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John Grisham: Meine Frau ist meine schärfste Kritikerin

John Grisham: Meine Frau ist meine schärfste Kritikerin

Zwei Dutzend Bücher hat John Grisham bislang veröffentlicht, die Gesamtauflage seiner Werke liegt bei mehr als 250 Millionen Exemplaren. An Donnerstag kam der US-Autor erstmals für eine Lesereise nach Deutschland, im Gepäck sein neustes Werk „Das Gesetz“.

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John Grisham sitzt am 09.09.2010 in Hamburg auf einem Podium während der Vorstellung seines neuen Buches „Das Gesetz“.

Quelle: dpa

Hamburg. Im Interview spricht der 55-Jährige über seinen neuen Erzählband, Hollywood und das Geheimnis seines Erfolges.

Ihr jüngstes Buch „Das Gesetz“ ist ein Novum: Statt eines Romans haben Sie erstmals einen Erzählband mit sieben Kurzgeschichten veröffentlicht. Wie kam es dazu?

Grisham:

„Alle sieben Geschichten sollten ursprünglich Romane werden. Es sind auch keine Kurzgeschichten im strengen Sinn, dafür sind sie zu lang. Sie alle haben einen Handlungsstrang mit Anfang, Mitte und Ende, weil das meine Art zu schreiben ist. Aber für einen Roman waren die einen nicht lang genug, andere zu kompliziert. In allen steckt viel mehr Humor, als in meinen früheren Büchern. Ich habe sehr lange an dem Buch gearbeitet. Die Ideen für die meisten Geschichten hatte ich schon vor 15, 20 Jahren.“

Das Buch blickt in den Alltag typischer Bewohner von Ford County, einen fiktiven Landstrich im US-Bundesstaat Mississippi, in dem Sie selbst viele Jahre gelebt und als Anwalt gearbeitet haben. Wie persönlich sind die Geschichten?

Grisham:

„Ich kenne diese Menschen in Mississippi, das macht das Buch persönlich. Der Humor, der verschrobene Charakter der Kleinstadt- Bewohner, die frustrierten Anwälte, die von einem anderen Leben träumen. Es ist alles Fiktion aber es basiert auf meinen damaligen Erlebnissen. So beispielsweise die letze Geschichte („Ein Ort zum Sterben“), in der es um einen Aidskranken geht: Zwei Freunde von mir starben in den 1980er Jahren an Aids. Damals war die Krankheit noch neu und furchterregend und niemand hat sie verstanden. Die beiden hatten keinen Ort, wo sie hingehen konnten, um zu sterben.“

Sie haben vor mehr als 20 Jahren als völliger Anfänger ihr erstes Buch „Die Jury“ veröffentlicht. Sind Sie mit den Jahren ein besserer Schriftsteller geworden?

Grisham:

„Das ist eine gute Frage. Mir sagen viele Menschen, dass mein erstes Buch mein bestes war. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Ich glaube, dass ich in vielem besser geworden bin, etwa was den Aufbau der Geschichten und die Spannung betrifft. Aber an meinem ersten Roman habe ich auch drei Jahre gearbeitet. Ich hätte nie geahnt, dass einmal 20 Millionen Exemplare davon verkauft werden. Ich wusste ja nicht einmal, ob er überhaupt veröffentlicht wird.“

Sie gehören zu den erfolgreichsten Schriftstellern unserer Zeit, was ist das Geheimnis Ihres Erfolges und wer unterstützt Sie?

Grisham:

„Ich will, dass der Leser das Buch in die Hand nimmt und nicht mehr aufhört zu lesen. Er soll nicht mehr zur Arbeit gehen, nicht mehr schlafen, Seite um Seite umblättern. Das ist, was ich am Lesen liebe und das ist das, was ich schreiben will. Meine Frau ist meine schärfste Kritikerin. Sie liest die Bücher, während ich sie schreibe. Zweimal in 20 Jahren hat sie gesagt: 'Ich mag dieses Buch nicht, ich mag die Protagonisten nicht, ich mag die Geschichte nicht'. Also hab’ ich die Finger davon gelassen.“

Haben Sie irgendwelche Rituale, wenn Sie arbeiten?

Grisham:

„Ich schreibe etwa vier bis fünf Monate lang an einem Buch. Ich stehe um sechs Uhr morgens auf, gehe in mein Büro bei mir zu Hause. Ich liebe es im Winter, wenn es noch dunkel ist, dorthin zu gehen. Ich wickel mich in eine Decke ein, fange an zu arbeiten. Es ist immer derselbe Raum, derselbe Computer, dieselbe Kaffeetasse, derselbe Kaffee - ein sehr starker. Es gibt kein Telefon, kein Fax, kein Internet.“

Ein Großteil ihrer Bücher wurde in Hollywood verfilmt. Wie ist das für einen Autor, sein Werk in die Hände eines Regisseurs zu legen?

Grisham:

„Wenn Du mit Hollywood Geschäfte machen willst, musst Du davon ausgehen, dass die Geschichte leicht abgewandelt wird. Wenn Du das nicht willst, dann lass es, aber dann verpasst Du ein gutes Geschäft. Als es um meine ersten Verfilmungen ging, sagte mein Freund Steven King zu mir:  „Get all your money out of it and kiss it good-bye!“ (Hol’ soviel Geld wie möglich heraus und verabschiede Dich davon). Das war ein sehr guter Ratschlag.“

Gibt es denn eine Verfilmung, die sie gar nicht mögen?

Grisham:

„Ich habe wirklich Glück gehabt. Acht oder neuen meiner Bücher wurden umgesetzt - und nur eine Produktion war schlecht: „Die Kammer“. Zwar haben Gene Hackman und Faye Dunaway mitgespielt aber das Drehbuch war einfach mies. Niemand wollte den Film sehen, worüber ich sehr erleichtert war.“

Jenny Tobien

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