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"Ich will Munchs Stimme hören"

"Ich will Munchs Stimme hören"

Edvard Munch hat ein umfangreiches Werk hinterlassen. Steffen Kverneland scheint nicht weniger fleißig: Mit einem 270-seitigen Bilderreigen, getragen von zeichnerischem Können und erzählerischem Witz, hat er eine Biografie des norwegischen Expressionisten verfasst.

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Kverneland spekuliert über die Entstehung von "Der Schrei".

Quelle: Verlag

Leipzig. Im November erhielt das Werk den "Brageprisen", den wichtigsten norwegischen Literaturpreis in der Kategorie Sachbuch. Die deutsche Übersetzung ist im Avant-Verlag erschienen.

Schon das Vorwort hat Kverneland als Comic verfasst. "Ich will Munchs und Strindbergs eigene Stimmen hören, kein langweiliges Referat!", heißt es da. Bei diesen Worten zeichnet sich der Autor mit Flachmann in der Hand und Wut im Blick. Denn: Herkömmliche "Künstlerbiografien à la Im-Kopf-von-Munch sind echt ein richtiger Scheiß."

Einer wie Kverneland darf das sagen. Er lässt Taten folgen. Sieben Jahre hat er akribisch an seinem Buch gearbeitet. Verbürgte Munch-Zitate, Tagebücher und Briefe sind die Quellen, aus denen er schöpft. Ebenso zitiert er Zeitgenossen Munchs, den Schriftsteller August Strindberg etwa oder den polnischen Autor Stanisaw Przybyszewski, der 1894 das erste Buch über Munch veröffentlichte. Der Autor selbst schaltet sich immer wieder als Rechercheur und Moderator ein. So entsteht ein dichter, höchst kurzweiliger Einblick in Munchs Leben, das gestochen scharf in Kvernelands Epochengemälde projiziert wird, in die Geburtsstunde des Expressionismus, Zeit der Bohemiens. Munchs Entwicklung zwischen Oslo, Paris und Berlin zeigt die Biografie, die die großen Werke des Norwegers als Wegmarken setzt. Aber das Interesse gilt vor allem der Entstehung der Bilder, den Triebkräften eines genialen, stilistisch vielseitigen Künstlers, seinem privaten Umfeld, dem er seine Motive entnimmt. Und das ist vor allem in den privaten Momenten bisweilen hochkomisch, wenn man etwa sieht, wie Strindberg - was er gern getan haben soll - Munch mit diabolischem Grinsen ein Bein stellt.

Vor allem aber lebt die Graphic Novel von Kvernelands künstlerischem Talent. Egal ob zeichnerisch mit präziser Linie oder malend den expressionistischen Gegenstand aufgreifend, ob fast spektral aufgefächerte Bilder oder der scharfen Schwarz-Weiß-Ästhetik des Holzschnitts folgend, alles wirkt handwerklich souverän und illustriert über den Stil die Atmosphäre und Seelenzustände der Protagonisten. Ein Schau- und Lesespaß, der trotz Originalquellen Munch so zeigt, wie ihn Kverneland in fast kumpelhafter Annäherung sieht.

Johann Ulrich (Hrsg), Steffen Kverneland (Autor, Illustrator): Munch. Comic-Biographie. Avant-Verlag; 270 Seiten, 34,95 Euro

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 11.12.2013

Dimo Rieß

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