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Jethro Tull: Nie zu alt für Rock’n’Roll

Konzert im Haus Auensee Jethro Tull: Nie zu alt für Rock’n’Roll

Ihre Meilensteine in der Musikgeschichte sind „Thick As A Brick“, um es mit einem Titel dieser Band zu sagen. Am Samstag haben Jethro Tull im Haus Auensee Leipzig einen Querschnitt durch ihr Schaffen geboten – und das Publikum im Finale von den Sitzplätzen gerissen.

Schwer in Fahrt: Ian Anderson (l.) und Gitarrist Florian Opahle.

Quelle: Andre Kempner

Leipzig. Schwer zu schätzen, wie viele Hunderte Konzerte der Mann schon absolviert hat. 70 ist Ian Anderson, 50 wird das Projekt Jethro Tull. Da kommt was zusammen. Trotzdem ist die Wahrscheinlichkeit nicht gering, dass die Show am Samstag in Leipzigs ausverkauftem Haus Auensee die erste war, vor der quasi im Vorprogramm ein echtes Ross aus Eisen einen der größten Hits der Band vorwegschnaufte: Nah am Eingang ächzte und tönte die kleine olle Parkeisenbahn – fast so alt wie Anderson – zu Lampionfahrten durch die Dunkelheit am Eingang vorbei. Da haucht er also schon, der „Locomotive Breath“.

Und drinnen stockt kurz der Atem: Konzerte eines der Giganten der Rockgeschichte sind mittlerweile bestuhlt. So weit ist es also schon. Nix mit Tanzen, nix mit Ausrasten oder Luftgitarre. Das fällt durchaus schwer, wenn ein Programm so flockig losgeht mit „Livin In The Past“ und „Thick As A Brick“ schon an vierter Stelle auf der Setlist auftaucht. Mister Andersons Stimme ist immer noch so stabil wie sein berühmter Stand auf einem Bein bei den vielen Querflöten-Soli. Immer noch streckt er den Hals beim Singen nach oben und hebt die Fersen, als sei das Mikro zu niedrig eingestellt.

Auf der riesigen Videoleinwand läuft der Film einer langen Karriere vorbei – in Konzert- und Musikvideoschnipseln oder Textzeilen. Gewöhnungsbedürftig, dass Sängerin und Geigerin Unnur Birna Björnsdóttir per Filmkonserve zugespielt wird – ändert aber nichts am erstklassigen Handwerk der Livemusiker um Anderson. John O’Hara zum Beispiel kann wunderbar orgeln an den Keyboards, wenn er denn mal darf. Und der Rosenheimer Florian Opahle zerrt meisterlich an den Saiten – fantastisch sirrt und schrammelt seine hart-filigrane Gitarren-Variante von Bachs d-moll-Toccata. Nicht die einzige Verbeugung vor Leipzigs großem Kantor, denn auch eine Bourrée steht auf dem Plan.

Zwei Netto-Stunden (es gibt nämlich eine Pause) dauert die Reise durch die Metamorphosen von Jethro Tull, von Progressive Rock über Folkiges, Hardrock und Weltmusik. Immer wenn es gerade ein bisschen viel mittelaltert, senst Ophale mit seinen Riffs dazwischen. Und natürlich und vor allem ist da dieser Ian Anderson, der über die Bühne derwischt mit seiner für das Genre so ungewöhnlichen Querflöte und der er einen ganz besonderen Sound gibt mit scharfem Anblasen, mit Flatterzunge oder gleichzeitigem Grummeln oder Juchzen von den Stimmbändern.

Die Zeit spielt dem Kopf der Band einen Streich, wie Anderson selbst bemerkt, wenn er als nun 70-Jähriger den Song von 1976 ansagt: „Too Old To Rock ’n’ Roll: Too Young To Die“. Nein, zu alt ist er dafür nicht. Und das Publikum eigentlich noch jung genug, nicht auf Stühlen hocken zu müssen. Oder doch nicht? Selbst bei „Aqualung“ feiert nur ganz hinten ein Selbstvergessener mit Gitarrenposen und wildem Tanz diesen umwerfenden Song. Erst bei „Locomotive Breath“ – was für ein Meisterwerk der Rock-Historie – ist Schluss mit Sitzen. Das bis ins Letzte ausgeklügelte Konzert endet in Euphorie. Klar, „Pussy Willow“ wär’ noch schön gewesen. Aber man kann nicht alles haben aus 50 Jahren Karriere.

Von Mark Daniel

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