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„Im Vorhof zu Himmel und Hölle“: Kultkneipe Flowerpower hat einen neuen Eigentümer

Nachtleben „Im Vorhof zu Himmel und Hölle“: Kultkneipe Flowerpower hat einen neuen Eigentümer

Betreiberwechsel nach gut 20 Jahren: Gründungswirt André Streng hat die Leipziger Musikkneipe Flowerpower an seinen Halbbruder Daniel Weise weitergereicht.

Fahrerwechsel im Flowerpower: Statt Gründer André Streng (links) sitzt künftig Halbbruder Daniel Weise am Steuer.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Die beiden T-Shirts mit dem Flowerpowerlogo könnten kaum besser für den Führungswechsel in der Kultkneipe stehen. Bei André Streng verblassen die Farben, beginnt der Aufdruck langsam zu bröckeln. Der 46-Jährige hat seinen Laden in der Riemannstraße 1996 aus dem Boden gestampft und ihn binnen zwei Jahrzehnten zu einer Leipziger Institution für partyorientierten Alkoholkonsum bis in die frühen Morgenstunden gemacht. Bei seinem 35-jährigen Halbbruder Daniel Weise, der die Bar Anfang des Jahres übernommen hat, strahlt der rote Schriftzug hingegen mit ganzer Kraft, steht das Flowerpower im wahrsten Sinne des Wortes in voller Blüte.

„Nach 20 Jahren habe ich einfach nicht mehr die Kraft, aber vor allem nicht mehr die nötige Kreativität“, erklärt Streng seine Entscheidung, „für mich war immer klar, dass ich den Laden dann nicht an irgendeinen Gastromulti verkaufe.“ Weil der Sohn mit knapp zehn Jahren für den Job zu jung, die eigene Mutter zu alt ist, sei die Wahl früh auf den jüngeren Bruder gefallen.

Der ist eigentlich gelernter Fliesen­leger, hat aber schon mit 15 Jahren erste Erfahrungen hinter dem Tresen des Familienbetriebs gesammelt. Mittlerweile betreibt er seit über zehn Jahren das „La Boum“ auf der Karl-Liebknecht-Straße und seit zwei Jahren einen Beachclub am Zwenkauer See – der Gastrogeschäftssinn liegt in den Genen. Dass Weise nun auch im liebevoll als „Vorhof zu Himmel und Hölle“ bezeichneten Flowerpower am Ruder sitzt, ist für die Brüder logische Konsequenz.

Der Gründer bleibt – als Angestellter

Große Veränderungen seien nicht nötig: „An Konzept und Image wird nicht gerüttelt“, verspricht Weise, „aber wir haben den Laden ein wenig an die heutigen Bedingungen in der Gastronomie angepasst.“ Eine Angestellte kümmert sich nun während der Öffnungszeiten um die Toiletten und versorgt die neu eingerichtete Garderobe. Beim Personal gebe es, so Weise, ein paar Wechsel und neue Regeln, vor allem für die Türsteher. „Wir mussten uns bei einem kleinen Teil unserer Gäste die Frage stellen, ob es hier ohne sie besser wäre“, formuliert der neue Geschäftsführer die neue Einlasspolitik diplomatisch und ergänzt: „Es soll nicht darum gehen, wer der Betrunkenste ist, sondern wer den meisten Spaß hat.“ Veränderungen gibt es ab Mai auch beim Angebot. „Wir hatten hier schon immer gute Getränke, aber die Leute wollen heute eine größere Auswahl, sich auch mal was gönnen. Dem Wunsch kommen wir nach“, sagt Weise.

Ex-Eigentümer Streng nimmt es beeindruckend gelassen, dass der Bruder bei seinem Lebenswerk an so mancher Stellschraube dreht: „Ich bin froh. Daniel ist ein Top-Gastronom, das hat er im Flowerpower in Halle und im La Boum gezeigt, und er beweist es hier wieder. Er sieht Dinge, die mir nicht auffallen oder zu denen ich nicht mehr gekommen bin.“ Gänzlich zurückziehen, wolle sich Streng auch in Zukunft nicht. Er ist weiterhin bei seinem Bruder angestellt und im Hintergrund vor allem mit Organisation und „Papierkram“ betraut. Endlich bleibe nun mehr Zeit für die Familie. Weise hingegen hat mit dem Flowerpower noch einiges vor und sich vom großen Bruder viel abgeschaut. Eine Sache wolle er jedoch definitiv anders machen: „Ich habe gemerkt, dass es nicht gesund ist, über Jahre hinweg sieben Tage die Woche zu arbeiten.“

Von Anton Zirk

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