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Järvi hört auf

Chefdirigent gibt Leipziger MDR-Orchester 2018 auf Järvi hört auf

Nach sechs Jahren als Chefdirigent beim Orchester des Mitteldeutschen Rundfunks legt Kristjan Järvi zum Ende der kommenden Spielzeit sein Amt nieder. Seinem Orchester teilte er am Mittwoch mit, dass er seinen bis 2018 laufenden Vertrag nicht weiter verlängert.

Kristjan Järvi

Quelle: peer

Leipzig.  Kristjan Järvi hört in Leipzig auf. Der 44-Jährige, seit 2012 Chefdirigent des Sinfonieorchesters des Mitteldeutschen Rundfunks, ließ am Mittwochnachmittag, wie die LVZ aus zuverlässiger Quelle erfuhr, vor der Probe seine Musiker wissen, dass er seinen Vertrag nicht über die Spielzeit 2017/18 hinaus zum zweiten Mal verlängern werde.

Damit bekommt der Este mit Hauptwohnsitz in Miami/Florida wieder die Spielräume, die er für seine zahlreichen anderen Projekte benötigt: Neben den Verpflichtungen beim MDR ist der Dirigent Chef der von ihm gegründeten Baltic Sea Philharmonic und des Gstaad Festival Orchesters, überdies steht er nach wie vor dem ebenfalls von ihm mitbegründeten Klassik-Hip-Hop-Jazz-Kombinat „Absolute Ensemble“ vor. Er betreibt die eigene Produktionsfirma „Sunbeam Productions“ und ist seit 2016 auch Mitglied des Estnischen Olympischen Komitees.

Angesichts dieser enormen Mehrfach-Beanspruchung kann man Järvi kaum vorwerfen, er habe zu wenig dirigiert in Leipzig. Im Gegenteil: Beim MDR leitete er deutlich mehr Konzerte selbst, als er Gästen überließ. „Ich trage die volle Verantwortung für mein Orchester. Chef sein bedeutet: Visionen und Ideen haben, Ideen umsetzen, ein Team bilden. Darum bin ich wirklich gerne Chef. Und weil ich gerne Chef bin, mache ich auch so viel. Zumal es schön ist, wie das Orchester sich dabei entwickelt“, sagte er dazu vor einem Jahr im LVZ-Interview.

Dennoch ist seine bisherige Bilanz zwiespältig: Einerseits gelang es Järvi, den der mittlerweile abgesetzte Klangkörperchef Carsten Dufner 2012 als musikalischen Partner für seine umfassende Crossoverisierung an Bord holte, mit in der Tat visionär die Stile und Epochen durchmessenden Programmen, das Repertoire des ältesten deutschen Rundfunkorchesters drastisch umzukrempeln, sich damit deutlich vom Gewandhausorchester abzusetzen und ein deutlich jüngeres Publikum anzusprechen. Das allerdings kam zum großen Teil mit drastisch verbilligten Tickets ins Gewandhaus, was zusammen mit Järvis Angewohnheit, jede Leipziger Arbeitsphase zum Festival aufzublasen, horrende Kosten verursachte.

Erst recht blieb dabei die von Järvi beschworene „schöne Entwicklung“ seines Orchesters auf der Strecke. Denn zwischen den vielen Konzerten in Leipzig und anderswo auf der Welt und den übrigen Verpflichtungen dieses im Prinzip immens begabten Dirigenten blieben die Proben auf der Strecke, die Konzerte musikalisch einem großzügig über Feinheiten hinwegbrausenden Al-fresco-Stil verpflichtet. Und so wird Järvi, wenn er dann im Sommer 2018 dem Leipziger Rundfunksinfonieorchester den Rücken kehrt, einen zwar bemerkenswert flexiblen und schnellen Klangkörper hinterlassen – dem aber im Zuge einer ziemlich willkürlichen Repertoire-Erneuerung die klangliche Identität abhanden gekommen ist. Großen Aufgaben für seinen Nachfolger, den die Dreiländeranstalt nun unter Hochdruck suchen muss.

Von Peter Korfmacher

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