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Jacques Audiard gewinnt die Goldene Palme in Cannes

Das französische Jahr Jacques Audiard gewinnt die Goldene Palme in Cannes

Die Flüchtlingsgeschichte „Dheepan“ beginnt als Sozialdrama und endet in einer Eruption von Gewalt: Der Film von Jacques Audiard bekam die Goldene Palme des 68. Filmfestivals von Cannes. Und Deutschland? Kein einziger Film schaffte es in den Wettbewerb.

Goldene Palme für Jaques Audiard, hier mit den Akteuren Jesuthasan Antonythasan und Kalieaswari Srinivasan.

Quelle: dpa

Cannes. Am Ende wurde es doch noch ein französischer Triumph. Damit war nicht unbedingt zu rechnen. Zu unausgewogen und gelegentlich auch unausgegoren schien das einheimische Angebot. Andererseits: Wenn französische Produktionen mehr als ein Viertel der 19 Wettbewerbsfilme ausmachen (und noch ein paar mehr außer Konkurrenz starten), dann müssen am Ende auch Preise herausspringen. Und so geschah es gestern Abend in Cannes: Jacques Audiard nahm die Goldene Palme des 68. Filmfestivals entgegen und verzichtete dabei sogar auf den für ihn sonst obligatorischen Hut.

Sein Flüchtlingsgeschichte „Dheepan“ beginnt als Sozialdrama und endet in einer Eruption von Gewalt. Im Mittelpunkt steht ein tamilischer Ex-Soldat, der dem Krieg in Sri Lanka zu entkommen sucht und in einem anderen Kampf in den Pariser Banlieues landet. Polizisten oder Sozialarbeiter kommen in dieser grauhäusigen Vorstadtsiedlung gar nicht vor.

Viel aktueller kann ein Film kaum sein, auch wenn der in Paris geborene Regisseur in Cannes versuchte, den politischen Aspekt kleinzureden. Zur Abschlussgala brachte er seine beiden Hauptdarsteller Jesuthasan Antonythasan und Kalieaswari Srinivasan mit auf die Bühne.
   
Audiards Film zählte zu den Favoriten in Cannes, doch war „Dheepan“ eben nur eine unter mehreren Möglichkeiten. Verdient hatte sich der 63-Jährige diese Auszeichnung aber redlich: Schon mit seinem Gefängnisthriller „Ein Prophet“ war er vor sechs Jahren in Cannes gefeiert worden.

Dabei beließ es die Jury unter Vorsitz der Coen-Brüder aber nicht: Der Franzose Vincent Lindon wurde für seine Rolle in „La Loi Du Marché“ gewürdigt, wo er mit stiller Beharrlichkeit einen Arbeitslosen spielt, der sich nicht länger von den sogenannten Anforderungen des Marktes demütigen lässt. In der weiblichen Konkurrenz tat es ihm Emmanuelle Bercot gleich, die in dem Drama „Mon Roi“ als eine ihrem exzentrischen Mann verfallene Ehefrau zu sehen ist. Bercot musste sich den Preis mit der nicht zur Verleihung erschienen – das hat in Cannes Seltenheitswert – US-Amerikanerin Rooney Mara teilen, die es in der Patricia-Highsmith-Verfilmung „Carol“ lernt, sich zu ihren Gefühlen zu einer anderen Frau zu bekennen.

Diese Preisausbeute machte Cannes 2015 zum französischen Jahr. Die anderen Auszeichnungen verteilte die Jury so gerecht wie möglich über den Rest der Kinowelt.

Den Großen Jury-Preis, die zweitwichtigste Würdigung, nahm László Nemes für seinen Auschwitz-Film „Son of Saul“ entgegen. Der erst 38-jährige Ungar entstammt einer neuen Regisseursgeneration, die es wagt, sich in die Tötungsfabriken zu begeben, sich aber dieser Zumutung durchaus bewusst ist: Nemes’ Debüt konzentriert sich auf das Gesicht eines Auschwitz-Häftlings und belässt das Grauen im Ungefähren. „Son of Saul“ war vielleicht der umstrittenste Film des gesamten Festivals.
Den Jury-Preis erhielt der Grieche Yorgos Lanthimos für seinen genial absonderlichen Liebesfilm „Lobster“, in dem Singles zu Tieren verwandelt werden – denn das Paarsein ist in dieser Zukunftswelt Pflicht. Hou Hsiao-Hsien nahm den Regiepreis für „The Assassin“ entgegen. Der Taiwanese hat das Kunststück fertiggebracht, einen  Martial-Arts-Film zu drehen, in dem die Schwertkämpfe nur Nebensache sind. Der eigentliche Star ist eine betörend schön gefilmte Landschaft. Der Mexikaner Michel Franco wurde für „Chronic“ geehrt, in dem sich ein Pfleger für schwerkranke Menschen aufopfert.

Und die Deutschen? Die blieben ohne Preis. Alles andere wäre allerdings auch einem Wunder gleichgekommen: Kein einziger Film hatte es in den Wettbewerb des weltweit wichtigsten Filmfestivals geschafft.

Stefan Stosch

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