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Italowestern fürs Kopfkino: June Cocó mit tollem Debütalbum und Konzert in der Nato

Italowestern fürs Kopfkino: June Cocó mit tollem Debütalbum und Konzert in der Nato

Vielleicht war es ja nicht nur aus Höflichkeit, als sich George Clooney vor zwei Jahren in einem Leipziger Nobelhotel bei der Barsängerin mit Wangenküsschen für ihren Auftritt bedankte - fraglos ein erster Glanzpunkt in June Cocós Laufbahn als Musikerin.

Aber keineswegs der letzte: Das erweist sich spätestens mit dem Debütalbum der 29-Jährigen, das am Freitag endlich, endlich erscheint und am Sonntag mit einem Konzert in der Nato gefeiert wird.

Seit mehr als drei Jahren kündigt sie bei ihren Auftritten an, dass sie mit der Platte bald so weit sei. Zum Musikstudium zog June Cocó aus dem Fränkischen nach Leipzig, damals hieß sie noch ausschließlich Stefanie Stieglmaier. Im Herbst 2013 bestand sie auf der Nato-Bühne ihr Diplomkonzert als Pianistin und Sängerin. Ein halbes Jahr später feierte sie an gleicher Stelle einen sehr witzigen Videoclip zur wunderbar schrägen Retro-Soul-Nummer "The Party" und fing schon mal per Crowd­funding an, Geld für das geplante Album zu sammeln. Auch die Initiative Musik der Bundesregierung nahm June Cocó in ihr Förderprogramm auf. Als eine von bundesweit nur 24 Künstlern.

Was so lange währt und von hohen Erwartungen getragen wird, sollte besser gut werden. Und die hervorragende Nachricht lautet: "The Road" ist von Anfang bis Ende eine großartige Platte.

Zum Einstiegsstück "On The Road" (nach Kerouacs Beat-Generation-Klassiker benannt) flimmert fraglos ein Road Movie auf der Kopfkino-Leinwand. Der Bass brummt so dreckig, wie vielleicht die Straße vor dem inneren Auge verschmutzt ist, auf der sich June Cocó kraftvoll Richtung Sonnenuntergang singt. Die Nummer entwickelt eine ungeheure Dynamik und springt von einer einnehmenden Melodie zur nächsten, ohne verkopft zu wirken. Irgendwann hebt Gitarrist Arto Mäkelä mit einem spacigen Solo sogar vom Highway in luftige Höhen ab.

Das Album hat einen analogen Sound und ist mit Liebe zum Detail abgemischt - ein Flageolett hier, ein Knistern dort - aber nicht überproduziert. Neben den Berliner Produzenten Markus Abendroth und Peter Thomas (gemeinsam Zodiaque) darf der 25 Jahre junge Jules Kalmbacher, zurzeit Haus- und Hofmischer Xavier Naidoos, zeigen, dass er an sich doch ein Rock'n'Roller ist.

Für die musikalische Begleitung kann June Cocó als Absolventin der Hochschule für Musik und Theater erwartungsgemäß aus dem Vollen der lebhaften Leipziger Jazz-Szene schöpfen. Neben dem zeitweiligen Udo-Lindenberg-Gitarristen Mäkelä gehören Massive-Schräge-Trommler Johannes Ziemann und mit Jacob Müller einer der gefragtesten Bassisten der Stadt zur Stammband. Der Weimarer Gitarrenprofessor Frank Möbus betreute sie im Tonstudio.

Für die Kompositionen zeichnet neben June Cocó keineswegs Randy Newmann oder gar Ennio Morricone, sondern Robert Seidel verantwortlich. Er ist in Leipzig vor allem unter seinem Künstlernamen Arpen aus mehreren Bands und Projekten im Analogsoul-Umfeld bekannt. Arpen hat beispielsweise das atmosphärisch dichte Lied "Your Ways" geschrieben, das June Cocó berührend zart interpretiert. Selbst "Delia", ebenfalls aus Arpens Feder, ruft nicht nur Italowestern-Assoziationen hervor, sondern atmet gleichzeitig Schwermut. Wobei ihre Stimme eigentümlicherweise bei aller Zartheit nicht einmal in wehmütigen, selbst komponierten Titeln wie "Wrong Romance", "Romeo's Late" oder "Wave Goodbye" wirklich zerbrechlich oder gar verletzt klingt.

Von Abschied, Aufbruch, Ankommen handelt das Album - mal mehr, mal weniger - in allen seinen elf Liedern und gut 40 Minuten. Dass da in June Cocós Gesang ein gewisser Optimismus durchdringt, ist eigentlich nur logisch. Eine wunderbare und hochtalentierte Musikerin setzt ihr erstes weithin vernehmbares Ausrufezeichen. "The Road" weckt mehr Lebenslust als jedwedes Küsschen - und sei es von George Clooney.

June Coco: The Road (Kick The Flame/Broken Silence). Konzert: Sonntag, 20.30 Uhr, Nato (Karl-Liebknecht-Straße 46), 14/10 Euro; junecoco.de

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 29.05.2015
Mathias Wöbking

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