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Kalifornien trifft Leipzig: Fotograf Owen Gump ist neuer LVZ-Kunstpreisträger

Kalifornien trifft Leipzig: Fotograf Owen Gump ist neuer LVZ-Kunstpreisträger

Sonnenfinsternis bei einer Jurysitzung, da liegen die Metaphern fast im Dutzend griffbereit, zumal wenn beide exakt zur gleichen Zeit beginnen - so wie am Freitag bei der Suche nach dem 11. Kunstpreisträger der Leipziger Volkszeitung.

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Der 34-jährige Fotograf Owen Gump ist der neue LVZ-Kunstpreisträger.

Quelle: Privat

Leipzig. Gleißend strahlt es zunächst auf die LVZ-Kuppel, sorgt trotz Sonnenschutz für Lichtspiele - auch auf der Leinwand, auf die einige der Arbeiten projiziert werden. Dann wird die Optik kosmologisch gedimmt. Und als das kleine Himmelsspektakel vorüber ist, steht es fest: Der in Berlin lebende in Kalifornien geborene Fotograf Owen Gump ist neuer Kunstpreisträger der Leipziger Volkszeitung.

 Weniger Licht, das passt zur Kunst des 34-Jährigen, der von 2005 bis 2008 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst bei Peter Piller studiert hat und heute in Berlin lebt. Sie ist alles andere als grell, haut nicht auf den Putz. Seine Wahl ist eine absolute Überraschung, die nur einer auf dem Zettel hatte: Martin Engler, Sammlungsleiter für die Kunst der Gegenwart im Frankfurter Städel Museum hatte Gump vorgeschlagen. "Seine Bilder überwältigen und wirken gleichzeitig nach, denn sie sind doppelbödig. Idee und Form gehen zusammen", sagt Engler über Gump, zu dessen Kunst er sich sofort hingezogen gefühlt habe. Anders, nämlich eher langsam wirkte diese auf die Jury, neben Engler bestehend aus ihrem Vorsitzenden, dem Direktor des  Museums der bildenden Künste in Leipzig, Hans-Werner Schmidt, der Kunsthistorikerin, Kuratorin und Publizistin Susanne Altmann, Reinhard Spieler, Direktor des Sprengel-Museums in Hannover und Friedhelm Haak, langjähriger Aufsichtsratsvorsitzender der Mediengruppe Madsack. Beratend aber nicht stimmberechtigt zur Seite stehen ihnen die beiden LVZ-Geschäftsführer Marc Zeimetz und Björn Steigert.

 Owen Gump, zunächst eher im Mittelfeld der insgesamt zehn Kandidaten (jedes Jury-Mitglied konnte zwei Vorschläge machen), rückt von Abstimmungsrunde zu Abstimmungsrunde vor. Am Ende, da sind noch vier Künstler im Rennen, und es wird geheim abgestimmt, gewinnt er hauchdünn vor der Leipzigerin Grit Hachmeister, deren Kunst aus wilderem Holz ist, den Betrachter unmittelbar in Bedrängnis bringt - expressiv, schmerzhaft, mal hässlich mal hochästhetisch, mutig durch die Genres pflügend. Auch sie wäre eine interessante Wahl gewesen.

 

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Tagung der LVZ-Kunstpreis-Jury in der Kuppel der Zeitung: v.l. Susanne Altmann, Björn Steigert , Dr. Hans-Werner Schmidt , Marc Zeimetz , Dr. Martin Engler und Dr. Reinhard Spieler begutachten die Werke vom Preisträger Owen Gump.

Quelle: Andre Kempner

Der Amerikaner überrascht am Ende irgendwie alle, auch den Juryvorsitzenden: "Ich kannte ihn nicht. Er ist ein Name abseits aller Etiketten, Marken und Versprechungen", sagt Schmidt. Dass so einer beim LVZ-Kunstpreis das Rennen machen könne, liege auch an einer Jury, die von außen ohne Scheuklappen auch auf Nebenschauplätze blicke. Gumps Arbeiten trügen durchaus romantische Züge, allerdings fern von jeder touristischen Annäherung, "eher minimalistisch. Seine Fotos von Surfern sind ästhetisch, aber man wird sie nicht in einem Surfergeschäft finden."

 Gump ist ein Quereinsteiger, die Fotografie entdeckte er bei seinem Studium der Stadtplanung, erst bei einem Stipendiumsaufenthalt in Deutschland entschied er sich, Künstler zu werden. Keine schlechte Entscheidung. Gump ist nun der elfte Preisträger. Die Auszeichnung war 1994 anlässlich des 100. Geburtstags der LVZ ins Leben gerufen worden. 1995 ging sie an Via Lewandowsky. Seitdem wird der Preis im Zweijahres-Rhythmus ausgelobt. 1997 erhielt ihn Neo Rauch. Er ist mit 10 000 Euro dotiert, mit ihm verbunden sind die Finanzierung einer Ausstellung im Museum der bildenden Künste und eines Kataloges sowie der Ankauf von Kunstwerken.

 Der frisch Gekürte fiel gestern aus allen Wolken, als er die Nachricht von Hans-Werner Schmidt erhielt. "Ich bin überwältigt, überglücklich. Besonders toll finde ich, dass diese Auszeichnung von einer Leipziger Institution kommt", sagte er. Die HGB habe ihm damals viel Freiraum für seine Entwicklung gegeben. Das Ergebnis ist ab 27. November im Leipziger Bildermuseum zu sehen.

 Bis 18. April geht eine Schau mit Gump-Fotos in der Berliner Galerie BQ (Weydingerstraße 19).

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 21.03.2015

Jürgen Kleindienst

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