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"Ich genieße künstlerische Freiheit" - Sophie Hunger und ihr neues Album

"Ich genieße künstlerische Freiheit" - Sophie Hunger und ihr neues Album

Die Schweizer Sängerin, Songwriterin und Komponistin Sophie Hunger (30) spielt unzählige Konzerte im Jahr und setzt sich in ihren Texten kritisch mit der Welt auseinander.

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"The Danger of Light" heißt das aktuelle Album, mit dem Sophie Hunger am Freitag auf die Leipziger Parkbühne kommt.

Quelle: Augustin Rebetez

Leipzig. Am Freitag spielt sie in Leipzig. Im Interview spricht sie über künstlerische Freiheit und die Eigenheiten der Schweiz.

Statt Musik hat sie Germanistik und Anglistik studiert. Die Schweizer Sängerin, Songwriterin und Komponistin Sophie Hunger (30) spielt unzählige Konzerte im Jahr und setzt sich in ihren Texten kritisch mit der Welt auseinander. Am Freitag kommt sie auf die Leipziger Parkbühne. Im Interview spricht sie über das wenig romantische Studentenleben als Person der Öffentlichkeit und wie unheimlich es ihr vorkommt, dass eine Empörung über den NSA-Skandal nahezu ausblieb.

Frage: Wo erreiche ich Sie gerade?

Sophie Hunger:

Zu Hause in Zürich. Ich bin eben erst aufgewacht.

Sind Sie Langschläferin?

Ich gehe immer in der Mitte der Nacht ins Bett und stehe in der Mitte des Tages auf.

Wie haben Sie den Sommer bisher verbracht?

Mit Arbeit. Von Juni bis Juli haben wir viele Konzerte gespielt. Ende des Jahres soll ein Live-Album herauskommen. Ich höre die Aufnahmen durch, um die besten Versionen zusammenzustellen. Nebenbei schreibe ich auch Sachen. Im nächsten Jahr soll es ein Album mit Elektronischer Musik geben. Daran arbeite ich zusammen mit einem DJ. Mehr möchte ich noch nicht verraten.

"The Danger of Light" ist der Titel des neuen Albums. Wie ist das gemeint, im Sinne von Licht ins Dunkel bringen?

Eigentlich nicht. Mein Manager hat mich auf der Straße angerufen. Das Album war fertig, bis auf den Namen. Den sollte ich ihm nennen. Ich überlegte, guckte in den Himmel. Irgendwann taten mir die Augen von der Sonne weh. So kam es zu dem Titel.

Sie wechseln gern zwischen Englisch, Deutsch, Französisch und Schweizer Mundart, um möglichst genau zu sagen, was Sie meinen. Mit "Das Neue" ist auch ein deutscher Titel auf dem Album. Weshalb war das dafür die beste Wahl?

Das kann ich selbst nicht sagen, das passiert intuitiv. Ich fange an zu spielen, und dann kommt eine Sprache heraus.

"Frei zum bestehlen ist neu Sophie Hunger", wie ist diese Zeile aus dem Lied gemeint?

Das ist als Kommentar zu der Diskussion um geistiges Eigentum zu verstehen. Auf unzähligen Seiten im Netz können meine Alben runtergeladen werden. Ich wäre unheimlich reich, wenn dafür tatsächlich bezahlt worden wäre. Aber ich habe kein Problem damit.

Kompensieren Sie den finanziellen Verlust durch Konzerte?

Ich spiele so viel wie möglich. Weil ich das gern mache. Mir geht es gut. Ich habe ein Dach über dem Kopf, genieße künstlerische Freiheit, so etwas ist wertvoll.

Produzieren Sie lieber, oder stehen Sie lieber auf der Bühne?

Früher mochte ich das Produzieren nicht. Es fiel mir schwer. Das hat sich verändert. Ich habe erkannt, wie wichtig es ist, sich auf die technischen Aspekte einzulassen. Dass es verschiedene Mikrofone braucht oder dass die Raumwahl von entscheidender Bedeutung ist. Ein Album aufzunehmen, ist wie ein Foto zu machen: Es ist unheimlich schwierig den Moment einzufangen und die Energie der Musik auf etwas anderes zu übertragen, so dass sie ihr Leben behält.

Was ist beim Schreiben zuerst da, die Melodie oder die Textidee?

Das ist ganz unterschiedlich, mal ist es der Akkord, mal ein Wort.

Welche gesellschaftlichen Themen interessieren Sie derzeit besonders, regen Sie besonders auf, bewegen Sie ...?

Der ganze NSA-Skandal - und dass eine Reaktion darauf fast ausgeblieben ist. Das ist unheimlich. Dass es die Kontrolle gibt, ist nicht unbedingt überraschend. Das Unheimliche daran ist, dass es fast keine Empörung gab. In einer freien Gesellschaft sollte es doch die Balance geben, dass so eine Nachricht Spannungen hervorruft.

Auch in diesem Album sind Sie für die Musik und die Texte der meisten Songs verantwortlich. Gab es schon mal Schreibblockaden?

Ab und zu ja. Wenn ich zu viel Fernsehen gucke oder mich zu viel mit langweiligen Menschen unterhalte. Oder (lacht) wenn ich in der Schweiz bin.

Warum in der Schweiz?

Das ist so eine unrealistische Situation dort. Wenn ich in meiner Wohnung in Paris bin oder andere Großstädte besuche, sehe ich viele verschiedene Nasen, Gangarten, Kleidungsstile - In der Schweiz ist alles so gleich. Wir sind eine sehr homogene Gesellschaft. Weil wir so klein und reich sind und andere nur schwer Eingang finden.

Bedauern Sie es manchmal, in der Schweiz geboren zu sein?

Nein. Geboren bin ich zwar in Bern, aufgewachsen aber an vielen verschiedenen Orten wie London oder Bonn. Ich mag die Schweiz, sie ist unfassbar schön. Wenn ich zu Hause bin, gehe ich zum Fluss und trinke daraus. Die Schweiz ist wie ein Fünf-Sterne-Hotel.

Wo haben Sie eigentlich Germanistik und Anglistik studiert?

Ich habe fünf Mal angefangen und wieder aufgehört. Ich konnte mich einfach nicht konzentrieren. Als ich eigentlich keine Zeit hatte und wieder auf der Bühne stand, hat es lustigerweise funktioniert. Dieses Jahr habe ich meinen Bachelor-Abschluss in Bern gemacht.

Haben Sie sich einfach unter die Studenten gemischt?

Ja, ich bin absichtlich sehr ungepflegt rumgelaufen. Es gab Momente in denen ich erkannt wurde. Das war sehr unangenehm. Diese romantische Vorstellung vom Studium, zusammen lernen, alle sitzen in einem Boot - das gab es nicht. Da war schon eine Distanz zu den anderen.

Welche Musik läuft bei Ihnen derzeit?

Ich höre fast nie Reggae. Vor kurzem habe ich eine Platte auf dem Flohmarkt entdeckt von "The Pioneers" "I'm Gonna Knock On Your Door". Diese Art von Reggae gefällt mir.

Sie sind schon mehrfach in Leipzig aufgetreten. Hatten Sie Zeit, etwas von der Stadt zu sehen?

Leider nicht. Aber ich erinnere mich gut an verschwitzte Nächte in der Moritzbastei und die reizenden Leute um mich herum.

Sophie Hunger live: 16. August, 19.30 Uhr, Parkbühne Leipzig; Karten gibt es im LVZ-Media-Store in den Höfen am Brühl und in der Geschäftsstelle im Peterssteinweg 14 oder mit Glück noch an der Abendkasse

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 13.08.2013

Katharina Schultz

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