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"Ich war damals Praktikant": Schwarwel über seinen Trickfilm zum Herbst 1989

"Ich war damals Praktikant": Schwarwel über seinen Trickfilm zum Herbst 1989

Der Leipziger Grafiker und Comiczeichner Schwarwel arbeitet gerade an einem Animationskurzfilm, der von der deutschen Teilung und der Friedlichen Revolution handelt - und im Herbst fertig sein soll, wenn sich die Ereignisse zum 25. Mal jähren.

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Filmplakat

Quelle: Schwarwel

Ein Gespräch über 1989, Propaganda-Ästhetik und den ganz eigenen Stil.

LVZ

: Was war die Motivation, einen Film über den Herbst 1989 zu machen?

Schwarwel

: Wir machen ja schon seit einigen Jahren solche Filme, die dann auch auf Festivals oder im Fernsehen laufen. Im letzten Jahr mit unseren Filmen zu Völkerschlacht und Wagner-Jahr haben wir an konkrete Anlässe angedockt und versucht, unser eigenes Bild zu finden. Ich bin lange mit mir ins Gericht gegangen, ob wir was zu 1989 machen sollten, denn das ist natürlich auch biografisch ganz nah dran. Das war bei dem 1813-Film komplett anders, auch wenn es natürlich eine große Empathie mit den Opfern gibt. Aber 1989 durfte man ja richtig dabei sein.

Was haben Sie 1989 gemacht?

Ich war damals Praktikant an den Theaterwerkstätten, habe da gemalt, ohne Aussicht, studieren zu können, weil es aufgrund meiner Vergangenheit ausgeschlossen war. Davor habe ich bei der Volkssolidarität Essen ausgefahren. Noch früher hatte ich eine Dachdeckerlehre gemacht und gleichzeitig mit der Abschlussarbeit meine Kündigung abgegeben, weil ich in dem System nicht arbeiten wollte. Mag ich bis heute nicht und versuche immer, ein eigenes System zu schaffen, so gut es geht, aber irgendwie kommt man da ja nie ganz raus.

Wie stark wird der Film biografisch geprägt sein?

Die biografischen Erlebnisse sind nur ein roter Faden, der den Film zusammenhält. Wir wollten nicht irgendwo in den 1980ern einsetzen und dann beim Zuschauer voraussetzen, dass alle wissen, wie es war. Das war mir zu wenig. Wir setzen an, als die Siegermächte Nazi-Deutschland besiegt haben, und erzählen, wie von da an die Teilung begonnen hat. Das hängt auch damit zusammen, dass wir den Film gerne in Schulen nutzen wollen, um über Geschichte ins Gespräch zu kommen. Und wir wollen definitiv keinen dieser Filme mit ganz vielen Originaltönen und Dokumenten, denn davon gibt es schon genug. Dazu bräuchte es auch keinen Zeichentrick.

Also erzählt ihr die Geschichte der deutschen Teilung in zwölf Minuten?

Ja, genau und mit ganz vielen Emotionen. Die Rahmenhandlung wird natürlich um die Montagsdemo am 9. Oktober angelegt sein, wobei das schon semibiografisch ist, auch weil wir natürlich die Figuren in so einem kurzen Trickfilm ganz anders anlegen müssen als in einem Kurz- oder Dokumentarfilm. Dann arbeiten wir mit Rückblenden und müssen zusehen, dass der Film nicht am Zuschauer vorbeirauscht, sondern auch etwas davon mitnehmen kann. Da können wir also nicht megakomplex in die Psyche einsteigen, sondern wollen mit dem Medium vor allem verschiedene Erzählebenen nutzen.

Orientiert ihr euch in der Ästhetik an den typischen DDR-Vorlagen oder wird der Film im klassischen Schwarwel-Stil entstehen?

Da müsste ich erst mal wissen, was denn der Schwarwel-Stil ist. Alle erzählen immer davon, aber ich kenne den gar nicht, denn ich mache ja ganz viele verschiedene Dinge. Wir beginnen im Film zunächst klein und niedlich, aber natürlich sind die Propagandaschinken und die SED-Plakat-Ästhetik auch drin. Da verbindet dann sicher auch jeder, der mit dabei war, etwas ganz Persönliches. Wobei wir uns schon fragen, wie viel Sinn das dann für in Westdeutschland Geborene oder für die Nachgeborenen ergibt. Da müssen wir mal schauen, wie wir die Balance hinkriegen. Wir wollen die Menschen ja erreichen und daran erinnern, dass Geschichte wichtig ist.

Wie viele Leute braucht man für einen solchen Film?

Wir sind ein Team von acht bis zwölf Leuten und greifen da auf eine Kernmannschaft zurück, mit der wir seit Jahren zusammenarbeiten. Wir haben noch ungefähr einen Monat. Der Druck ist in der Kürze der Zeit ziemlich hoch, das kann auch mal emotional werden, und da ist es wichtig, dass alle am nächsten Tag wiederkommen. Letztes Jahr waren wir am Ende mental ganz schön erschöpft.

Wird es irgendwann einen Schwarwel-Langfilm geben?

Das wäre schon toll, aber das wäre finanziell wie zeitlich ein ganz anderes Unterfangen. Aber vielleicht machen wir auch noch ein paar Kurze etwa zum Ersten Weltkrieg oder Luther. Da gibt es schon noch ein paar Ideen.

"1989 - Unsere Heimat, das sind nicht nur die Städte und Dörfer", Leinwand-Premiere: 10. Oktober, 17 Uhr, Zeitgeschichtliches Forum (Grimmaische Straße 6), Eintritt frei; TV-Premiere: 9. November im MDR-Fernsehen; www.1989-film.de

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 30.08.2014

Torben Ibs

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