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Intim wie überraschend: Das Malerehepaar Rosa Loy und Neo Rauch in der Zwickauer Schau „Perlmutt“

Ausstellung zum 30. Hochzeitstag Intim wie überraschend: Das Malerehepaar Rosa Loy und Neo Rauch in der Zwickauer Schau „Perlmutt“

So nah ist man Rosa Loy und Neo Rauch wohl noch nie in einer Ausstellung gekommen: Bis 4. Dezember sind im Zwickauer Kunstverein Freunde aktueller Kunst Bilder zu sehen, die bei dem Künstler-Ehepaar zu Hause in der Markkleeberger Wohnung hängen, zumeist Werke, die sie einander zu Geburtstagen, Weihnachten oder Hochzeitstagen schenkten.

Konzentriert, auf Wesentliches reduziert: Kleinformatige Arbeiten von Neo Rauch.

Quelle: Jürgen Kleindienst

Zwickau. Was macht eigentlich Mick Jagger in dieser Ausstellung? Wer den ehemaligen Kindergarten in der Zwickauer Hölderlinstraße betritt und damit gewissermaßen den intimen Kosmos des Maler-Ehepaars Rosa Loy und Neo Rauch, steht gleich am Eingang vor dieser Frage. Die sich bei genauerem Hinsehen allerdings sofort beantwortet: Bei dem halb trotzig, halb melancholisch dreinblickenden jungen Mann mit den vollen Lippen und der Rockermähne handelt es sich gar nicht um den Stones-Sänger, sondern um Neo Rauch. Das Selbstporträt entstand 1983, in einer Zeit also, aus der man eigentlich keine Werke des inzwischen 55-jährigen Malers kennt. Gleich gegenüber blickt – Schleife im Haar, Zigarette in der Hand – intensiv und selbstbewusst eine Frau aus einer Zeichnung, die nur ein Jahr später entstand; hier darf man die Kollegin und spätere Ehefrau Rosa Loy erkennen.

30 Jahre sind die beiden inzwischen verheiratet, Anlass für eine sympathisch aus dem Rahmen fallende Ausstellung beim Kunstverein Freunde Aktueller Kunst in Zwickau. Es ist die dritte gemeinsame Schau der beiden Leipziger nach Auftritten im österreichischen Klosterneuburg (2011) und Chemnitz (2012) – und wieder präsentieren sie sich wohl nicht zufällig in einer Stadt, die man gemeinhin der Provinz zurechnet. Es muss nicht immer New York sein.

In Zwickau wurde Rosa Loy 1958 geboren, hier – im Kunstverein – 1999 eine ihre ersten Einzelausstellungen präsentiert. Seitdem gibt es eine enge Beziehung zu Klaus Fischer (58), der den Kunstverein 1998 gründete und inzwischen zu einem der größten in Ostdeutschland gemacht hat. Bis 4. Dezember sind rund 30 Arbeiten aus einer Zeitspanne von 33 Jahren auf rund 80 Quadratmetern zu sehen. Über 1500 Besucher waren bereits da. „Die Resonanz ist nicht zu toppen“, sagt Fischer.

Den 30. Hochzeitstag bezeichnet man auch als Perlenhochzeit, worauf wiederum der Titel der Schau, „Perlmutt“, anspielt. Jenes geheimnisvolle Schimmern im Inneren, die Perle, die aus einem Fremdkörper entsteht – diese Assoziationen schweben durch die Arbeiten, in denen sich die Beziehung ihrer Schöpfer andeutet, aber keineswegs aufdrängt.

Der besondere Reiz dieser Zusammenstellung: Es sind private Bilder, die bei dem Künstler-Ehepaar zu Hause in der Markkleeberger Wohnung hängen, zumeist Werke, die sie sich zu Geburtstagen, Weihnachten oder Hochzeitstagen schenkten und die nur in diesen Wochen öffentlich zu sehen sind. Klaus Fischer freut sich vor allem über die zahlreich vertretenen Kleinformate. „Die sind sehr konzentriert, oft reduziert auf eine Idee.“ Hier sei der Einstieg zuweilen leichter als bei den Großformaten, in denen viele Darstellungs- und Bedeutungs-Ebenen ineinander verschränkt sind.

 

Rauchs Arbeiten wirken – das überrascht jetzt nicht unbedingt – gerade im Kontrast zu den beseelt und märchenhaft leuchtenden seiner Frau beschwerter. Auch der Mann (ist es wieder Rauch?), der auf dem gleichnamigen Bild eine Narzisse als Hut trägt, blickt betrübt. Blütenträume gehen anders. Wenn sich bei Rosa Loy wie in dem beeindruckenden „Die andere Seite“ Ich und Ich treffen, dann lächeln zwei Frauen, stützen sich und scheinen doch gleichzeitig mit sich und dieser Welt zu tanzen. Bei Rauch schleppt der Wanderer im „Abstieg“ nicht nur einen Rucksack, sondern wie ein schweres Schicksal sein eigenes Zerrbild mit sich. Ein starkes Bild in einer starken kleinen Ausstellung, die Licht und Dunkel, Alp und Elfe berührend vermählt.

Bis 4. Dezember bei den Freunden aktueller Kunst in Zwickau (Hölderlinstraße 4); Di, Mi, Fr 14-18 Uhr, Sonderöffnungen am 15. 11. (14-17 Uhr) und am 22.11. (10-13 Uhr); www.freunde-aktueller-kunst.de

Von Jürgen Kleindienst

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