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"Ich wurde als Clown geboren": Antoschka und Co. laden im Oktober zum 1. Clown-Festival

"Ich wurde als Clown geboren": Antoschka und Co. laden im Oktober zum 1. Clown-Festival

Der schmale Körper steckt in einem rot-gelb gestreiften Wollpulli, einer schwarzen Latzhose und roten Stoffturnschuhen. Jekaterina Moschajewa ist verkleidet und dennoch ganz sie selbst.

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Seit 40 Jahren steht Antoschka auf den Theaterbühnen der Welt.

Quelle: Katharina Schultz

Leipzig. In einem Vorraum der Theaterfabrik hat die in Russland geborene Künstlerin Platz genommen, um über das Leben als Clown zu berichten. Und über das im Oktober stattfindende 1. Leipziger Clown-Festival, das eine Figur dorthin bringen soll, wo sie nur noch selten zu sehen ist: auf die Theaterbühne.

Anzug und Schlips helfen Holger Pester nicht, es zu verbergen. "Er ist ein Weißclown", bemerkt Jekaterina Moschajewa über ihr Gegenüber am Tisch, das nun noch schelmischer grinst. Den Intendanten der Theater-Fabrik-Sachsen ehrt diese Enttarnung. "Der Weißclown ist allwissend; er kennt die Regeln des Lebens", erklärt Moschajewa, und Holger Pester setzt nach: "Ein Clown zeigt sich in seiner Denkweise, in seiner Philosophie und Poesie." "Der rote Clown ist ein Kind." Und das steckt in Jekaterina Moschajewa. Ob man sie als Jekaterina oder Antoschka anspricht, ist der 58-Jährigen nicht wichtig: "Ich wurde als Clown geboren." Das bescherte ihr einen ungewöhnlichen Blick auf die Dinge, Beobachtungsgabe, Einfühlungsvermögen und Ehrlichkeit.

Schon in der Schule entdeckte sie "Humor als Waffe". "Peinlichkeit kann schlimmer als Prügel sein", sagt sie mit leicht russischem Akzent. Die Rolle, die sie seit 40 Jahren ausfüllt, kam zufällig zu ihr. Nach einem Winterspaziergang: Antoschka reibt die gekreuzten Arme, um zu zeigen, wie kalt es damals in Moskau war. Zu Hause angekommen, erblickte sie im Spiegel ihr Alter Ego: mit roten Bäckchen, glühender Nasenspitze und verstrubbelten Haaren. Die Idee für Antoschka ist der gleichnamigen sowjetischen Trickfilmfigur nachempfunden. "Das ist durch meine Haut gekommen." Berührungsängste sind ihr fremd. Danach gefragt, ob die Haare echt sind, hält sie die feuerrote Wuschelmähne zum Test hin. Schwer zu sagen, ob Natur oder nicht. "Sie sind an mir fest gemacht", so die Trägerin verschmitzt. Die optische Verschmelzung von Pumuckl und Pippi Langstrumpf ließ sich im Moskauer Staatszirkus ausbilden, reiste viele Jahre mit den Zirkusleuten durch die Welt, ging später mit Solo-Programmen auf Tour. Vor ein paar Jahren ließ sie sich mit ihrem Mann in Glehn bei Düsseldorf nieder.

"Ein Clown ist ein großer Individualist. Der König der Manege." Dennoch wolle sie das "Wagnis" eingehen und mit einem Kollegen auf der Bühne stehen. Das Risiko dürfte sich in Grenzen halten: Als Spielpartner hat sie sich den weltberühmten Clown Oleg Popov ausgesucht. "Dass sich diese beiden auf der Bühne begegnen ist einmalig", so Intendant Pester. Er ist begeistert von dem Projekt: "Was ein Theaterstück in drei Stunden kann, mit vielen Darstellern und Requisiten, kann der Clown mit Mimik und Gestik, oft ohne Worte, in zwei, drei Minuten." Antoschka ergänzt: "Clowns wecken bei den Menschen die Sehnsucht, zu tun, was sie wollen, zu sagen, was sie denken, zu zeigen, was sie fühlen." Auf Theaterbühnen tauchen die komplexen Figuren nur noch selten als "ursprüngliche Erzähler" auf. Das Festival soll das ändern, Neugier bei Alt und Jung wecken und die Lust, den Clown in sich zu entdecken.

Einmal erwacht, wird der mit dem Alter immer besser, meint Antoschka. Aus der Naivität des Kindes, gepaart mit der Weisheit des Lebens, lässt sich besonders viel Wahrheit schöpfen.

18.-27. Oktober in der Leipziger Theaterfabrik. An drei Tagen zeigen Antoschka und Oleg Popov gemeinsam ihr Können. Eingebettet in das Festival sind weitere Shows von Artisten sowie Workshops und "Faust ohne Worte", die Inszenierung des Theaterzirkus Dresden, die ausschließlich Clownerie, Pantomime sowie Tanz und Gesang einsetzen wird. Tickets sind erhältlich im LVZ-Media Store in den Höfen am Brühl, in allen LVZ-Geschäftsstellen und über die gebührenfreie Tickethotline (0800) 218 10 50.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 16.07.2013

Katharina Schultz

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