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In großer Höhe

In großer Höhe

Die Buchpreisverleihung beginnt mit Häme. Im Internet. Weil der Livestream nicht funktioniert zur Verleihung des Deutschen Buchpreises, wird gespottet über das Fremdeln der Buchbranche mit den neuen Medien.

So dass der ausrichtende Börsenverein des Deutschen Buchhandels nicht müde wird, den Link zur Radioübertragung zu twittern. Noch ist es die Stunde der Grußworte, Reden und Buchvorstellungen. Und entscheidend an so einem Abend, traditionell Vorabend der Frankfurter Buchmesse, ist das Ergebnis: Der Buchpreis geht an Lutz Seiler für seinen Roman "Kruso".

Seiler bedankt sich mit einem Plädoyer für Lyrik. Für jemanden, der vorher vor allem Gedichte und Erzählungen geschrieben hat, ist eine Veranstaltung wie diese Preisverleihung "großer Bahnhof"; er wünschte sich, dieser Bahnhof wäre groß genug, sechs Züge gleichzeitig einfahren zu lassen, sagt der Gewinner mit Blick auf die anderen fünf Finalisten, die dennoch keine Verlierer sind: Thomas Hettche ("Pfaueninsel"), Angelika Klüssendorf ("April"), Gertrud Leutenegger ("Panischer Frühling"), Thomas Melle ("3000 Euro") und Heinrich Steinfest ("Der Allesforscher").

Was es hier nicht gibt, ist ein Preis für Lyrik, bedauert Seiler. Weder für Gedichte von Thomas Kunst aus Leipzig noch für Nadja Küchenmeister aus Berlin. Deren Literatur, sagt er, steht konkurrenzlos da auf einer Höhe, nach der sich manches Stück Prosa nicht zu strecken wagt. Seiler schreibt auf dieser Höhe. Und er dankt Suhrkamp-Verlegerin Ulla Berkéwicz-Unseld, dass sie in der gemeinsamen Arbeit keinen Zweifel daran gelassen hat, dass ihr die Gedichte ebenso wichtig sind wie die Romane.

"Kruso" ist eine gewaltige Geschichte von Freundschaft und Freiheit; sinnlich und vielschichtig erzählt der 1963 in Gera geborene Seiler vom Schiffbruch - persönlichem und historischem. Er beschreibt in einer, wie die Jury lobt, "ins Magische spielenden Sprache den Sommer des Jahres 1989 auf der Insel Hiddensee - einem 'Vorhof des Verschwindens'. Hier sammelten sich Sonderlinge, Querdenker, Freiheitssucher, Menschen, die aus der DDR fliehen wollten." Dennoch ist es nicht unbedingt ein politischer, schon gar kein DDR-Roman.

Die Insel bietet - wie bei einigen der Finalisten im direkten oder übertragenen Sinn - einen Mikrokosmos. In Seilers Fall für eine "packende Robinsonade" (Jury) um den titelgebenden Kruso und den jungen Abwäscher Edgar. Seilers erster Roman überzeugt durch seine poetische Sprache, seine Intensität. Dabei ist er nicht immer leicht zu lesen, wenn er nach allen Sinnen greift, körperlich spürbar werden kann.

Sie alle werden ihre Leser finden oder haben sie schon gefunden: die 20 für die Longlist und 6 für die Shortlist nominierten Bücher. Durch das Auswahlverfahren werde Literatur inszeniert, sagt Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels bei der Preisverleihung. "Doch nur das schafft eine Öffentlichkeit, die Literatur braucht, um zwischen Film, Musik und großen Kulturereignissen überhaupt ausreichend wahrgenommen zu werden. Im Sinne einer Literatur, die nicht hinter verschlossenen Türen stattfindet, sondern über die auch gesprochen wird."

Der Börsenverein vergibt den Preis in diesem Jahr zum zehnten Mal. Zur Jury gehören neben fünf Kritikern zwei Buchhändler. Der Gewinner erhält 25 000 Euro, die restlichen fünf Finalisten bekommen jeweils 2500 Euro.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 07.10.2014
Janina Fleischer

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