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Inszenierung in Paris: Wie Depeche Mode Fans und Medien versorgen, ohne viel zu verraten

Inszenierung in Paris: Wie Depeche Mode Fans und Medien versorgen, ohne viel zu verraten

Lächelnd geht Martin Gore an den Journalisten vorbei, die gerade im Flur der oberen Büroräume Andy Fletcher interviewen. „Erzählt er wieder Blödsinn?", fragt er frotzelnd die Gruppe und biegt schon um die Ecke.

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Quelle: dpa

Paris. Sein Bandkumpel schmunzelt. „Bastard!" zischt er mit gespielter Entrüstung hinterher.

Es gab Zeiten bei Depeche Mode, in denen die Temperatur einer aufs Nötigste reduzierten Kommunikation nicht über Kühlkammer-Niveau hinaus kam. In der Gegenwart macht das Gefüge einen glaubwürdig harmonischen Eindruck. „Die Höhen und Tiefen in über 30 Jahren haben uns zusammen geschweißt, wir verstehen uns sehr gut", lässt Dave Gahan das Publikum aus Journalisten und Fans im Mediensaal der Gaîté Lyrique wissen.

Eine gute Stunde zuvor, an den zwei Eingängen des Gebäudes, sind Unterschiede zwischen Anbetern und Berichterstattern schwer auszumachen, wie Kleidung und Haarstyling zeigen. Brav, hysteriefrei und geduldig harren alle aus, bis der Sicherheitsdienst – betont unzugängliche Männer mit Falkenblick – die Türen öffnet.

Die Weltstars aus dem britischen Basildon bilden ein Phänomen, das Maßstäbe verschiebt. Auch hier. Denn die Pracht von Architektur und Innenleben des Hauses am Rande des malerischen Marais-Viertels verdient Aufmerksamkeit ohne popkulturelle Ablenkung. 1862 eröffnet, war es zunächst ein Operntheater, seit 2011 beherbergt es ein Kulturzentrum für digitale Kunst und Musik. Die aktuelle Exposition über Marketing-Strategien korrespondiert bestens mit dem, was sich hier an diesem Tag abspielt.

Im majestätischen historischen Saal voller Säulen und Fresken hocken Journalisten aus Tschechien, Weißrussland, England, Türkei, Italien, Russland, Deutschland, um fiebrig mit Laptops und I-Pads das Drahtlos-Netz zu überlasten für die ersten Nachrichten, die noch keine sind.

Erstes Medien-Futter reicht man beim Fototermin

Ein paar Meter von dem überall tapezierten Schriftzug „In Brand We Trust" (Marken vertrauen wir) postiert sich das Produkt Depeche Mode, um Teil eins der Inszenierung zu beginnen. Die Kurz-Ausstellung vor dem groß gezogenen Tourmotiv besteht aus drei Herren Anfang 50, teilweise lächelnd, teilweise ernst, teilweise mit Sonnenbrille, teils ohne. Posen für einen Werbekatalog, den die eingeladenen Medien erstellen. Drei Minuten lang erzeugt der Schwarm von Fotografen ein Klicken, das an rasendes Tastatur-Geklacker erinnert. Twittern auf Fotografisch. Und ruckzuck sind die Giganten wieder hinter metallisch glänzenden Türen verschwunden.

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Die Pressekonferenz am Dienstag wurde live ins Internet gestreamt.

Quelle: Screenshot depechemode.com

Teil zwei folgt im Hörsaal. Ein exorbitanter Hintergrund aus 24 Bildern – Albumcover, Schnappschüsse, Porträts – wechselt im Millisekunden-Tempo die Motive. Ein flimmernder Dauerreiz, zu dem in großen Zahlen der Countdown bis zur Pressekonferenz läuft; teilnehmen dürfen ausgewählte Medienvertreter und Anhänger. Man scheint unter sich. Exklusivität für mindestens 400 Menschen, aufgeweicht durch die Anwesenheit der Welt – die Präsentation wird live ins Internet gebeamt.

Die Show beginnt mit einem Video, dessen Sound jeden packt, weil er dieses einzigartige Gespür von Depeche Mode vergegenwärtigt, Faszination mit Mitteln des Mystischen zu schaffen: Die durchdringende Stimme Gahans, der tickende Drumcomputer. Der Synthie pumpt, bohrt und sägt sich ins Bewusstsein. Dazu schwarzweiße Bilder einer entspannten Studiosession. „Angel of Love", so dürfte der Song heißen, der auf dem neuen Album von 2013 steckt.

Gute Laune im Info-Nebel

Offiziell verraten wird der Titel des Stücks nicht, wie überhaupt noch weitflächiger Nebel über den Details liegt. Wann die Platte genau erscheint, wie sie heißt, wann die erste Single als Vorbote kommt – der Infogehalt der Gesamtveranstaltung beschränkt sich auf die Bekanntgabe der Tourneedaten. Auch über den Namen ihres künftigen Labels schweigen sich Gahan, Gore und Fletcher aus. Viel spricht dafür, dass die Band zu Mute Records zurückkehrt, nachdem die acht Jahre an Emi Music gekoppelte Firma Daniel Millers wieder in die Eigenständigkeit geht.

So also bleibt es beim netten Pingpong aus Frage und Antwort zur Stimmung (bestens), ob Dave Gahan wieder Stücke beigesteuert hat (hat er), warum Paris als Konferenzort gewählt wurde (Paris ist toll), warum sie so düstere Lieder machen (machen sie gar nicht), wie sie sich den anhaltenden Erfolg erklären (durch die eigene Aufrichtigkeit, das ehrliche Gefühl).

Als der Saal sich geleert hat, geht‘s in die Büroräume der Gaîté Lyrique, zu den „Round Tables" – DeMo teilen sich auf für Interviews mit Funk, Fernsehen, Online und Print. Ein aufgeräumter Andy Fletcher verrät, dass das neue Studiowerk elektronisch-bluesig klingt und sie alle für die Tour hochmotiviert sind.

Teil drei der Vorstellung ist beendet. Während noch einmal die Laptop-Tastaturen heftig klappern, stehlen sich Sonnenstrahlen durch die Fenster. Draußen sind es 20 Grad; der Pariser Herbst spielt Frühling. Kein Nebel nirgends.

Mark Daniel

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