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"Ich rappe ja nun schon länger": Megaloh spricht über sein neues Album "Endlich Unendlich"

"Ich rappe ja nun schon länger": Megaloh spricht über sein neues Album "Endlich Unendlich"

Frage: Du legst mit "Endlich Unendlich" eine Platte vor, die als dein "erstes großes Album" über deine neue Label-Heimat Nesola vermarktet wird. Der Titel klingt so, als wärst du schließlich da angekommen, wo du hin willst .

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Hin zur Sonne mit dem musikalischen Anspruch auf Zeitlosigkeit: Uchenna van Capelleveen wie Megaloh bürgerlich heißt.

Quelle: Robert Winter

..

Megaloh: Seit ich vor zehn Jahren ins Musikgeschäft eingestiegen bin, war es bisher eine ziemliche Durststrecke. Ich habe zwar viel veröffentlicht und viele Erfahrungen gemacht, nur hat der finanzielle Erfolg auf sich warten lassen. Das Album jetzt soll sozusagen das Finale dieser Ära einläuten. Jedes Ende ist wiederum ein Anfang. Gleichzeitig bedeutet der Titel, dass ein Moment an sich begrenzt ist, aber auch unendliche Auswirkungen auf die Momente anderer Menschen haben kann. Das war für mich die Herangehensweise an diese Platte: Dass ich bei anderen Menschen etwas bewirken und dabei nicht nur Rap-Fertigkeiten sondern auch Inhalte bieten will.

Der Sound des Albums klingt insgesamt sehr organisch im Vergleich zu deinen früheren Tönen.

Ich hatte den musikalischen Anspruch, etwas Zeitloses zu machen. Das ist für mich dann der Fall, wenn mit echten Instrumenten gearbeitet wird. Klar gibt es auch Stücke, die digital generiert sind und krass klingen. Ich will das nicht abwerten, aber ein klassisches Instrument ist nichts, was einer bestimmten Epoche zugerechnet werden kann, sondern vielmehr diesen zeitlosen Anspruch einfängt. Mein allererstes Hiphop-Konzert war zum Beispiel 1998 ein Live-Gig von den Roots, und die sind total organisch unterwegs. Die Vorstellung, dass der musikalische Anspruch bei organischem Hiphop näher liegt als bei Beats aus dem Computer, hatte ich schon immer. In meinen bisherigen Phasen war die Haltung grundsätzlich arroganter und abwehrender. Da musste der Sound kalt sein.

Dein Intro "Dr. Cooper (Ich weiß)" lebt von einer inzwischen legendär gewordenen Zeile der Heidelberger Stieber Twins. Eine Rückbesinnung auf die Wurzeln im Deutschrap mit dem Anspruch, die Fackel weiterzutragen?

Stimmt, das ist eine Hauptintention dabei. Ich rappe ja nun schon länger und bilde mir ein, ein bisschen Ahnung beziehungsweise einige Wellen miterlebt zu haben. In den 1990er Jahren, als ich zum Rap gekommen bin, habe ich gesehen, was an Style-Reichtum da ist. In den 2000er Jahren hatte ich den Eindruck, dass dieser Reichtum zugunsten der Imagepflege etwas abgenommen hat. Gefühlt kommt jetzt wieder eine Zeit zurück, in der sowohl Künstler als auch Zuhörer offener für Veränderung sind. Das ist eine positive Sache, und bin froh, dass ich in dieser Zeit meine Platte rausbringen kann.

"Loser" erzählt davon, dass du einem wenig ruhmreichen Job im Lager eines Paketdienstleisters nachgehst. Taugt Rap nicht zum Hauptberuf?

Momentan sind die Leute, die über Jahre hin konsequent an sich gearbeitet haben, auf einem Level angekommen, auf dem sie die nächsten Schritte machen, um von Musik leben zu können. Bei mir ist das noch nicht der Fall, aber es ist trotzdem weiterhin der Traum. Warum nicht dafür gehen? Und bis es so weit ist, muss man tun, was man tun muss. Davon erzählt der Song.

Bei "Vaterfigur" schneidest du einen enorm persönlichen Lebensumstand an. Nicht nur, was dich betrifft, sondern auch deine Lebensgefährtin, die offenbar einen Sohn mit in eure Beziehung gebracht hat ...

... zwei Söhne, es sind Zwillinge.

Machen derartige Bekenntnisse angreifbar?

Natürlich. Aber ich kann mich immer noch hinter die Ausrede retten, dass das alles nur Kunst ist (lacht). Mein Leben zu erzählen oder Einblicke zu geben, ist schon der Schritt, den ich auf meinem Album machen will. Diesen Song "Vaterfigur" habe ich mit meiner Freundin durchgesprochen und wir haben beide überlegt, ob uns das nicht zu persönlich ist. Ich hatte auch eine Version, die um einiges persönlicher war. Was auf dem Album gelandet ist, ist sozusagen die Schnittmenge aus meiner eigenen Geschichte und dem, was ich glaube und erlebt habe. Viele Leute da draußen sind in ganz ähnlichen Situationen, über die in unserer Gesellschaft nicht großartig gesprochen wird. So ein Song zeigt einfach, wie die Realität aussieht und wie Menschen versuchen, das Beste daraus zu machen.

Mit Max Herre - deinem Label-Chef - rappst du von "Entschleunigung", mit Samy Deluxe wagst du "Neue Schritte". Inwiefern haben beide deine Album-Produktion beeinflusst?

Es gab keinen direkten Einfluss in dem Sinne, dass mir irgendjemand gesagt hätte, wie ich meine Platte machen soll. In dem Moment, da ich mich entschieden hatte, mit Max zu arbeiten, war schon klar, warum wir das tun. Wir pflegen beide eine Liebe für Musikalität. Bei mir war das in Vergangenheit weniger zu hören, aber Max hat das bei mir von vornherein erkannt. Unsere Überschneidung war, dass ich eher aus der raptechnischen Ecke komme und Max aus einer, wo es um den ganzen Song geht. Er hat mich komplett machen lassen, mir aber seine Erfahrung mitgeteilt, wie er den einen oder anderen Song geschrieben hat und was für Ebenen dabei mit einfließen. Das war eine wahnsinnige Bereicherung. Sam ist ein bisschen wie mein Bruder. Er war mit der erste von den Großen hierzulande, der mir wirklich die Hand gereicht hat. Seit 2006 ist zwischen uns alles cool geblieben. Heute haben wir ein Verhältnis, bei dem einer ins Schwitzen kommt, wenn der andere ein Feature abgibt (lacht).

Ist eine eigenständige Tour zum Album in Planung?

Die wird es im Frühherbst geben. Genaue Termine sind noch in Arbeit, was auch davon abhängt, wie das Jahr läuft und die Platte ankommt. Im Sommer werde ich viel auf Festivals unterwegs sein und anschließend auf Tour gehen. Von mir aus würde ich überall spielen, auch bei den Leuten im Wohnzimmer.

Megaloh: Endlich Unendlich (Nesola/Universal)

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 09.03.2013

Felix Kretz

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