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Imponierende Ensembleleitung: "Ladies Room", die neue Show im Krystallpalast Varieté

Imponierende Ensembleleitung: "Ladies Room", die neue Show im Krystallpalast Varieté

Modernes, intelligentes, unterhaltsames Varieté-Theater - dabei ist der Ladies' Room eine altmodische Angelegenheit aus Ballhäusern des vorigen Jahrhunderts. Weit mehr als ein Damenklo, ein Raum mit großen Spiegeln und vielen Schminktischen.

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Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. In dem sich Frau schön machen konnte. Ehe sie ins Vergnügen stürzte. Das Bühnenbild von Oskari Löytönen vermittelt den passenden Eindruck. Und allein die Tatsache eines real vorhandenen Bühnenbildes in Leipzigs Varieté lässt ahnen, dass Besonderes zu erwarten ist.

Das lässt sich zunächst Zeit. Zwei Türen - streng getrennt durch D und H - warten auf Kundschaft. Die weibliche schlendert aus dem Saal durch die ihre, eine hängt mutwillig ein Schild an die andere - "Außer Betrieb". Böse Falle und das Auftrittssignal für Kimmo Hietanen, das dürre Männchen, auf das sechsfache Frauenpower lauert. Sein dringendes Bedürfnis steppt der Artist vor seiner scheinbar verriegelten Tür in den Bühnenboden. Späht in höchster Not durch die andere, und die aufleuchtenden Scheinwerfer hinter dem transparenten Vorhang geben den Blick frei auf die Ladies im Room, die sich schminken und kämmen und pudern -

Dieses optische Leitmotiv wird - zumindest im ersten Teil - auch zum szenischen Motor. Diese Krystallpalast-Produktion hat der Belgier Philippe Vande Weghe inszeniert. Am Konzept haben seit 2010 neben diesem Mann vom Theater und Zirkus mit Kimmo Hietanen, Sanna Kopra und Lotta Paavilainen (alle Finnland) drei Artisten der Show mitgearbeitet.

Die Früchte dieser intensiven Arbeit kann das Publikum jetzt genießen. In einer Show, in der sich spielerisch choreografierte Szenen mit artistischen Solo-Acts mischen, pantomimísche Effekte, Tanz und stimmige Musik zum fantastischen Varieté-Theater verschmelzem. Mit einer imponierenden Ensembleleistung: Alle sieben Artisten sind pausenlos auf der Bühne präsent

Auch wenn die allerorten angemahnte Frauenquote hier geradezu explodiert ist, der rasante Geschlechterkampf beweist Bühnenreife durch geschickten Bruch und ironisches Spiel mit Rollen-Klischees. Spannung ist garantiert, weil in diesem ungleichen Kampf Hietanen nicht als männlicher Volltrottel durch die Frauenräume stolpert. Sondern - getrieben vom Bedürfnis - sich windet, verstellt, ungeschickt verkleidet, von den mitfühlenden Frauen gestylt, frisiert, an den dürren Waden enthaart und dann doch noch entlarvt und kopfüber in der Toilette weggespült wird. Um schließlich im zweiten Teil eine fantastische Wiedergeburt als Venus zu durchleben, die den Leidgeprüften zu seinem eigentlichen Metier zurückführt - seine skurrile, tänzerisch und technisch perfekte Balance auf dem schwierigen Schlappseil.

Ein Beispiel, das für die Dramaturgie der Show steht. Alle bedienen konsequent die Spielidee, die artistischen Nummern sind in den szenischen Ablauf eingewoben. Sanna Kopra kokettiert wie die anderen in einer Spiegelszene mit dem eigenen Konterfei und setzt das Bild dann mit einer schönen Akrobatik im Luftring fort. Adagio - in diesem ersten Teil ist das Tempo noch verhalten. Exzessiv dann im zweiten Teil ihre spektakuläre Doppeltrapeznummer zusammen mit Mirja Jauhiainen. Für die atemberaubenden Wurf- und Fangaktionen gab es Bravos.

Die Amerikanerin Charlotte Greenblatt bekommt das lange Haar frisiert, während sie kopfüber eine Handstandakrobatik zeigt, sachkundig bestaunt vom Kreis der Freundinnen. Ein ausdrucksvolles Tanzsolo ist ihr zweiter Act. Angela Wand (USA) beherrscht die seltene Kunst des Flaschenlaufens, lässt die Peitschen knallen und das Lasso fliegen. Und am chinesischen Mast turnt dann die ganze Truppe herum.

Im musikalischen Spektrum zwischen Jazz, Pop, Swing, Latino fehlt der Wiener Caféhauswalzer nicht. Er erklingt zur technisch raffinierten Rola-Bola-Akrobatik von Lotta Paavilainen und Stina Kopra. Die in ein humoristisches Kabinettstückchen mündet. Einen Enthüllungs-Versuch, der zu einer kollektiven Ausziehorgie führt. Aber die Dessous, die unter den abgelegten Kostümen zum Vorschein kommen, stammen aus der großen alten Zeit des Ladies Room und gelten heutzutage als Liebestöter. Köstlich, wie Stina und Lotta ihre Mutprobe mimisch kommentieren - von verklemmt-verschämt zum verschmitzen Lächeln. In dieser Show stimmen auch kleinste Details. Ein solches Varieté-Konzept war in den letzten Jahren selten in Leipzig zu sehen.

Ladies Room, bis 29. Juni, Karten/Infos: (0341) 14 06 60; www.krystallpalastvariete.de

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 20.04.2013

Bernd Locker

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