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Im Sommertheater des Konsortiums Luft und Tiefe hat Gott keine Lust mehr

Premiere Im Sommertheater des Konsortiums Luft und Tiefe hat Gott keine Lust mehr

Die Mission ist heikel in „Der letzte Engel“. So heißt das diesjährige Sommertheater des Konsortiums Luft und Tiefe. Denn der besagte Engel soll auf der Erde aufräumen, bevor Gott sie endgültig verlässt. Am Mittwoch war vor dem Völkerschlachtdenkmal die Leipzig-Premiere.

Auf Abwegen: Kirsten Hildisch (in blau) begibt sich unter die Menschen. Es spielen Roger Döring, Johannes Gabriel, Simon van Parys, Verena Noll und Astrid Kohlhoff (von links).

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. „Ich will nicht auf die Erde.“ Der himmlische Gesandte macht keinen Hehl daraus, nicht die geringste Lust auf seinen Ausflug auf den blauen Planeten zu haben. Aber das Unternehmen, in dem er fungiert, ist nunmal hierarchisch gegliedert, und Auftrag ist Auftrag.

Die Mission ist heikel in „Der letzte Engel“. So heißt das diesjährige Sommertheater des Konsortiums Luft und Tiefe, das sich aus Künstlern der Schaustelle Halle und der Theaterschafft Leipzig zusammensetzt. In Zusammenarbeit mit dem Künstlerhaus Thüringen Schloss Kannawurf ist eine Dreiländer-Produktion daraus geworden, die bereits in Halle Premiere hatte und am Mittwochabend vor der Kulisse des Völkerschlachtdenkmals erstmals in Leipzig zu sehen war. Und die Prämisse des Abends klingt, wirft man einen Blick in die täglichen Nachrichtensendungen, beängstigend plausibel: Gott hat kein Interesse mehr an seinem Projekt Menschheit und wendet sich ab. Vorher wird aufgeräumt. Der Engel soll die Tafeln mit den zehn Geboten wieder kassieren, was zum Langfristprojekt wird, weil er nicht einfach selbst zugreift, sondern mit Manipulationen, DNA-Konfigurationen und himmlischem Funke einen Auserwählten zu der Tat bringen muss.

Die Inszenierung von Regisseur Silvio Beck spielt üppige zweieinhalb Stunden mit den Unschärfen des menschlichen Schicksals. Der Schatten des Glaubens liegt eben noch zart über der säkularen Gesellschaft. Gott, Physik, der Mensch, die Geschichte, Zufall – wer hat eigentlich was zu sagen im großen Schicksalsspiel?

Ein Engel wie ein CIA-Agent

Im Stück trifft der Astro-Physiker Felix Buchner (Johannes Gabriel) den Privat-Intellektuellen Rudolf Adler (Simon van Parys). Deren Väter standen sich einst als Mörder und Richter gegenüber. Die Söhne freunden sich an, die Freundin (Astrid Kohlhoff) des einen wird die Frau des anderen, die während der Schwangerschaft ins Koma fällt. Das Kind aber wurde vom Ex-Freund gezeugt, der es mit der Mutter der Mutter (Verena Noll) aufziehen wird. Der Abend tastet die familiären Verwringungen als Drama bis in die letzten Knitter ab. Und das zieht sich. Trotz guten Spiels, einiger witziger Dialoge und Saxofon-Sounds von Roger Döring. Nach der Pause zeigt die Inszenierung mehr Zielstrebigkeit – und berührende Szenen. Kohlhoff spielt in neuer Rolle überzeugend den Sohn Franz. Ein Sonderling, der, ohne es zu wissen, die Mission des Engels zu Ende bringt. Aber auch den Jungen wehen am Bett der komatösen Mutter bereits die ersten großen Fragen an. „Warum ist überhaupt etwas?“

Das Szenario mag überkonstruiert wirken – aber geeignet ist es, die Fragen nach Sinn und Ursache herauszuarbeiten. Kann das alles Zufall sein? Im Stück ist das Marionetten-Spiel des Engels (Kristen Hildisch) für die Fügungen verantwortlich. Der Engel allerdings agiert als skrupelloser Fallensteller und Manipulator eher wie ein CIA-Agent. Gemordet wird nicht mit Drohnen, sondern mit Meteoriten. Andere Technik, kommt aber auf das Gleiche raus. Und so taugt dieser Engel als Universal-Schablone für alle Erklärungsversuche, die wir auf das Schicksal legen.

Auch von Donnerstag bis Sonntag, je 20 Uhr; Abendkasse: 17/11 Euro

Von Dimo Rieß

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