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Im Knast-Theater wird Holländer-Michel zum Dealer

Im Knast-Theater wird Holländer-Michel zum Dealer

Eine Stimme dröhnt über den Gefängnishof: „Du darfst nicht auf dem Gang rumstehen. Du darfst keine Zigarettenkippen aus dem Fenster werfen.“ Auch wenn die Gefangenen der Dresdner Justizvollzugsanstalt (JVA) Theater spielen, geht es um ihren Alltag.

Dresden. Verbote und Regeln, die im Vollzug gelten, flossen in ihr neues Stück „Lauf, Krabat“ ein, das am 18. Juni Premiere hat. Im November ist dem Knast-Theater in Sachsen sogar ein Festival gewidmet. Dann erhalten jene Applaus, die „draußen“ meist keinen Beifall erwarten können.

Alfred Haberkorn ist Leiter des Kreativzentrums der JVA Zeithain und weiß, warum Theaterstücke im Gefängnis oft von Themen wie Strafe und Freiheit handeln. „Eigentlich wollen die Gefangenen das gar nicht. Aber sie bringen sich selbst aktiv in die Stückentwicklung ein, so dass ihre Lebenswelt automatisch eine Rolle spielt.“ So sei bei einem seiner ersten Theaterprojekte im Gefängnis der Holländer- Michel aus „Das kalte Herz“ zum Drogendealer geworden - auf Anregung der Schauspieler.

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Dresden. In Sachsen laufen die Proben für die ersten Theatertage im Justizvollzug. Unter dem Motto „Land in Sicht“ sind vom 17. bis zum 21. November fünf Produktionen in verschiedenen Gefängnissen zu sehen. Neben den Haftanstalten beteiligen sich auch das Theater Junge Generation und das Staatsschauspiel Dresden sowie der Maßregelvollzug Arnsdorf.

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Dabei gehe es bei Theaterprojekten im Gefängnis gerade darum, den Beteiligten einen Rollenwechsel zu ermöglichen. „Die Gefangenen werden hier nicht auf ihre Straftaten reduziert, die ganze Persönlichkeit spielt eine Rolle“, sagt Haberkorn. Dies erleichtere auch den Umgang zwischen Justizbeamten und Gefangenen. „Das verändert die Atmosphäre in der gesamten Anstalt“, bestätigt der Leiter der JVA Zeithain, Bernd Schiebel.

Große Talente will Haberkorn nicht entdecken. Letztlich gehe es darum, Straftäter wieder in die Gesellschaft einzugliedern. „Die Gefangenen beschäftigen sich über die Kunst intensiv mit sich selbst und können so lernen, ihr bisheriges Problemverhalten zu ändern.“ Das trainiere er mit seinen Schauspielern nicht nur im Theaterstück. Aus den Proben entstünden Aufgaben, die im Alltag zu lösen sind.

An Theater als Therapieform glaubt auch Sachsens Justizminister Jürgen Martens (FDP) - Schirmherr des ersten JVA-Theaterfestivals. „Die Kunst ist oft der letzte Zugangspunkt, um einen Gefangenen zu erreichen“, sagt der Minister. „Sie lernen auch, dass Konflikte anders als mit Gewalt gelöst werden können.“

Auch Haberkorn spricht von solchen Erfahrungen. Es seien vor allem die „schwierigen Typen“, die sich freiwillig zum Theater melden. „Oft waren sie selbst noch nie im Theater. Ihnen geht es auch nicht um die Stücke, sondern vor allem um die Auseinandersetzung mit sich selbst und den Schauspielkollegen“, so der Therapeut. Die Komödie stehe im Gefängnis besonders hoch im Kurs. „Bei den Proben wird häufig gelacht.“ Drama und Tragödie seien im Knast ohnehin ständig präsent.

Für die Gefangenen ist das Theater vor allem Abwechslung im sonst langweiligen Alltag. Matthias P. aus Zwickau sitzt seit 2007 in Dresden und hat bis 2018 noch viel Zeit vor sich. „Man kommt mal aus dem ganzen Trott raus“, nennt der 49-Jährige sein Motiv fürs Mitmachen. In der Freiheit zog es ihn eher in der Dico als ins Theater. Jetzt spielt Matthias P., der schauspielerisch Schimanski alias Götz George als Vorbild nennt, begeistert mit. „Die Arbeit an dem Stück hat auch die ganze Gruppe verändert“, sagt der Zwickauer.

Denise Peikert, dpa

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