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Joachim Witt reitet in Leipzig durch sein Schaffen

Konzert Joachim Witt reitet in Leipzig durch sein Schaffen

Nicht nur „Der goldene Reiter“ macht Joachim Witt aus. Der 66-Jährige, der in den 1980ern mit dem Hit auf der Neuen Deutsche Wellen ritt, sorgte auch mit anderer Stilistik für Aufsehen, unter anderem mit „Die Flut“, die ihn in die Schwarze Szene spülte. Nun gastierte der Sänger im Alten Stadtbad Leipzig – und ritt durch die Vergangenheit.

Joachim Witt im Stadtbad Leipzig.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Das zeitlos schöne Leipziger Stadtbad als Kulisse für einen Künstler, der gleichermaßen die Zeiten, in seinem Fall die Wellen der Popmoden, überdauert hat. Das Publikum im gut gefüllten Saal über dem Wasserbecken ist beim Konzert von Joachim Witt verrückt gemischt. Leute, die schon beim „Goldenen Reiter“, also Anfang der 80er, erwachsen waren; viele, die ihn fast zwei Jahrzehnte später als Dunkelgänger mit der „Flut“ entdeckten; und durchaus auch Dreißiger, die die frischen Werke schätzen.

Der Leichtmatrose als zweite Vorband ist mit seinem faszinierenden Gemisch aus schlagereskem Bombast, Ramm-Gitarren und Eighties-Kick mehr als bloß Anheizer. Er zollt vor dem letzten, in seiner Hymnik schwer beeindruckenden Stück, Respekt vor „Vater Witt“. Der nimmt später den Ball auf und bedankt sich beim „Matröschen“.

Darf er. Witt ist 66 Jahre alt und eine ungeheure Erscheinung auf der Bühne. Er war schon eine gestandene Größe im Deutschrock (Düsenberg hieß die Band in den 70ern, es war nicht seine erste), als er nach dem ersten Soloalbum vom Riesenerfolg des „Reiters“ überrascht wurde. Das Konzert widmet sich jedoch seiner ernsthaften, durchaus martialischen Phase, von der „Werkreihe Bayreuth“ bis in die Gegenwart.

Der Meister ist jederzeit alleiniger Herr der Bühne. Mit seiner charismatisch-dominanten Präsenz sorgt er immer wieder dafür, dass das donnernde Pathos seiner Songs nie zur leeren Pose erstarrt. Er kommuniziert zwischen den Liedern launig mit dem Publikum. Altersweise und manchmal fast diabolisch stellt er sich dabei neben das, was er da gerade tut. Im Gesang bleibt er jederzeit ernst. Große und schöne Dinge sind da zu hören, lichttechnisch ausgefeilt untermalt und ohnehin gestützt von der fast sakralen Grundatmo dieses Raumes, dem niemand die Schwimmhalle ansieht. Aus der kompakten Wucht des Bandklangs ragt der auffallend junge Gitarrist Ruben Roeh heraus, dessen Spiel ohne Abstriche mit „begnadet“ attributiert werden darf.

„Jetzt und Ehedem“ ist der erste Höhepunkt. Damit vermochte er Akzente in der Neuen Deutschen Härte zu setzen, nicht zuletzt dank des Textes von Friedrich Nietzsche. Bei „Jetzt geh“ und „Mut eines Kriegers“ vom „Dom“-Album erreicht der Abend seine höchste Dichte – diese Platte ist wohl die stimmigste eines Œvres. Mit kieksigen Keyboards kippt er kurz darauf in die frühen 80er mitten hinein in sein „Edelweiß“-Vinyl – mein Gott, was haben wir damals für ein schräges Klanggefühl gehabt. Witt landet schließlich bei „Die Flut“, diesem bis heute berührenden Hit, mit dem er sich seinerzeit mit der Hilfe von Wolfsheims Peter Heppner aus dem künstlerischen Tief heraus in die Schwarze Szene hinein rettete.

Vor der Zugabe noch „Supergestört und Superversaut“, schwer beklatscht zwar, doch ein wohl eher unglücklicher Rammstein-Klon. Danach großes Gehüpf und Gejohle bei „Der Goldene Reiter“. Weil es so schön war, legt er noch den „Herbergsvater“ nach. Man hörte Gültigeres an diesem Abend. Doch so sind alle glücklich – und in seiner dunklen Mitte war es ein gutes Konzert.

Von Lars Schmidt

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