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Ikea lässt grüßen: Leipziger Grassi-Museum würdigt DDR-Möbeldesigner Rudolf Horn

Ikea lässt grüßen: Leipziger Grassi-Museum würdigt DDR-Möbeldesigner Rudolf Horn

Rudolf Horn bittet freundlich in seine adrette Leipziger Altbauwohnung. Im Wohnzimmer lädt eine niedrige Sessel-Sofa-Garnitur in beige zum Sitzen ein, daneben eine Bücherschrankwand aus Holz.

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Designer Rudolf Horn in der Grassi-Ausstellung in Leipzig.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Das gesamte Mobiliar in der Wohnung stammt aus Entwürfen Horns. Der 85-Jährige gilt als einer der wichtigsten Designer der DDR. Legendär ist das Montagemöbelprogramm MDW, das unter Führung Horns entworfen und in großen Stückzahlen produziert wurde.

„Die starre Wohnung, die starre Garnitur - das alles wollte ich nicht mehr“, erklärt Horn die Idee hinter seinem Klassiker. „Ich wollte die Menschen in die Lage versetzen, dass sie selbst entscheiden können, wie sie leben und wohnen wollen.“ Module waren die Lösung dafür. „Kein fertiges Möbelstück verlässt den Produktionsbetrieb, sondern nur die Bauteile, lautete meine These“, erläutert Horn.

Fotorückblick 2012

Rudolf Horn im LVZ-Online-Porträt

Von 1966 bis 1989 produzierten die Deutschen Werkstätten Hellerau das MDW-System. Horn blickt heute mit Stolz auf sein Schaffen zurück. Nach einer Tischler-Ausbildung absolvierte er ein Studium der Innenarchitektur in den 50er Jahren. Von Anfang an habe er sich die Frage gestellt: „Für wen machst Du das?“ Nicht für eine spießige Oberschicht, die am Sonntag eine Teestube brauchte, habe er Möbel entworfen, sondern für die soziale Mitte.

Sonderpräsentation im Grassi

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Designer Rudolf Horn sitzt im Grassi vor der von ihm entworfenen Schrankwand aus dem Möbelprogramm Deutsche Werkstätten (MDW) in Dresden-Hellerau (Archivbild 2012).

Quelle: Volkmar Heinz

Was damals revolutionär war, ist heute ein Fall fürs Museum. Das  Grassi Museum für Angewandte Kunst in Leipzig hat bereits das MDW-Programm in seiner Dauerausstellung stehen. Anlässlich des 85. Geburtstages von Rudolf Horn im Juni kommt nun noch eine kleine Sonderpräsentation mit zwei Clubsesseln dazu. Diese hat Horn nach dem Vorbild des „Barcelona Chairs“ von Architekt Ludwig Mies van der Rohe entworfen - „nur mit mehr Sitzkomfort“, wie der Gestalter nicht ganz unbescheiden sagt.

Für Sabine Epple, Kuratorin für Moderne im Grassi Museum, ist Horn unbestritten einer der wichtigsten Möbelgestalter der DDR. „Er ist für Ostdeutschland der Repräsentant für das Systemdesign.“ Auch der Berliner Fachjournalist und Experte für DDR-Design, Günter Höhne, bescheinigt Horns Entwürfen, revolutionär gewesen zu sein. „Über 25 Jahre dieses Programm zu pflegen und immer wieder neue Teile zu entwickeln, das ist schon eine einmalige Erfolgsgeschichte.“

Die MDW-Schrankwände seien begehrt gewesen, sagt Höhne. Wie auf viele andere Schrankwände und Waren musste man auf sie in der DDR lange warten. Allerdings könne man nicht sagen, dass MDW nun wirklich in jeder DDR-Wohnung gestanden habe, weiß Höhne. „Lieschen Müller fand die glatten Flächen eher langweilig. Auch bei der Partei- und Staatsführung waren sie erst als funktionalistisch verschrien.“

Überzeugt hätten schließlich die gestalterischen Möglichkeiten der MDW-Serie. „Der Nutzer konnte damit viel freier und kreativer umgehen als mit Ikea heute“, sagt Höhne. Und wie denkt Horn über das aktuelle Möbelangebot? Einfache und zugleich schöne Möbel seien heute eine sehr teure Angelegenheit, sagt der 85-Jährige. Ikea mit der freien Zusammenstellung sei aber schon eine feine Sache, fügt er hinzu. Dass er selbst erst kürzlich in einem Artikel als „Mr. Ikea“ bezeichnet wurde, bringt den DDR-Gestalter Horn zum Lachen.

Martina Weber / Birgit Zimmermann

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