Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
„Im Ausland ist man mutiger“ - Numan Acar im Interview

Neue Rolle bei „Homeland“ „Im Ausland ist man mutiger“ - Numan Acar im Interview

In der vierten Staffel der US-Erfolgsserie „Homeland“ spielt Numan Acar einen Taliban und Topterroristen.  Im Interview spricht er darüber, wie er zu der Rolle kam, und über Stereotype bei Film-Produktionen.

Numan Acar

Quelle: dpa

In der vierten Staffel der US-Erfolgsserie „Homeland“ spielen Sie einen Taliban und Topterroristen. Ist „Homeland“ vor der Kamera ähnlich spannend wie vor dem Fernseher?

Ja, definitiv. „Homeland“ ist eine sehr innovative Serie mit kontroversen, intelligent entworfenen Figuren. Da arbeiten Profis am Set, Vollblutschauspieler, und dennoch ist die Atmosphäre sehr freundschaftlich, beinah familiär.

Wie kamen Sie zu Ihrer Rolle?

Tja, die Frage habe ich mir auch oft gestellt. Denn schon aufgrund der Altersvoraussetzung für die Rolle – 35 bis 50 Jahre – kamen sehr, sehr viele Kollegen für die Figur des Haissam Haqqani infrage. Im Castingvideo für das Team in Los Angeles habe ich die Figur mit großem Selbstbewusstsein angelegt, mir war aber auch wichtig, dass sie menschliche Wärme ausstrahlt. Das gab wohl den Ausschlag. Später sagten mir die Produzenten, dass sie meine Darstellung besonders authentisch fanden.

Ein mitfühlender Terrorist – authentisch?

Es sind eben die allzu menschlichen Widersprüche der Figuren, aus denen die Serie ihren großen Reiz bezieht. Haqqani stammt aus Afghanistan – einem Land, dessen Geschichte eine von Krieg und Widerstand ist; gegen Briten, Russen, Amerikaner. Haqqani ist ein Unterdrückter, er will sich den Eindringlingen widersetzen und verdient sich im bewaffneten Kampf durchaus seine Sporen. Aber er weiß, dass Kampf und Härte allein nicht ausreichen. Er ist auf die Unterstützung, auch auf die Liebe der Menschen um ihn herum angewiesen.

Sie sind gebürtiger Türke und Muslim – hatten Sie nicht Sorge, mit dieser Rolle Klischees und Vorurteile zu bedienen?

In erster Linie bin ich ein Schauspieler, der seinen Beruf ernst nimmt. Plakative, naive Rollen lehne ich ab. Ich mag subtile, intelligente Charaktere. Und die vierte „Homeland“- Staffel eignet sich besonders gut dafür, all jene eines Besseren zu belehren, die der Serie Islamfeindlichkeit vorwerfen. Aber es ist wohl so, dass mein Aussehen mich in Deutschland auf bestimmte Rollen festlegt – jedenfalls kam ich bisher nicht als Lehrer oder als netter Schwiegersohn für deutsche Produktionen infrage.

Sind deutsche Filmemacher stereotyp bei der Rollenvergabe?

Na ja, mir ist jedenfalls irgendwann aufgefallen, dass ich im Ausland in großen Produktionen mitspiele – in der Türkei, in Zypern, Südkorea, Frankreich, England, aktuell stehe ich für den grandiosen Regisseur Zhang Yimou in China vor der Kamera, neben Willem Dafoe und Matt Damon. Da frage ich mich doch: Was mache ich in Deutschland verkehrt? Was läuft da anders?

Und?

Ich denke, es mangelt den Produktionsfirmen an der Bereitschaft, neue Gesichter einzufangen, neue Leute entdecken zu wollen. Das ist im Ausland anders. Da ist man offener, mutiger.

Sie nehmen jetzt also den Umweg über Hollywood, um im deutschen Filmgeschäft durchzustarten?

Ich halte nichts von der Vorstellung, dass es im Filmgeschäft nationale Grenzen gibt. Die Branche ist heute so international, Castings werden online abgehalten. Schauspieler, die sich auf nur einen nationalen Filmmarkt konzentrieren, begehen meiner Meinung nach einen Fehler. Sie können theoretisch jeden Markt bedienen. Ich habe Filmagenten in mehreren Ländern.

Haben Sie noch Kontakt zu den „Homeland“- Darstellern?

Ja, Mandy Patinkin, der Darsteller von Saul Berenson, ist inzwischen ein guter Freund. Wir standen vor Kurzem auch wieder gemeinsam vor der Kamera, für die Verfilmung der Liebesgeschichte „Ali und Nino“.

In welches Land verschlug Sie der Dreh?

Nach Aserbaidschan, ans Kaspische Meer.

Interview: Marina Kormbaki

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News
  • Dreamhack Leipzig

    Auf der Dremhack 2017 treten die besten Computerspieler gegeneinander an. mehr

  • Asisi - Welt der Panoramen
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Great Barrier Reef" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zum Great Barrier Reef im Panometer Leipzig und den asisi-Panoramen in Dresden. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

Blättern Sie hier durch die aktuelle Veranstaltungsbeilage "Applaus" und finden Sie Konzerte, Shows, Ausstellungen, Sport-Events und mehr in Leipzig und Umgebung. mehr

Erfahren Sie mehr auf www.leipziger-museen.de

Leipzig gilt als der Geburtsort der modernen Psychologie. Wie früher und heute im Geist geforscht wurde ist vom 14. September bis zum 16. Dezember 2016 in der Ausstellung "Psychologie in Leipzig - Geburt einer Wissenschaft" zu sehen. Besucher können sowohl Beobachter als auch Versuchsperson sein. Unsere Schau des Monats November! mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Onlineabo

    "LVZ-Online Extra" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kö... mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • So war das damals...
    So war das damals...

    Dies ist ein Geschichtenbuch der besonderen Art: Leserinnen und Leser der Leipziger Volkszeitung erzählen Erlebnisse aus ihrer Kindheit und Jugend,... mehr