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Joe Bonamassa in Leipzig im Saitenrausch

Arena-Konzert Joe Bonamassa in Leipzig im Saitenrausch

Er kann’s einfach: Gitarrist Joe Bonamassa war in der gut gefüllten Arena Leipzig – unterstützt von seiner grandiosen Band und zwei hervorragenden Background-Sängerinnen. Zur Zugabe gab es dann etwas mehr Blues als Rock.

Gitarrengott mit seiner besten Krawatte: Joe Bonamassa in der Arena Leipzig.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Pünktlich um 20 Uhr gehen die Lichter aus, und während die Band mit Rufen und Pfiffen begrüßt wird, hat es schon etwas Komisches, wenn sich die letzten Nachzügler ihren Weg zu den Sitzplätzen mit der Taschenlampenfunktion ihres Smartphones erleuchten. An diesem Freitagabend ist die Arena Leipzig zum Konzert von Gitarrengott Joe Bonamassa zwar nicht ausverkauft, aber brodelnde Vorfreude und Begeisterung sind zu spüren.

Bonamassa und seine Band beginnen mit einem Rock-Knaller. Die E-Gitarrenklänge sind anfangs nicht differenziert hörbar, werden fast vom übermächtigen Schlagzeug übertönt. Auch der Text ist deswegen nicht leicht verständlich, aber den kennen die Fans sowieso auswendig. Mit schwarzem Anzug, schwarzem Hemd, Sonnenbrille und „seiner besten Krawatte“ in knalligem Kanariengelb steht Bonamassa seinem Publikum zuerst distanziert gegenüber, verliert sich in seinen Riffs und der Wucht seiner Lieder. Er macht da oben sein Ding – und das macht er wahnsinnig gut.

Die rockige Lässigkeit steht ihm einfach und überträgt sich auch auf seine Stimme. Mal schnarrend, wie eine seiner vielen Gitarren, mal dunkel und wohlklingend, aber immer unangestrengt füllt er den Raum mit seinen Texten. Die Gitarre ist ein Teil von ihm, sein Ausdrucksmittel, wenn die Texte nichts mehr sagen. Dann spielt er sich in einen regelrechten Saitenrausch. Mit Feingefühl, manchmal sogar etwas bedächtig, improvisiert er in der Brigde über den Melodien, findet immer neue, überraschende Tonwege und holt alles aus seinem Instrument heraus, was (un)möglich ist.

Alle paar Lieder wechselt Bonamassa die Gitarre, überspielt es humorvoll, wenn er aus Versehen das falsche Instrument in die Hand bekommt und verliert nie seine Coolness. Es ist bewundernswert, mit welcher Leichtigkeit er den wuchtigen Klang herausschleudert, ohne die geringste Härte in der Körperhaltung zu zeigen.

Bluesrock-Gitarrist nennt der New Yorker sich, aber an diesem Abend überwiegt deutlich die Rock-Komponente. Und wenn er singend nach der großen Liebe sucht, dann schwingt da viel Sehnsucht mit, aber auch ordentlich viel Schmackes. Wer sich seine leisen, älteren Lieder erhofft hat, wird etwas enttäuscht nach Hause gehen. Ein paar ruhigere Klangoasen hat er dennoch im Gepäck und genau dann, wenn er nicht zu viel Druck in die Stimme legt, transportiert sie etwas Hypnotisches, das er von seiner Gitarre übernimmt.

Die Bühne kommt ohne viel Schnickschnack aus: Wechselnde Lichtstimmungen sind die einzigen Effekte, die Notenpulte sind mit seinen Initialen versehen. Der Mann wirkt. Unterstützt von seiner grandiosen Band und zwei hervorragenden Background-Sängerinnen.

Vor allem in der zweiten Hälfte, bei Nummern, die an den Rock ’n’ Roll angelehnt sind oder wenn Trompete und Saxophon Big-Band-Sound mitbringen, hält es viele nicht mehr auf den Sitzen.

Bei „Love Ain’t A Lovesong“ demonstriert er noch einmal seine Vielfältigkeit, von rockiger Klangfülle zu beeindruckend gefühlvollen, tranceartigen Passagen, wenn er sich in der Lautstärke zurücknimmt.

Nach zwei energie- und gitarrengeladenen Stunden lassen seine Fans Joe Bonamassa nicht einfach so von der Bühne – und so lässt er sich zu einer Viertelstunde Zugaben hinreißen, die er mit mehr Blues-Anklang ausstaffiert. Der kann’s einfach!

Von Katharina Stork

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