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"Johann Sebastian Bach darf in meiner Band gern Keyboards spielen": Alice Cooper im Interview

"Johann Sebastian Bach darf in meiner Band gern Keyboards spielen": Alice Cooper im Interview

Gruselrocker Alice Cooper verbreitet unter besorgten Eltern längst keinen Schrecken mehr. Bei den theatralischen Konzerten des 65-Jährigen formiert sich vielmehr mittlerweile aus mindestens drei Generationen ein Chor, der jubiliert, weil jetzt die Schule aus sei.

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Gruselshow mit Alice Cooper.

Quelle: Axel Heimken

Leipzig. Im März wagt Cooper den nächsten Schritt in Richtung Bürgerlichkeit und tritt mit klassischem Orchester in der Arena Leipzig auf. Wie er Mathias Wöbking erzählt hat, dürfen sich die Fans dennoch auf die übliche Horror-Show freuen.

LVZ:

In Leipzig wirkte einerseits Bach als Kantor der Thomaskirche, andererseits beheimatet die Stadt mit dem Wave-Gotik-Treffen eines der weltweit größten Gothic-Festivals. Wo würden sie sich als christlicher Grufti wohler fühlen?

Alice Cooper:

Bach darf in meiner Band gern Keyboards spielen! (lacht). Im Ernst: Vermutlich gefiele es mir an beiden Orten. Denn Musik geht über religiöse Vorstellungen hinaus. Natürlich sollte man schon über Dinge singen, an die man glaubt. Die Musik wurzelt aber noch früher in der Menschheitsgeschichte, sie ist archetypisch und spielt ihre Rolle schon in den ältesten Büchern der Bibel. Und ich kenne keine Stelle, an der Gott verbietet, Rockmusik zu machen. Es kommt darauf an, was du sagst, wie du es sagst und wie du die Musik benutzt. Für mich hat Rock'n'Roll schon immer vor allem eines bedeutet: pure Energie.

Auch wenn es wie bei der Tour "Rock Meets Classic" kommendes Jahr ein klassisches Orchester ist, das den Rock'n'Roll spielt?

Ich vermute sogar, dass das Ganze diesmal bei weitem rockiger wird als Ende der 90er, als ich in England an einem ähnlichen Projekt teilnahm: mit Roger Daltrey, Peter Frampton, Paul Rodgers und anderen an der "British Rock Symphony". Wir sangen alle gegenseitig unsere Lieder, und ein großes Orchester begleitete uns. Aber jetzt spiele ich meine eigenen Hits und bringe meine Gitarristin Orianthi mit. Das Orchester setze ich wohl vor allem bei ein oder zwei Stücken ein, und das werden die theatralischeren sein. Zu "Only Women Bleed" ist ja bereits auf der Platte ein Orchester zu hören. Ich stamme aus Detroit, und dort glauben wir nicht an Softrock, wir glauben nur an Hardrock. Ich möchte also auch "School's Out" spielen, "Under My Wheels", "Poison". Zusammen mit ein paar Liedern, die etwas aufwendiger orchestriert sind und die wir ein bisschen theatralischer aufführen, wird das ein gutes Alice-Cooper-Paket ergeben.

Als Sie vor drei Jahren zuletzt in Leipzig zu erleben waren, sind Sie auf der Bühne vier Tode gestorben. Müssen sich die Orchestermusiker Sorgen um ihre körperliche Unversehrtheit machen?

(lacht) Alice Cooper zu sein, bringt eben mit sich, dass es theatralisch zugeht. Aber auch wenn ich es noch nicht ganz genau weiß, vermute ich, dass das Orchester vor allem die Aufgabe haben wird, die Partitur zu spielen. Das Theatralische steure wohl in erster Linie ich selbst bei, vielleicht noch eine weitere Bühnenfigur.

Und das Publikum! Vermutlich ist ein Alice-Cooper-Konzert der weltweit einzige Ort, an dem sich ein Chor aus Tausenden formiert, die fast oder tatsächlich Großeltern sind, aber jubeln, dass die Schule aus sei. Funktioniert das auch im klassischen Arrangement?

Absolut. Zuerst einmal ist dieses Lied so etwas wie die Alice-Cooper-Nationalhymne. Und außerdem fühlten sich stets schon auch die Lehrer angesprochen. Am Ende eines Schuljahrs scheinen sie, wie sie mir immer wieder erzählen, die Nase ziemlich voll von den Kids zu haben, und können es offenbar nicht erwarten, aus der Schule zu verschwinden. Als wir das Lied damals schrieben, konnten wir uns aber in keiner Weise vorstellen, dass das Stück 40 Jahre später immer noch eine Bedeutung für einen 15-Jährigen haben würde. Manche Hymnen entwickeln ein Eigenleben, "School's Out" könnte auch nächste Woche herauskommen und würde von der heutigen Jugend als Rock-Song anerkannt werden.

Wann ist es Ihnen zuletzt passiert, dass jemand Ihre Horror-Show als satanisch missverstand?

