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José González und 1600 Zuschauer schließen in Leipzig verträumt die Augen

Geyserhaus-Parkbühne José González und 1600 Zuschauer schließen in Leipzig verträumt die Augen

Am Dienstag hat sich der argentinisch stämmige Schwede José González auf der Parkbühne am Geyserhaus die Ehre gegeben, unterstützt vom Franko-Leipziger Jeronÿmus. Ein Konzert, als wäre dafür eigens das Wort Entschleunigung lang vor seiner Modewerdung erfunden worden.

Geschlossene Augen: José González auf der Geyserhaus-Parkbühne.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Ein Abend wie in Watte gepackt, weich geschützt vor dem alltäglichen Gelärm draußen in der Nachrichten- und Wochentags-Realität. Obendrein angenehm international: Am Dienstag hat sich der argentinisch stämmige Schwede José González auf der Parkbühne am Geyserhaus die Ehre gegeben, unterstützt vom Franko-Leipziger Jeronÿmus. Um die 1600 Gäste folgten und füllten Ränge, Wiesen und Spielflächen nahezu komplett, um Musik live beizuwohnen, die irgendwo zwischen typisch nordamerikanischem Singer-Songwriting eines frühen Leonard Cohen, westafrikanischen Blues-Einflüssen und europäischer Balladenmelancholie schwebt, als wäre dafür eigens das Wort Entschleunigung lang vor seiner Modewerdung erfunden worden.

Für Besucherin Katja war es spontane Liebe auf den ersten Ton, als ihr Freund vor einem halben Jahr das aktuelle Solo-Album „Vestiges and Claws“ des Junip-Frontmannes auflegte. Fern jeder Eifersucht fungierte González Musik fortan als gemeinsame Leidenschaft, und wo am Dienstag nicht Freundinnen-Grüppchen den Weg auf die Parkbühne fanden, taugte das Konzert prima als romantischer Pärchenausflug, nicht nur für die beiden. Ob González’ Musik über ihr träumerisches Kuschelpotenzial hinaus aphrodisierende Effekte erzeugt, kann nur spekuliert werden, jedenfalls ist das Schwangeren-Aufkommen auffällig hoch. Dazu gesellt sich eine Mehrzahl poststudentischen Publikums um die 30 sowie einige optisch eher an härtere Musik angepasste Alternative an ihrem soften Abend.

Zur Hälfte Bratwurst, zur Hälfte Gemüsebratling

Eröffnet wird dieser zunächst von Jeronÿmus, dem Ex-Frontmann von Two Wooden Stones, dessen ethnolastiger Slow-Folk mit mystischem Touch die ohnehin vorherrschende Spätsommermelancholie fast ins Schwermütige drückt und nicht nur mit variantenreicher Stimme zu beeindrucken weiß. In den letzten Songs soult sogar ein Hauch von Gregory Porter durch die Wiesenhänge der Parkbühne. Und unter den so ruhigen wie wohlwollenden Zuhörern wirkt die Crowdfunding-Ankündigung für sein geplantes Debütalbum durchaus erfolgversprechend.

Der Bühnenumbau zum eigentlichen Star des Abends wirkt zunächst wie ein Abbau, denn wo Jeronÿmus noch Schlagzeug, Keyboard und Gitarre zum Teil parallel bediente, setzt González pur auf Gitarre und Stimme, wozu Stuhl und Mikrofon ausreichen. Bevor es losgeht, werden noch schnell ähnlich viele Plastikbecher mit Bier wie mit Weißwein gefüllt, zwischen Brötchenhälften stecken etwa zu gleichen Teilen Bratwurst und Gemüsebratling.

So laut im weiteren Verlauf des Konzerts González bejubelt wird, so ruhig sitzt das Publikum in den Liedern. Geschlossenen Auges träumen sich viele in die von González süß-melancholischen Liedern untermalten Film- und Serienszenen, welche nicht unerheblich zu seiner Popularität beigetragen haben. Ein paar Mal wird diese Träumerei von sympathischen Mini-Verspielern durchbrochen.

Angetan nennt González die vollen Ränge „very polite“, tatsächlich finden sich wohl selten so viele Menschen in derart entspannter Ruhe zusammen, dass der um González zwecks Lichteffektsteigerung tanzende Bühnennebel fast hektisch wirkt.

Das einzige Mal, dass sich das Publikum davon inspirieren lässt, sind die frenetischen Zugabenrufe, die González hernach – in aller Ruhe – gern gewährt.

Von Karsten Kriesel

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