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In der Leipziger Funzel feiert „… so wahr uns Spott helfe“ Premiere

Kabarett In der Leipziger Funzel feiert „… so wahr uns Spott helfe“ Premiere

Wie würde es wohl aussehen, wenn sich die Machtverhältnisse auf der Welt umdrehen? Das zeigen die Kabarettisten der Leipziger Funzel in ihrem neuen Programm „… so wahr uns Spott helfe“. Am Freitag war Premiere.

Das Kabarettprogramm „... so wahr uns Spott helfe“ hat am Freitag in der Funzel Premiere gefeiert. Mit Katherina Brey, Thorsten Wolf, Bernd Herold, Sabine Kühne-Londa und Helge Nitzschke (v.l.).

Quelle: André Kempner

Leipzig. Traurig, verständnislos, verunsichert – das dürfte wohl etwa die Gefühlslage der Nation wenige Tage nach den brutalen Anschlägen in Paris sein. Mehr denn je steht also die Unterhaltung in der Pflicht und gleichzeitig auch in einer Zwickmühle: Denn das Kabarett untergräbt ja im Idealfall das Vertrauen in die Politiker, die in diesen Zeiten eigentlich Sicherheit und Kompetenz vermitteln sollten.

Und leider – oder auch zum Glück – gelingt es dem Team der Leipziger Funzel am Freitagabend, die Mächtigen zu entzaubern und vom Sockel zu stoßen. Das neue Programm „... so wahr uns Spott helfe“ ist ein Rundumschlag gegen Mutti Merkel und Co., vor allem aber auch gegen minderschlaue Mitmenschen.

Da ist zum Beispiel der geschichtstrunkene Revolutionstourist, der jeden Umsturz von Ägypten bis zur Ukraine dankbar mitnimmt und sich erst bei Panzern richtig ernst genommen fühlt – und nicht bei so läppischen Wasserwerfen wie auf deutschen Demos. Oder die drei Vorzeigebürger, die darüber diskutieren, was denn wohl diese schwarze Wand da am Horizont ist – ein Tsunami, Atompilz oder etwa afrikanische Flüchtlinge? Egal, Hauptsache erst Mal Fotos schießen oder spenden.

Die oft getarnte Doppelmoral des Menschen wird immer wieder schonungslos offengelegt. Denn wie würde das wohl aussehen, wenn sich die Machtverhältnisse auf der Welt umdrehen? Genau: Sextourismus in Connewitz und Kinderarbeit im sächsischen Tagebau.

Und oft genug bleibt einem das Lachen fast im Halse stecken, etwa wenn man merkt, wie nah man teils an der Wirklichkeit ist. So muss man sich reale Zitate von Legida-Mitläufern anhören, die sich unter anderem vor den ganzen Bazillen fürchten, die die Flüchtlinge ja vermeintlich auch im Gepäck haben. Bitterböse wird es auch bei der ambitionierten Kleinfamilie, wo Papi auf 450-Euro-Basis für die Bundesregierung IS-Terroristen in Syrien abballert – entspannt via Drohne von zu Hause aus: „Hab dich erwischt, Ölauge!“ Familienintern kann aber Sohn und „Killermäuschen“ Kevin mit seinen zehn Jahren eine noch bessere Abschussquote vorweisen. Ob’s nun wirklich ein Terrorist oder doch Zivilist war, sieht man erst auf der Monatsabrechnung. Harter Tobak, so muss es sein.

Apropos schwierige Söhne: Es wäre ja so schön, könnte man die einfach austauschen. So schwärmt eine Muddi („Ä Draum!“) vom „Sven aus Dresden“, der mit seinem rechten Weltbild eigentlich viel besser zur Familie passt als der eigene Spross, aufgrund seiner Piercings auch mal latent liebevoll „Altmetallsammler“ genannt.

Unter der Regie von Peter Tepper schaffte es das Funzel-Team mit Katherina Brey, Sabine Kühne-Londa, Bernd Herold, Thorsten Wolf und Helge Nitzschke (Klavier) also mit Wort- und Spielwitz nicht nur die lauten Lacher, sondern auch die stillen und wichtigen Gedanken anzufachen. Dem Publikum gefällt’s.

Weitere Aufführungen: 30.11. bis 4.12 (jeweils 20 Uhr), 5.12. (15 und 20 Uhr) sowie 6.12. (19 Uhr), Funzel (Strohsack-Passage); Karten gibt es unter Telefon 0341 9603232.

Von Markus Gärtner

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