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Im Tanga zum Unterricht: Band Knorkator gibt 1000 Fans ein lehrreiches Konzert

Felsenkeller Im Tanga zum Unterricht: Band Knorkator gibt 1000 Fans ein lehrreiches Konzert

Vom zehnjährigen Nachwuchsfan mit dicken Schallschutzkopfhörern bis zum weißbärtigen Alt­rocker haben am Samstagabend weit über 1000 Fans den restlos ausverkauften Felsenkeller bis dicht an die Klotüren gefüllt: Die Berliner Quatschband Knorkator war da.

Stumpen in der „schönsten aller Städte“ – im Leipziger Felsenkeller.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Zu lernen gibt es allerhand bei Knorkator. Hinter dem vordergründigen Nonsens ihrer Musik verbirgt sich mehr Hintersinn und Gehalt, als man denkt. Man stelle sich vor, ein so überdreht euphorischer wie korrekter Lehrer wäre angetreten, seinen Schülern mit Hilfe von Rammstein und Helge Schneider die Welt zu erklären. Wo sonst bekommt man die Entfernung bis zum Horizont präzise vorgerechnet, die Schnittmenge zwischen Grufti und Grubenarbeiter erläutert und in Brechtscher Verneinung einen Crashkurs in Musiktheorie und -geschichte geboten, tonsicher von der Metallröhre bis zum Falsett. Bei Konzerten kommt mitunter Konsistenzlehre diverser Gemüsesorten dazu und eine Lektion darüber, wie sich Hyperaktivität wirksam in Bühnenpräsenz umwandeln lässt.

Die Didaktik wirkt: Vom zehnjährigen Nachwuchsfan mit dicken Schallschutzkopfhörern bis zum weißbärtigen Alt­rocker füllen weit über 1000 Schüler den restlos ausverkauften Felsenkeller bis dicht an die Klotüren.

Den Gemüsehäcksler lassen Knorkator mittlerweile in der Gartenlaube, und auch das Bewegungslevel von Oberlehrer Stumpen musste am Samstag aufgrund einer Beinverletzung von hyperaktiv zu überdreht abgestuft werden. Das Haupt-Trio betritt als geblümter Elvis (Buzz Dee), esoterisch-griechisches Götterwesen (Alf Ator) und verwachsener Naturkobold (Stumpen) die Bühne.

Erinnerung an Think About Mutation

Während der ersten Lieder entledigt sich Stumpen Stück für Stück seines Kostüms, denn erst im Tanga ist der eindrucksvoll Ganzkörpertätowierte als Bühnenmensch komplett. Überschwänglich freut er sich über das lokale Publikum in der „schönsten aller Städte“, nicht zuletzt, weil mit Bassist Rajko Gohlke seit einigen Jahren auch ein Leipziger Knorkator komplettiert. Konzentriert man sich in den härteren, elektro-gestützten Brachialnummern nur auf ihn, kann man ein klein wenig in Think About Mutation Erinnerung schwelgen.

Doch zurück zum Unterricht: Brav lauscht man den, anhand eines Versuchskaninchens aus dem Publikum demonstrierten, Erläuterungen zum korrekten Crowdsurfen, zahlreich wird es hernach praktisch geübt. Schon bald kocht der Saal buchstäblich, Wasser rinnt die Gewölbesäulen herab, das verschüttete Bier kommt einem stilechten Sauna­aufguss gleich. Eindruckvoll auch, wie stark das Felsenkeller-Parkett nachgeben kann, wenn 1000 Menschen im Takt springen. Wichtigster Lerneffekt ist am Ende nämlich die Glückswirkung der Physik eines Rockkonzertes, so dass man zufrieden nach diesem Unterricht der Anweisung Knorkators folgen kann: „Zähneputzen, pullern und ab ins Bett.“

Von Karsten Kriesel

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