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„Ich bin verhalten optimistisch“ – Ulf Schirmer wird ab August auch Opern-Intendant

„Ich bin verhalten optimistisch“ – Ulf Schirmer wird ab August auch Opern-Intendant

Nach vier Jahren des Interims hat die Oper Leipzig mit Beginn der kommenden Spielzeit wieder einen Intendanten: Generalmusikdirektor Ulf Schirmer übernimmt auch die Gesamtleitung des Hauses.

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Der neue Leipziger Opern-Intendanten Ulf Schirmer, aufgenommen am Freitag (25.03.2011) während der offiziellen Vorstellung im Leipziger Rathaus.

Quelle: dpa

Leipzig. Peter Korfmacher sprach mit ihm.

Frage: Wo wollen Sie hin mit der Oper?

Ulf Schirmer: Sie bleibt, wo sie ist, am Augustusplatz. Im Ernst: Es gibt den klaren Auftrag, die Oper als Repertoiretheater zu führen. Stagione funktioniert hier nicht. Ich nehme diesen Repertoire-Auftrag sehr ernst, weil auch das Publikum den Wiedererkennungseffekt braucht.

Wissen Sie denn, was das Publikum braucht, und was es will?

Wir wollen es herausfinden. Darum führen wir Publikumsbefragungen und Umfragen durch, fragen Leute auf der Straße, was sie von der Oper Leipzig halten, warum sie sie besuchen – oder nicht. Ich sitze gerade mit der Operndirektorin Franziska Severin an einer Fünfjahres-Planung. Da gibt es eine große weiße Fläche, die sich nach und nach mit Repertoire füllt. Da sehe ich auch den Ring des Nibelungen. Und ich bin ganz gespannt, ob in der Wagner-Stadt Leipzig dann wirklich das Interesse da ist.

Das heißt: Es wird wieder einen szenischen Ring geben in Leipzig?

Ja. Wir starten 2013 mit dem Rheingold. 2016 sind wir fertig.

Ein Repertoire-Theater wird von einem starken Ensemble getragen ...

Das soll im Prinzip auch bei uns so sein. Im Moment hat unser Ensemble 26 Mitglieder. Das werden wir aufzustocken versuchen. Auch über Residenz-Verträge. Das ist ein schönes Mittelding zwischen Gast-Vertrag und Festanstellung. Und es zeigt sich, dass auch die Sänger das gerne annehmen.

In der kommenden Spielzeit nehmen Sie als Repertoire-bildende Maßnahme Alfred Kirchners Rosenkavalier wieder auf – was kommt sonst wieder? Wie viele Produktionen sind technisch so in Schuss, dass sie kurzfristig wieder auf die Bühne zu bringen wären?

Nur Oper? Zu wenig: 20, bei 13 weiteren prüfen wir, ob sie noch gehen.

Wird die Oper häufiger spielen?

Hoffentlich. Das hängt von zwei Faktoren ab: Wie viel bekommen wir hin und wie viel Interesse ist wirklich da.

Ein Repertoire aufzubauen, heißt auch, Neuproduktionen so anzusetzen, dass sie ins Repertoire gehen können ...

In der nächsten Spielzeit spielen wir Tosca. Diese Entscheidung ist schon unter diesem Aspekt getroffen worden, was auch für Mahagonny gilt. Repertoiretauglichkeit ist auch eine Frage der Dichte: An der Wiener Staatsoper gibt es jedes Jahr nach Ostern zwei Vorstellungen von Pfitzners Palestrina, auch das ist Repertoire und wichtig für die Identität eines Hauses. Ich möchte in den kommenden fünf Jahren ein Repertoire von deutlich über 30 Opern fest im Spielplan verankern. Wenn Sie die 20 nehmen, die wir schon haben und dazu rechnen, dass wir pro Saison mindestens vier Neuproduktionen herausbringen, ist das zu schaffen. Ich bin verhalten optimistisch.

Sie gehen von mindestens vier Premieren pro Saison aus?

Wir möchten gerne in jeder Saison eine fünfte Premiere durch Drittmittel ermöglichen. Für zwei Spielzeiten ist das bereits gelungen. Für die übrigen drei – mal sehen.

Fallen die Wagnisse, Exoten, Novitäten aus in den nächsten fünf Jahren?

Nein, keineswegs. Nur populäre Titel zu machen, wäre vor mir selbst unredlich. Wir führen Gespräche mit anderen Häusern, um zu einer Zusammenarbeit bei Neuer Musik zu kommen.

Wie nehmen Sie die Musikalische Komödie wahr? Das Haus wurde oft ein wenig stiefmütterlich behandelt, stand immer mal wieder zur Disposition.

In den Gesprächen mit dem Oberbürgermeister ist klar festgestellt worden, dass die MuKo ein unverzichtbarer Bestandteil des Kulturlebens der Stadt ist. Sie ist ein wichtiger Teil des Dachverbandes Oper Leipzig. Es gibt Überlegungen, auch das Orchester der Musikalischen Komödie in noch stärkerem Maße zu präsentieren, auch mit Musik, die man nicht unmittelbar erwartet. Haydn, Cage, Lehár  – durchaus in einem einzigen Konzert.

Bekommt die MuKo wieder einen Direktor?

Es wird sicher personelle Veränderungen geben. Aber jetzt arbeite ich erst einmal mit denen, die da sind.

Sie tauschen also auch am großen Haus nicht die gesamte Mannschaft aus, wie es viele neue Intendanten erst einmal machen?

Nein, ich trete in den Dialog mit den jetzt Verantwortlichen. Das hängt auch mit der Form dieses Leitungswechsels zusammen. Ich komme nicht von einem anderen Haus, an dem ich lange mit einem festen Mitarbeiter-Stamm gearbeitet habe. Ich habe in den letzten beiden Jahren bereits als Generalmusikdirektor mit denen gearbeitet, die hier am Haus sind.

Wie, glauben Sie, werden sich die städtischen Zuschüsse entwickeln?

Die Oper ist durch die Sparrunde im Januar bereits stark belastet worden, durch den Wegfall von Mitteln aus dem sächsischen Kulturraumgesetz und städtische Einsparungen. Für die Zukunft brauchen wir einen offenen Dialog. Denn noch eine solche Sparwelle wird das Haus sicher nicht verkraften.

Früher war der Generalmusikdirektor der Oper Leipzig immer auch im Großen Concert im Gewandhaus präsent ...

In den letzten beiden Jahren stand dem die terminliche Unmöglichkeit auf meiner Seite im Weg. Aber in der kommenden Spielzeit dirigiere ich auch im Gewandhaus.

Und umgekehrt? Wird Riccardo Chailly als Gast in die Oper zurückkehren?

Das kann ich mir auch sehr gut vorstellen – wir führen darüber sehr konstruktive Gespräche. Ich würde es mir wünschen, dass es zu einem gegenseitigen Austausch kommt.

Und wie viel werden Sie als GMD an der Oper dirigieren?

Zwei Premieren und 20 bis 30 Abende pro Saison – gerne auch Ballett-Produktionen.

Zurück zum Repertoire: Das können Sie kaum bauen, wenn Ihr Chefregisseur Peter Konwitschny weiterhin so viele seiner bereits andernorts bewährten Produktion in den Spielplan bringt ...

Peter Konwitschny hat einen Vertrag, der bis 2014 gilt. Wie sein Vertrag es vorsieht, sollen es zwei Inszenierungen pro Jahr sein. Darauf wird es hinauslaufen.

Peter Korfmacher

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