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Jahrzehnte an der Nadel: Radierungen von Ulrich Hachulla in der Galerie Schwind

Jahrzehnte an der Nadel: Radierungen von Ulrich Hachulla in der Galerie Schwind

Nun gehört schon die zweite Generation der einst als Leipziger Schule titulierten Künstlerschaft zu den "Großen Alten". Ulrich Hachulla ist gerade 70 geworden.

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Selbstbildnis im Radierkittel, 1984

Quelle: Galerie Schwind

Die hauptsächlich um diese spezifische Form der Erbepflege verdiente Galerie Schwind würdigt das, nachdem sie im Frühjahr schon dem drei Jahre älteren Kollegen Arno Rink eine Ausstellung gewidmet hatte.

Hachulla, der in den 70ern und 80ern einem breiten Publikum in der DDR vor allem durch Gemälde mit mehr oder weniger gut verpackten sozialkritischen Anspielungen wie "Das Fest" bekannt wurde, erfährt mit den Ausstellungen eine konzentrierte Würdigung als Grafiker. Eigentlich müsste man sagen: als Radierer, hätte das Wort nicht so einen herabwürdigenden Beiklang. Jedenfalls ist die Radierung sein Genre der Druckgrafik. Andere Techniken spielen keine Rolle. Manches Blatt, bei dem die diversen Varianten wie Reservage, Aquatinta oder Vernis mou die herkömmliche Strichätzung mit der Radiernadel ergänzen, kann als didaktisches Lehrbeispiel dienen. Und tatsächlich war Ulrich Hachulla über viele Jahre bis 2008 Professor in der Grafikklasse der HGB und hat viele junge Künstler beeinflusst. Dazu gehört Michael Triegel, der zum Werkverzeichnis einen Essay beigesteuert hat.

In der Leipziger Ausstellung wurde die Frühphase weggelassen, es sind Arbeiten von 1970 bis zur Gegenwart zu sehen. Trotz des Zeitraumes über vier Jahrzehnte und differierender Ausdrucksweisen ergibt sich ein erstaunlich geschlossenes Bild, einem frühzeitig ausgeprägten Personalstil zu verdanken. Immer wieder geht es um das Menschenbild. Hachulla hat von seinen wichtigsten Lehrern das genommen, was er brauchte. Von Tübke die Orientierung an Altmeistern, von Heisig den locker aufgelösten Gestus. Er pflegt keinen akribischen Naturalismus, die Expression ist ihm wichtiger als die Anatomie.

Hachulla liebt es, aus dem Vollen zu schöpfen. Abgesehen von einigen eher kargen Stillleben sind seine Blätter prall gefüllt, viele Szenen haben mit Wimmelbildern des frühen Barock die überquellende Masse an Leibern gemein. Die Kombination von Techniken trägt zum Eindruck der Fülle bei. Doch häufig wird sie durch gezielt eingerichtete Leerräume konterkariert und dadurch genießbar. Weit gesteckt sind auch die Themenfelder. Naturstudien sind nicht immer dramatisch zugespitzt, bei den Sujets des menschlichen Miteinander wird es aber zumeist deftig. So wie viele Künstler der DDR nutzte und nutzt er antike und christliche Mythen als Transportmittel für Gegenwärtiges. Eng ist aber auch die Verbindung zur Literatur. Da reichen die Bezüge von Schiller und Heine über den Kulturfunktionär Johannes R. Becher und Anna Achmatowa bis zu Peter Gosse. Hinzu kommen Huldigungen an Stars der internationalen Musik- und Filmwelt früherer Dekaden.

Auch wenn die Malerei, bereits 1999 in der Galerie Schwind dargestellt, hier unberücksichtigt bleibt, zeigen Ausstellungen und Katalog, dass Ulrich Hachulla zu den für die Leipziger Kunst der Gegenwart prägenden Persönlichkeiten gehört. Die Personalschau in einer Galerie kann eine - wie auch bei Rink - fällige museale Retrospektive nicht ersetzten, aber Zusatzargumente dafür liefern.

Galerie Schwind, Springerstraße 5

bis 20. Juli

Di-Fr 10-18 Uhr, Sa 10-14 Uhr

Aus der Leipziger Volkszeitung vom ..

Jens Kassner

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