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In Whiskey veritas

Tanzshow „Irish Celtic“ gastiert in der Oper Leipzig In Whiskey veritas

Noch bis einschließlich Sonntag gastiert in der Oper Leipzig die hinreißende Tanz-Show „Irish Celtic“: Flinke Füße und eine fabelhafte Band im Dienst irischer Geschichte und Geschichten, irische Seele und irischer Klischees.

Geschichte und Geschichten im Pub: „Irish Celtic“.

Quelle: Philippe Fretault

Leipzig. Da können die zehn Tänzerinnen und fünf Tänzer noch so virtuos die Füße schwingen, noch so stoisch den Oberkörper ruhighalten. Da kann die exzellente Band um Musikdirektor Anthony Davis noch so viel Ausgelassenheit oder Melancholie in den Saal pumpen. Paddy Flynn alias Damian McCann gibt das Glas nicht aus der Hand. Denn, das lernen wir bei der gut besuchten Tanzshow „Irish Celtic“, die seit Dienstag und noch bis Sonntag in der Oper Leipzig gastiert: Der Ire ist, Entbehrung und Unterdrückung hin wie her, zufrieden wenn es neben Tanz und Musik noch ordentlich was zu trinken gibt. In Whiskey veritas – zur Not liegt sie auch im Guinness, die Wahrheit.

Er ist also ein liebenswerter Quartalssäufer, dieser Paddy Flynn, in dessen Corker Pub da auf der Bühne seit Generationen irische Geschichte sich spiegelte. Hier wurde gefeiert und gesungen, als die Normannen kamen und gingen, die Wikinger, die Engländer, der Hunger – und die Menschen. Zu Hunderttausenden verließen sie ihr Land auf der Suche nach einem besseren Leben in einem schlechteren Land. Weswegen sie das ihre im Herzen überall hintrugen. Hier wurde auf Hochzeiten gesoffen und auf Beerdigungen, bei Kindstaufen, nach der Arbeit und davor. Und draußen vor der Tür wurde die „Titanic“ gebaut, in deren Bauch viele Iren tanzten und tranken bis zum bitteren Ende ...

Ein buntes Kaleidoskop aus Landes- und Seelenkunde, aus Thekenweisheiten und Kalauern, aus Witzen und Weisheiten sowie zahlreichen Hasplern entfaltet Damian McCann da in seiner Rolle als Wirt, der sich anschickt, die schwer mit Tradition und Schicksal beladene Saufbude an seinen Sohn Diarmuid (Diarmuid Meade, im richtigen Leben ein veritabler Tanz-Weltmeister) weiterzureichen, der so souverän mit dem Besen tanzt wie kein Zweiter – aber noch nicht die Frau fürs Leben fand.

Das ist der zugegebenermaßen recht dünne Handlungsfaden, auf den der Kneipen-Conférencier McCann Tanz und Musik fädelt, wann immer die Situation es hergibt – und sie gibt es eigentlich immer her. Aber das reicht, um der Show eine Seele einzuhauchen, sie meilenweit herauszuheben aus dem Meer der einschlägigen Konkurrenz-Veranstaltungen, bei denen noch mehr Füße vielleicht noch eine Spur präziser auf den Boden krachen. Aber den Tänzerinnen und Tänzern von „Irish Celtic“ kauft man die Hingabe und Begeisterung vom ersten Schritt an ohne Einschränkung ab. Wie da die Damen elfenhaft über dem Boden schweben, graziös die Röcke schwingen und mit den Füßen komplizierte Muster in die Luft gravieren, wie die Jungs sich in atemberaubender Virtuosität den 32tel-Rhythmus steppen, wie schließlich immer wieder neue Formationen und Mini-Solos sich aus dem Ensemble schälen, das ist so kurzweilig, so sehens- und staunenswert, dass die knapp zwei Bruttostunden vergehen wie im Flug.

Das allerdings ist auch ein Verdienst der sensationellen Live-Band. Die irische Musik, der Anthony Davis und seine Mitstreiter Kieran Brady, Daniel Byrne, Ben Gunnery und Daniel Mc Guiness sich da so lebensprall widmen, ist sich über die Jahrhunderte treu geblieben – und doch nicht stehengeblieben. Und so geraten die beiden Stunden von „Irish Celtic“ auch zur Lehrstunde über die Wurzeln der Folk-Music, die sich geschmeidig entwickelt hat aus den ausgelassen flatternden Fiddle-Girlanden Gunnerys und der herb schönen Melancholie, die Kieran Brady aus seiner Pipe knetet oder aus den Flöten singt. Darunter breiten Byrne, der auch mit seiner markanten Stimme ans Herz greift, an der Gitarre und Daniel Mc Guinness am Akkordeon ihre Harmonien aus. Und wenn noch ein richtiger Kontrabass fürs Fundament sorgen würde, statt der etwas amorph aus den Boxen mulmenden Bass-Linien, die Davis mit der Linken aus seinem Synthesizer tupft, der sich als Kneipen-Klavier verkleidet hat – es würden musikalisch gar keine Wünsche unerfüllt bleiben.

Aber auch so ist die Begeisterung groß im Saal. Nach Minuten bereits tut das Publikum willfährig mit – hier darf es schließlich ganz ungehemmt alle Viertel eines jeden Taktes mitklatschen. Nach der Premiere treten so ziemlich alle mit hochzufriedenen Gesichtern hinaus in die laue Spätsommernacht – und die Akteure von „Irish Celtic“ machen sich auf in den richtigen Pub, um zu beweisen, dass in jedem Klischee mindestens ein wenig Wahrheit wohnt.

Irish Celtic in der Oper Leipzig: heute und morgen, 20 Uhr, Samstag, 16 und 20 Uhr, Sonntag, 15 und 19 Uhr. Karten (21,50 – 61,50 Euro) gibt’s im LVZ Media Store in den Höfen am Brühl, in allen LVZ-Geschäftsstellen, über die gebührenfreie Tickethotline 0800 2181050, auf www.lvz-ticket.de, unter Tel. 0341 1261261 und an der Opernkasse.

Von Peter Korfmacher

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