sind Sie ein Jünger der Entschleunigungs-Bewegung?

Ja, absolut. Wenn man sich mehr Zeit für ein Stück lässt, kann man sich viel besser hineinfühlen. Da ist mehr Herz drin, und ich meine das jetzt nicht auf die kitschige Weise. Auch eine ganz simple Melodie kann eine beinahe mystische Wirkung haben, wenn sich der Spieler nicht hetzen lässt.

Überraschenderweise klingen zwei Titel des Albums, "Out In the Ocean" und "Allegro" (inspiriert von Bachs zweiter Sonate für Solo-Violine), sehr ähnlich. Was hat Bach mit irischer Folkmusik zu tun?

Es ist nicht bekannt, ob Bach den St. Patricks's Day gefeiert hat. Aber er wurde von ganz verschiedenen Musiktraditionen beeinflusst. Und auch die irischen Folkmelodien beruhen auf Formeln, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden. Da gibt es sicher Be­rührungspunkte. Natürlich steht in meinen Arrangements jeweils die Violine im Vordergrund.

Empfinden Sie noch Ihre alte Hassliebe zur Geige?

Das ist vorbei. Früher kaufte ich mir billige Geigen und habe sie auf den Boden geworfen, um mich zu rächen für die Zeit, in der ich üben musste. Und um die Leute zu schocken. Inzwischen habe ich gelernt, dass man üben muss, wenn man ein guter Sportler oder Musiker werden will. Du kannst nicht auftauchen und vor 100000 Leuten Fußball spielen. Du musst dafür hart trainieren.

Auf dem neuen Album kombinieren Sie Bach mit Werken des Jazz-Pianisten Fats Waller. Es heißt, der habe Sie Ihr Leben lang inspiriert - inwiefern?

Mein Stiefvater pflegte seine Platten zu spielen, Waller steht für den Klang meiner Kindheit. Seine Musik hat mir eine Idee davon gegeben, was ich mit meinem Leben anfangen könnte. Ich habe es Fats Waller zu verdanken, dass ich heute als Kerl mit Geige in der Hand vor Ihnen stehe.

Swing ist sehr populär zur Zeit. Weshalb, glauben Sie, sehnen wir uns nach etwas von vor vielen Jahren?

Mit den technologischen Errungen­schaften geht eine Ermüdung einher. Ich denke, die Menschen vermissen etwas von dem Enthusiasmus, den die Musik etwa von Count Basie verströmte. Swing verspricht Abenteuer. Und diese Musik ist gut für Eskapisten, damals während der Depression wie heute in der Wirtschaftskrise. Wenn die Menschen schon um ihren Job fürchten müssen, so können sie doch wenigstens über die Musik eine gute Zeit haben.

Nigel Kennedy mit "Recital" im Leipziger Gewandhaus: 19. April, 20 Uhr. Tickets (40,75 bis 75,75 Euro sind erhältlich im LVZ Media Store in den Höfen am Brühl, in allen LVZ-Geschäftsstellen und über die gebührenfreie Tickethotline 08002181050.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom ..

Nina May

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