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Illusionen im Leipziger Kunstkraftwerk

Eröffnung Illusionen im Leipziger Kunstkraftwerk

Ausstellungen gibt es in der Saalfelder Straße schon länger zu sehen – nun geht nach den nötigen Sanierungsarbeiten das gesamte Kunstkraftwerk ans Netz. 21 Künstler oder Teams zeigen „Illusion. Nothing is as it seems“.

Auf 400 Quadratmetern sind Arbeiten von 21 Künstlern oder Teams zu sehen und zu erleben: die Ausstellung „Illusion" im Leipziger Kunstkraftwerk.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Wie geht das? Seit fast zwei Jahren sind im Kunstkraftwerk an der Saalfelder Straße Ausstellungen zu sehen, es finden Performances, Konzerte und Theateraufführungen statt. Doch eröffnet wird die Institution erst am Sonnabend.

Die Erklärung ist eigentlich simpel. Einerseits dauern manche bürokratischen Prozesse länger als erwartet, andererseits sind die zuerst für den provisorischen Betrieb genutzten Säle nur ein kleiner Teil der Anlage. Nach den nötigen Sanierungsarbeiten kann nun das gesamte Kunstkraftwerk ans Netz gehen.

Weniger einfach sind die Erklärungen, wie manche der Exponate in der Eröffnungsausstellung funktionieren. „Illusion. Nothing is as it seems“ nennt sie sich. Auf 400 Quadratmetern sind Arbeiten von 21 Künstlern oder Teams zu erleben. Das ist in diesem Zusammenhang das richtige Verb, denn Vieles kann man nicht nur sehen, es geht um Interaktion.

Die Schau wurde vom Psychologen und Magier Richard Wiseman und dem Illusionisten Paul Gleeson konzipiert und erstmals in der Science Gallery Dublin gezeigt. Von da aus ist sie schon nach Malaysia und in die USA gereist und gehört zu den sogenannten Blockbuster-Events, die sechsstellige Besucherzahlen aufweisen. Für die erste Station in Kontinentaleuropa wurde aber nicht allein die fertige Ausstellung übernommen. Unter den rund 30 Bewerbern eines Open Call hat Kuratorin Lavinia Diniz Freitas die Polin Marcelina Wellmer und den Deutschen Moritz Wehrmann ausgewählt.

Wissenschaft trifft Unterthaltung

Dass gerade die formelle Eröffnungsausstellung Schnittmengen sowohl zur Wissenschaft wie auch zur massenkompatiblen Unterhaltung hat, passt ins Gesamtkonzept, welches mit „Art. Schience.Education. Event“ umschrieben wird. Einer der beiden Gründer und Eigentümer des Kunstkraftwerkes, Markus Löffler, ist Professor für Medizinische Informatik, Statistik und Epidemiologie. So liegt es nahe, sich nicht nur auf die „reine“ Kunst zu stützen. Gemeinsam mit dem Architekten und Designer Ulrich Maldinger hat er 2012 die ruinöse Industriebrache mit anderthalb Jahrhunderten Geschichte gekauft und schrittweise umgestaltet.

Dass sich der Standort in der Nähe von Spinnerei, Tapetenwerk und anderen Kultureinrichtungen im aufstrebenden Westen der Stadt befindet, sei Zufall gewesen, sagt Löffler. Durch das spezifische Konzept hat er aber ein Alleinstellungsmerkmal in dieser Nachbarschaft. Als einen „Ort der Neugier, des Staunens und der Vermittlung“ beschreibt er seine Vision. Da es aber nicht ganz ohne Kommerz geht, können die Räumlichkeiten auch für alle möglichen Veranstaltungen von Firmen oder Privatpersonen gemietet werden.

Bis 1992 brannten in dem 1863 erbauten Kraftwerk die Öfen, um die Umgebung mit Heißwasser zu versorgen. Nach dem letzten Arbeitstag blieb alles unberührt stehen wie im Märchen von Dornröschen. Dass auch heute noch in vielen Räumen, vor allem den beiden Haupthallen, noch viele Relikte der industriellen Geschichte zu sehen sind und keine perfekten Oberflächen geschaffen wurden, liegt nicht allein am Denkmalschutz. Für Maldinger passen die verbliebenen technischen Strukturen als gestalterische Elemente zum inhaltlichen Konzept.

Spiel mit den Sinnesorganen

Während die Architektur eine gewisse bodenständige Ehrlichkeit atmet, wird in der Illusionen-Ausstellung heftig mit den Unzulänglichkeiten der menschlichen Sinnesorgane gespielt. Manches ist an die nicht nur bei Kindern beliebten optischen Täuschungen angelehnt, so die dreidimensionale Würfelstruktur von Jennifer Townley, mit der in der DDR Schutzumschläge für Schulbücher bedruckt wurden. Andere Sachen sind raffinierter. Wie Jeff Scanlan große Objekte in Flaschen gebracht hat, ohne diese irgendwie aufzuschneiden, muss unklar bleiben.

Bei vielen Exponaten wird mit Licht und elektronischen Steuerungen gearbeitet. Häufig reagieren die Geräte auf den Besucher, dieser wird durch extra für diesen Zweck angestellte Vermittler zum Mitmachen animiert.

Puristen stellen sich zweifellos die Frage, ob das Etikett Kunst hier noch korrekt ist. Beeindruckend sind die Tricks und Täuschungen sicherlich. Doch eine Show von Siegfried und Roy ist das auch, und die würde man nicht unbedingt unter dem Kunstbegriff subsumieren. Für Markus Löffler und Ulrich Maldinger ist es letztlich unerheblich, wie man das Kind nennt. Man kann vermuten, dass es ihnen viele Leipziger und Gäste danken werden, die Grenzen der Genres genussvoll zu überschreiten.

Illusion. Nothin is as it seems: Eröffnung am 18. Juni 10 Uhr; zu sehen bis 27. November, Mi–So 10–18 Uhr; Saalfelder Straße 8b

Von Jens Kassner

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