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Jetzt kracht's "13" - Black Sabbaths neues Album

Jetzt kracht's "13" - Black Sabbaths neues Album

Über die Entstehung des Heavy Metal sind verschiedene Mythen im Umlauf, einer geht so: 1965 verliert Tony Iommi, später Gitarrist bei Black Sabbath, in einer Walzblechfabrik bei einem Unfall an der Maschinenpresse zwei Fingerkuppen.

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Begnadete Krachschläger: Tony Iommi, Ozzy Osbourne und Geezer Butler (vlnr) bringen nach 35 Jahren wieder ein Album auf den Markt.

Quelle: Universal Music International

Statt die Gitarre an den Nagel zu hängen, zieht er Plastikfingerkuppen über, verwendet dünne Saiten, und stimmt das Instrument tiefer. Die Saiten sind so weniger gespannt. Der Unfall gilt manchen als Urknall des Schwermetallrocks. Viele Gitarristen kopierten diese Technik, um diese schleppend-schweren Sound hinzukommen. Bekamen sie natürlich nicht.

48 Jahre später gibt es Neues von Black Sabbath. Jetzt kracht's "13". So heißt das Album, das die Dunkelmänner nach 35 Jahren fast in Urbesetzung aufgenommen haben. Allein Schlagzeuger Bill Ward wurde durch Brad Wilk von Rage Against The Machine ersetzt. Die alten Streitigkeiten sollen überwunden sein. Ebenso die vor rund eineinhalb Jahren veröffentlichte Lymphdrüsenkrebs-Erkrankung von Iommi und ein neuerlicher Drogen-Flirt von Ozzy Osbourne.

"Ist das das Ende des Anfangs oder der Anfang vom Ende" singt Ozzy im Opener "End Of The Beginning", und im Hintergrund schreitet die Gitarre gravitätisch wie ein Sargträger. Die Frage ist mehr als berechtigt, denn die Entstehung dieser Platte darf man getrost unter die Wunder rechnen. Diese drei Typen zusammenzubekommen dürfte in etwas so aufwendig sein, wie mit einem Sack Flöhe im Froschteich baden zu gehen. Nur dass Flöhe keinen Alkohol trinken und auch sonst keine Drogen zu sich nehmen. Anders als Ozzy Osbourne, den das Gros der heutigen Jugend nur als aufgequollenen Soapstar mit Selbstzerstörungslust kennt.

Dass es "13" nun wirklich gibt, ist vor allem Rick Rubin, dem uneitlen Buddha unter den Produzenten zu verdanken. Rubin hatte bereits Johnny Cash und Neil Diamond daran erinnert, wer sie waren und was sie können. Mit Geduld und Geschick baute er aus Tony Iommi, Ozzy Osbourne und Geezer Butler wieder Black Sabbath. Wenn einer die Bauanleitung dafür hatte, dann er. Das wusste wohl auch Ozzy, der seine Frau bat, bei ihm anzurufen. Rubin war sofort dabei. Auch Tony Iommy hatte eines Tages Sharon an der Strippe: "Sie fragte, ob ich nicht mal mit Ozzy wegen eines neuen Albums telefonieren möchte."

Er wollte, die Sache kam ins Rollen. Dennoch stand "13" lange unter keinem guten Stern. Erschwert wurden die Aufnahmen von der Erkrankung Iommis. Eine Chemotherapie hat den Krebs indes vorerst besiegt. "Die Aufnahmen haben mir während meiner Erkrankung sehr geholfen. Es war gut, dass ich etwas zu tun hatte, anstatt herumzusitzen und Trübsal zu blasen", betont der 65-jährige Riffmeister der Band. "Die Erkrankung hat mich kämpferisch gemacht." Schulfreund Butler sagte im "Spiegel": "Tony war entschlossener denn je. Ozzy und mich hat es mitgerissen, wie stark Tony war."

Trotz seiner Eineinhalb-Jahre-Rückfall in Sachen Alkohol und anderen Drogen - so genüsslich in den Boulevardmedien ausgebreitet, dass Gerüchte von einem PR-Coup die Runde machen - überzeugte Ozzy offenbar am Mikro: "Er war großartig, er hat besser gesungen als früher. Meistens war er als Erster im Studio und hat einen tollen Job gemacht."

Ist das also Black Sabbath, was Rick Rubin da aus den Ruinen hervorzauberte? Ja! Ein Kettensägenmassaker ist es nicht geworden. "13" ist eine Wiederbelebung. Die acht wie einst nicht selten ausufernden Songs knüpfen tatsächlich organisch an das Frühwerk an. "Rick Rubin hat uns in diese Richtung gelenkt", sagt Iommi. "Die Aufnahmen sind rau und ursprünglich ohne Overdubs, so wie wir es in den Anfangstagen gemacht haben." Dabei spielte die Band die Songs, die sich zwischen langen Midtempo-Balladen, schweren Riff-Monstern, aber auch bluesigen Anleihen bewegen, live ein - für die heutige Zeit sehr ungewöhnlich.

Im letzten Song "Dear Father" erklingen wieder der Regen und die Glockenklänge des Intros zu "Black Sabbath", dem ersten Song des Debütalbums aus dem Jahr 1970. Soll sich hier etwa der Kreis schließen und das Ende verkünden? "Nein, nein", wehrt Iommi ab, "das war Rick Rubins Idee und soll nur den Bezug zu unseren Ursprüngen symbolisieren."

Und Gott? Der ist, wie es sich bei einer Band namens "Black Sabbath" gehört, natürlich tot. Zumindest heißt er so, der Song, in dem Osbourne vor wohlorganisiertem Gitarrenkrach alle Versatzstücke des Bösen zusammengruselt, um dann fast schüchtern einzuräumen: "I don't believe that god is dead." So richtig gefährlich ist das alles nicht. Da beißt die Fledermaus keinen Faden ab.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 15.06.2013

Jürgen Kleindienst

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