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Kämpferherz hinter schmaler Brust - Olaf Schubert bei den Filmnächten am Elbufer

Kämpferherz hinter schmaler Brust - Olaf Schubert bei den Filmnächten am Elbufer

Was für eine Enttäuschung. Der Frust sitzt tief. Mit traurigen Augen mustert der als "Filialleiter im Baumarkt des Lebens" angekündigte Olaf Schubert die Örtlichkeit, wo er sein Programm "Meine Kämpfe" vortragen soll: das von den Filmnächten derzeit in Beschlag genommene Gelände am Elbufer unterhalb des Finanzministeriums.

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Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Okay, das "Pöppelmannsche pompöse Gedöns" im Hintergrund ist, wie vom Veranstalter versprochen, da. Aber sonst? Statt auf einer großen Bühne steht er in einem "Geräteschuppen", statt einer 18 000-Watt-Lichtanlage werden er und seine von ihm schon mal gern getriezten Mitstreiter Jochen Barkas und "Herr (Bert) Stephan" mit ein paar Scheinwerfern abgespeist, dafür aber von Ungeziefer belästigt: Mücken. Auch das Gestühl "mutet morsch". Dann erweist sich die Gitarre verstimmt, was wohl an der Luftfeuchte liegt, die sie aus Tschechien dreist die Elbe runter schicken. Und dann der Krach! Der Künstler hätte doch erwartet, "dass die DVB stehenbleibt", aber seine Drohung, dass bei der nächsten Bahn Schluss sei, macht Schubert dann doch nicht wahr. Er ist und bleibt halt ein Gutmensch.

Und der Comedy-Kauz mit dem dünnen Zauselhaar, das Wunder im Pullunder aus altem sächsischen Amputationsadel, der genialistische Spinner aus dem Tal der ahnungslosen Angeber, will seine Fans eben nicht enttäuschen. Die Brust mag schmächtig sein, in ihr schlägt das Herz eines Kämpfers. Für lediglich einen Kampf würde Schubert nicht aufstehen, aber da er gezwungen ist - das Leben besteht nicht nur aus Eierschecke-Mampfen -; sich an einer ganzen "Problem-Agenda-Nomenklatura" abzuarbeiten, steht der Spargel-Rambo seinen Mann.

Im Grunde gibt Schubert seinen Fans, die dafür gesorgt hatten, dass sein Gastspiel bei den Filmnächten seit langem ausverkauft war, wonach es ihnen offenbar verlangt: den totalen Nonsense. Kalauern als Kunstform, Unfug als großes Theater. Virtuos versteht er es, Worte und Sprachschöpfungen zueinander zu bringen, die nicht zusammengehören. Natürlich will der Softie im Pullunder nie verallgemeinern, sondern meint das, was er moniert, lediglich pauschal.

Mit pamphletartigen Liedern, denen bestenfalls ein holpriger Reim bescheinigt werden kann, wie "Haltet inne", und dem Vorschlag, statt einseitig-engstirniger Fixierung auf Solarenergie doch auch mal über Mondkraft nachzudenken, trägt der Weltverbesserer seinen Teil zum Umweltschutz bei. Eindringlich mahnt der Sachse, der für weltbewegende Konflikte wie auch die kleinen "menstrualen Minenfelder" einer Zweier-Beziehung die abstrusesten "Lösungsvorschläge" parat hat: "Die in Deutschland herrschende soziale Kälte reicht nicht, die Erderwärmung zu kompensieren." Auch sollte man sich in einer Zeit, in der Erdöl und Erdgas knapp werden und nur Erdbeeren noch in ausreichender Menge vorhanden sind, Gedanken darüber machen, dass Deutschlands Windreserven nur noch für 40 Jahre ausreichen.

Auch mit der demographischen Struktur des vergreisenden Landes, wo man sich allenfalls zu Beginn einer Beziehung "hormongepeitscht behüpft", hat sich Schubert eingehend beschäftigt und kommt infolgedessen nicht umhin zu warnen: "Es werden nicht nur zu wenig Kinder geboren, sondern auch noch die falschen." Welche Entwicklung die Gesellschaft nehmen wird, ist ungewiss. Kann schon sein, dass Schubert recht hat, und die Menschen, wenn sie in 30 Jahren auf einem Grabstein "Hartz IV" lesen, sich fragen: "Hartz IV? Was ist das? Was ähnliches wie Hepatitis B?"

Christian Ruf

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