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Im Schein des Edelmetalls: Meisterschüler in der HGB

Im Schein des Edelmetalls: Meisterschüler in der HGB

Im Jahr des 250. Geburtstags der Leipziger Kunstakademie muss auch die Meisterschülerausstellung etwas vom Glanz dieses Ereignisses abbekommen.

So verlassen 2014 nicht einfach Meister die Schule, sondern Golden Masters. Viele Eigendarstellungen der HGB in diesem Jahr vermittelten den Eindruck, dass man unbedingt vom Image der Malerschule weg möchte. Doch nun kommen zehn der 22 abgehenden Meisterschüler aus dem Fachbereich Malerei/Grafik. Zwar muss man solch eine Bezeichnung relativ verstehen, Grenzüberschreitungen sind gewollt. Doch ist das eigentlich Überraschende an der jetzigen Präsentation ein starker Auftritt des Traditionellen.

Am auffälligsten ist dieses Verhaftetsein in den Bildern Mona Bróschars. Wie zur Blütezeit des Surrealismus verknüpft sie Disparates und erfindet organische Formen in einer Ausdrucksweise zwischen Magritte und Dalí. Wie ein Kinoplakat eines religiös angehauchten Films aus den Fünfzigern hingegen wirkt Martin Zieglers "Deadhead - Säule - Ich".

Nicht ganz so direkt lassen sich die Gemälde von Mandy Kunze und Marie Carolin Knoth auf historische Vorbilder zurückführen, sind dennoch herkömmlichen Macharten verpflichtet. Knoths Bilder sind nicht in der HGB, sondern in der Mattheuer-Stiftung zu sehen. In einer Kombination mehrerer Techniken erzählt sie leicht altmodisch anmutende Episoden unter dem bezeichnenden Motto Aufbruch und Wandlung. Von Kunze wird das großformatige Gemälde "Tao" in der Ausstellung gezeigt. Die nächtliche Ansicht einer abgelegenen Straße beruht auf einem realen Ort, doch mehrere Farbschichten erzeugen vielfältig ausdeutbare Schemen.

Natürlich stehen den Traditionalisten andere Positionen gegenüber, sogar unter den Malern. So zeigt Claus Stabe Collagen, die aus winzigen Mosaikstückchen zusammengesetzt sind, und Robert Schwark holt aus realen Dingen wie den Stufen einer Rolltreppe die reine Struktur heraus. Molina Gosh sagt sogar, sie sei froh, bei der Suche nach dem Unmittelbaren endlich von der Gegenständlichkeit wegzukommen. Das erreicht sie, indem die Rückseiten von collagierten Blättern zum eigentlichen Motiv werden. Simon Reimann verzichtet ganz auf das statische Bild, projiziert stattdessen Gesichter bekannter Persönlichkeiten in Che-Guevara T-Shirts. Die Ikone wird so zum Wechselrahmen.

Auffälligste Arbeit ist die raumgreifende Bodeninstallation von Orsolya Horváth. Aus Ton hat sie Figuren und Gegenstände geformt, meist in Serie. Auch wenn sie Boschs "Garten der Lüste" als eine Referenz nennt, hat dieser Aufmarsch doch eher einen dystopischen Charakter. Gegen solch große Gesten haben es in der Aufmerksamkeitsökonomie die pragmatisch ausgerichteten Arbeiten schwerer. So etwa das Buch zur Geschichte der Zeitung "Iskra" von Joachim Bartsch und Timo Grimberg oder der Foto-Essay von Sandra Schubert, die Abbildungen nautischer Fluchtvehikel aus Stasi-Unterlagen nachforscht.

Der Zukunft zugewandt im Selbstverständnis der Schule sind zweifelsfrei die multimedialen Werke. Der aus Ägypten stammende Ahmed Kamel untersucht in einem Film Vorstellungen vom Paradies in Christentum und Islam. Sven Bergelt beschäftigt sich in einer Kombination von Text und Sound mit Remakes eines Klassikers der Videokunst.

Eine Ahnung von den Perspektiven der Malerei bekommt man schließlich auch noch. So wie schon im Vorjahr eine Kollegin zerlegt diesmal Franziska Jyrch Keilrahmen, also den Inbegriff konservativen Kunstschaffens, in ihre Bestandteile. Und Stephan Jäschke rollt eine großformatige Leinwand zusammen. Die Idee vom Bild wird wichtiger als dieses selbst.

Dass man darin wirklich einen Ausblick erkennen darf, wird daran deutlich, dass am vergangenen Donnerstag nicht nur die Meisterschüler des Jahrganges 2014 verabschiedet wurden, sondern mit Neo Rauch auch einer ihrer Mentoren, der seinen Vertrag nicht mehr verlängert hat.

The Golden Masters - Meisterschülerausstellung des Jubiläumsjahres in Galerie, Lichthalle und Festsaal der Hochschule für Grafik und Buchkunst, Wächterstraße 11; bis 25. Oktober, Di-Fr 14-18 Uhr, Sa 12-16 Uhr

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 14.10.2014
Jens Kassner

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