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„Im Ausland ist man mutiger“ - Numan Acar im Interview

Neue Rolle bei „Homeland“ „Im Ausland ist man mutiger“ - Numan Acar im Interview

In der vierten Staffel der US-Erfolgsserie „Homeland“ spielt Numan Acar einen Taliban und Topterroristen.  Im Interview spricht er darüber, wie er zu der Rolle kam, und über Stereotype bei Film-Produktionen.

Numan Acar

Quelle: dpa

In der vierten Staffel der US-Erfolgsserie „Homeland“ spielen Sie einen Taliban und Topterroristen. Ist „Homeland“ vor der Kamera ähnlich spannend wie vor dem Fernseher?

Ja, definitiv. „Homeland“ ist eine sehr innovative Serie mit kontroversen, intelligent entworfenen Figuren. Da arbeiten Profis am Set, Vollblutschauspieler, und dennoch ist die Atmosphäre sehr freundschaftlich, beinah familiär.

Wie kamen Sie zu Ihrer Rolle?

Tja, die Frage habe ich mir auch oft gestellt. Denn schon aufgrund der Altersvoraussetzung für die Rolle – 35 bis 50 Jahre – kamen sehr, sehr viele Kollegen für die Figur des Haissam Haqqani infrage. Im Castingvideo für das Team in Los Angeles habe ich die Figur mit großem Selbstbewusstsein angelegt, mir war aber auch wichtig, dass sie menschliche Wärme ausstrahlt. Das gab wohl den Ausschlag. Später sagten mir die Produzenten, dass sie meine Darstellung besonders authentisch fanden.

Ein mitfühlender Terrorist – authentisch?

Es sind eben die allzu menschlichen Widersprüche der Figuren, aus denen die Serie ihren großen Reiz bezieht. Haqqani stammt aus Afghanistan – einem Land, dessen Geschichte eine von Krieg und Widerstand ist; gegen Briten, Russen, Amerikaner. Haqqani ist ein Unterdrückter, er will sich den Eindringlingen widersetzen und verdient sich im bewaffneten Kampf durchaus seine Sporen. Aber er weiß, dass Kampf und Härte allein nicht ausreichen. Er ist auf die Unterstützung, auch auf die Liebe der Menschen um ihn herum angewiesen.

Sie sind gebürtiger Türke und Muslim – hatten Sie nicht Sorge, mit dieser Rolle Klischees und Vorurteile zu bedienen?

In erster Linie bin ich ein Schauspieler, der seinen Beruf ernst nimmt. Plakative, naive Rollen lehne ich ab. Ich mag subtile, intelligente Charaktere. Und die vierte „Homeland“- Staffel eignet sich besonders gut dafür, all jene eines Besseren zu belehren, die der Serie Islamfeindlichkeit vorwerfen. Aber es ist wohl so, dass mein Aussehen mich in Deutschland auf bestimmte Rollen festlegt – jedenfalls kam ich bisher nicht als Lehrer oder als netter Schwiegersohn für deutsche Produktionen infrage.

Sind deutsche Filmemacher stereotyp bei der Rollenvergabe?

Na ja, mir ist jedenfalls irgendwann aufgefallen, dass ich im Ausland in großen Produktionen mitspiele – in der Türkei, in Zypern, Südkorea, Frankreich, England, aktuell stehe ich für den grandiosen Regisseur Zhang Yimou in China vor der Kamera, neben Willem Dafoe und Matt Damon. Da frage ich mich doch: Was mache ich in Deutschland verkehrt? Was läuft da anders?

Und?

Ich denke, es mangelt den Produktionsfirmen an der Bereitschaft, neue Gesichter einzufangen, neue Leute entdecken zu wollen. Das ist im Ausland anders. Da ist man offener, mutiger.

Sie nehmen jetzt also den Umweg über Hollywood, um im deutschen Filmgeschäft durchzustarten?

Ich halte nichts von der Vorstellung, dass es im Filmgeschäft nationale Grenzen gibt. Die Branche ist heute so international, Castings werden online abgehalten. Schauspieler, die sich auf nur einen nationalen Filmmarkt konzentrieren, begehen meiner Meinung nach einen Fehler. Sie können theoretisch jeden Markt bedienen. Ich habe Filmagenten in mehreren Ländern.

Haben Sie noch Kontakt zu den „Homeland“- Darstellern?

Ja, Mandy Patinkin, der Darsteller von Saul Berenson, ist inzwischen ein guter Freund. Wir standen vor Kurzem auch wieder gemeinsam vor der Kamera, für die Verfilmung der Liebesgeschichte „Ali und Nino“.

In welches Land verschlug Sie der Dreh?

Nach Aserbaidschan, ans Kaspische Meer.

Interview: Marina Kormbaki

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