Mittlerweile sollten es die meisten besser wissen. Aber es wird wohl immer diesen Prozentsatz an Leuten geben, die an allem nur die Oberfläche wahrnehmen und denen so der Humor meiner theatralischen Shows verborgen bleibt. Wenn ich mich mit Rob Zombie oder Marilyn Manson unterhalte, stellen wir schnell fest, dass wir denselben Sinn für Humor haben: dass unsere gruseligsten und düstersten Einfälle oft die witzigsten sind. Und eigentlich sind unsere Konzerte dafür gedacht, dass man sich über sie lustig macht. Natürlich kann man nicht jedem gefallen. Aber wer auch nur ein bisschen Gehirn besitzt, merkt rasch, dass meine Musik in keinster Weise satanisch ist.

Dennoch fällt es schwer, sich Alice Cooper im weißen Gewand eines Golfers vorzustellen. Sie sollen den Sport aber sehr gut beherrschen, oder?

Ich spiele jeden Tag. Buchstäblich sechs Tage die Woche. Wenn ich an einem Turnier teilnehme, trage ich allerdings komplett Schwarz, weil ich auch auf dem Golfplatz schon ein bisschen auf mein Image aufpassen muss. Erst diese Woche spielte ich in Winged Foot, auf einem der zehn besten Plätze Amerikas, eins über Par - mit 73 Schlägen.

Wenn Sie nicht gerade golfen, arbeiten Sie an einem Cover-Album. Mit welchen Stücken?

Damals, als ich ein Trinker war, war ich in Hollywood Mitglied eines Alkoholiker-Vereins, zu dem all die Typen gehörten, die man erwartet: Keith Moon, Harry Nilsson, John Lennon, auch Jim Morrison war zu Beginn irgendwie dabei, Jimi Hendrix, all diese Typen. Es war eine Art "Last Man Standing Drinking Club". Also möchte ich das Cover-Album all meinen toten betrunkenen Freunden widmen. Es waren die Bands, die wie große Brüder für uns waren. Einen Doors-Song zu spielen, ist ein großer Spaß. Oder einen von The Who, Hendrix, T-Rex - Lieder, von denen ich mir immer wünschte, ich hätte sie selbst geschrieben. Jetzt nehme ich immerhin eigene Versionen auf.

Drei Ihrer damaligen Kollegen aus der Zeit, als Alice Cooper noch der Name einer Band war, haben auf Ihrem jüngsten Album gespielt. Geht diese wiedererweckte Zusammenarbeit weiter?

Ich habe Neal und Dennis erst neulich wieder getroffen, sie leben in Connecticut, und wir spielten in Upper New York. Das Wunderbare an der Trennung unserer Band war ja, dass es keinerlei böses Blut gab. Ich nutze noch heute jede Gelegenheit, bei der ich mit Neal, Dennis und Mike spielen kann. Wir treten auf Wohltätigkeitsveranstaltungen auf und sehen es einfach so: Es gibt verschiedene Versionen von "Alice Cooper", die Originalfassung und die Variante, die ich in der Gegenwart verkörpere - mit den Musikern, die ich mir aussuche. Mit ihnen gehe ich auf ausgesprochen lange Tourneen. Ich bin mir nicht sicher, ob meine drei alten Freunde körperlich dazu imstande wären.

Welche Rolle spielt Ihre Gitarristin Orianthi in der gegenwärtigen Alice-Cooper-Version?

Eine entscheidende! Daher kommt sie im Frühjahr auch mit nach Deutschland. Wer eine zarte Pflanze wie sie findet, pflegt sie, solange es geht. Ich weiß, dass sie letztlich ihre eigene Karriere verfolgen wird und das ja bereits tut, wenn sie nicht mit mir unterwegs ist. Aber sie passt so perfekt in meine Show. Ich habe mich immer mit den besten Musikern umgeben, und nachdem Michael Jackson gestorben war und sie zur Verfügung stand, fragte ich sie, ob sie 28 Hardrock-Songs pro Abend spielen will, die zeigen, wie gut sie ist. Bei Michael Jackson hatte sie pro Konzert vielleicht zwei oder drei Leadgitarren-Einsätze. Sie sagte sofort zu und jetzt würde ich sie schmerzlich vermissen, wenn sie nicht mehr da wäre.

Was haben die Kinder bekommen, die diese Woche zu Halloween an Alice Coopers Tür klopften?

Oh, ich war an Halloween leider wie in den meisten Jahren gar nicht zu Hause. Aber ich habe einen großen Sack mit Süßigkeiten ans Tor meines Hauses und einen Zettel drangehängt, auf dem stand: Nehmt, was ihr wollt!

"Rock Meets Classic 2014" mit Alice Cooper, Kim Wilde, Midge Ure, Joe Lynn Turner, Mat Sinner Band, Bohemian Symphony Orchestra (Prag), 30. März, 20 Uhr, Arena Leipzig, Karten für 52 bis 75 Euro unter der kostenfreien Ticket-Hotline 0800 2181050, im LVZ-Media Store (Höfe am Brühl), in den LVZ-Geschäftsstellen und unter www.lvz-ticket.de

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 02.11.2013

Mathias Wöbking

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