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Kalifornischer Fotograf Owen Gump erhält LVZ-Kunstpreis 2015

Ehrung Kalifornischer Fotograf Owen Gump erhält LVZ-Kunstpreis 2015

Owen Gump ist der diesjährige Gewinner des LVZ-Kunstpreises. Am Freitag bekommt er die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung überreicht. Bis zum Februar sind seine Fotografien aus dem US-amerikanischen Westen im Museum der bildenden Künste ausgestellt.

Owen Gump ist der Gewinner des LVZ-Kunstpreises 2015.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Am Freitag erhält der amerikanische Fotograf Owen Gump den mit 10.000 Euro dotierten elften Kunstpreis der Leipziger Volkszeitung im Museum der bildenden Künste. Im gleichen Ambiente in der Innenstadt stellt der 35-Jährige seine Werke unter dem Titel „El Niño“ bis zum 28. Februar kommenden Jahres aus.

Seine Wahl war im Frühjahr eine absolute Überraschung, die nur einer auf dem Zettel hatte: Martin Engler, Sammlungsleiter für die Kunst der Gegenwart im Frankfurter Städel Museum hatte Gump vorgeschlagen. „Seine Bilder überwältigen und wirken gleichzeitig nach, denn sie sind doppelbödig. Idee und Form gehen zusammen“, sagt Engler über Gump, zu dessen Kunst er sich sofort hingezogen gefühlt habe.

Am Freitag (27.11.2015) erhält Owen Gump um 18 Uhr den 11. Kunstpreis der Leipziger Volkszeitung im Museum der bildenden Künste. Bis zum 28. Februar sind dort seine auf den ersten Blick spröden, doch bei längerem Betrachten in ihren Bann ziehenden Arbeiten zu sehen.

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Anders, nämlich eher langsam wirkte diese auf die Jury – neben Engler bestehend aus ihrem Vorsitzenden, dem Direktor des Museums der bildenden Künste in Leipzig, Hans-Werner Schmidt, der Kunsthistorikerin, Kuratorin und Publizistin Susanne Altmann, Reinhard Spieler, Direktor des Sprengel-Museums in Hannover, und Friedhelm Haak, langjähriger Aufsichtsratsvorsitzender der Mediengruppe Madsack. Beratend aber nicht stimmberechtigt zur Seite stand ihnen LVZ-Geschäftsführer Björn Steigert.

Der Amerikaner überrascht am Ende irgendwie alle, auch den Juryvorsitzenden: „Ich kannte ihn nicht. Er ist ein Name abseits aller Etiketten, Marken und Versprechungen“, sagt Schmidt. Dass so einer beim LVZ-Kunstpreis das Rennen machen könne, liege auch an einer Jury, die von außen ohne Scheuklappen auch auf Nebenschauplätze blicke. Gumps Arbeiten trügen durchaus romantische Züge, allerdings fern von jeder touristischen Annäherung, „eher minimalistisch. Seine Fotos von Surfern sind ästhetisch, aber man wird sie nicht in einem Surfergeschäft finden.“

Owen Gump hat seine Bilder bereits in verschiedenen Ausstellungen gezeigt, unter anderem in Köln, Bremerhaven, Berlin, Glasgow und den USA. Seine Fotografien zeigen die Landschaften des US-amerikanischen Westens – die Wüste Nevadas, die Küste Kaliforniens. Dabei interessieren ihn nicht das Naturschöne und Pittoreske, sondern die Einschreibungen, die die Nutzungen durch den Menschen hinterlassen haben.

Der 35-jährige LVZ-Kunstpreisträgers Owen Gump fotografiert menschenleere, aber vom Menschen gezeichnete Landschaften. Wüsten, Vororte. Selbst seine Himmel haben Linien – Kondensstreifen. Die Welt dieser Bilder ist versehrt, doch darum nicht minder faszinierend.

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„El Niño“ (spanisch: „das Christkind“) hat Owen Gump seine Ausstellung genannt – anspielend auf das Wetter-Phänomen, das um die Weihnachtszeit zu einer Erhöhung der Wassertemperatur im äquatornahen Pazifik führt, was extreme Regenfälle, aber auch Dürren auslösen kann. Entweder es regnet gar nicht, oder es gießt. Für Gump ist El Niño mehr eine Metapher, ein Ausgangspunkt für die Frage, was die Norm ist und was ihre Abweichung. Bei seinem Arbeitsaufenthalt im Frühjahr herrschte eine extreme Dürre. „Und immer wieder war die Rede von El Niño, der in diesem Jahr besonders heftig ausfallen soll.“

„Die Fotografie hat immer noch einen leichten Minderwertigkeitskomplex“, meint Gump. So freue er sich auch für seine Kollegen mit. Etwas müde ist er nach dem Kraftakt der Vorbereitungen in Leipzig, aber „überglücklich mit dieser Ausstellung“. Das ist auch LVZ-Geschäftsführer Björn Steigert: „Wenn dann alles geschafft ist, ist es ein bisschen wie Weihnachten.“ Auch auf ihn wirken die Fotos: Das brauche ein bisschen Zeit – ein Faktor, an den sich gerade am Aktuellen abarbeitende Medienleute immer mal erinnern sollten.

Owen Gump im Kurzporträt

Der 1980 im kalifornischen Kentfield geborene und heute vorwiegend in Berlin lebende Fotograf Owen Gump ist der elfte Träger des 1994 gestifteten Kunstpreises der Leipziger Volkszeitung. Gump hat an der Universität Seattle im Bundesstaat Washington zunächst Stadtplanung studiert, wechselte dann zur Architekturfotografie und machte dort 2002 seinen Bachelor of Arts. Im Folgejahr studierte er an der Kunstakademie Düsseldorf bei Thomas Ruff und Walter Nikkels, von 2005 bis 2008 bei Peter Piller an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, wo er 2008 sein Diplom erhielt. jkl

Zur Preisvergabe erscheint bei der LVZ eine Edition mit drei Werken Owen Gumps in einer Auflage von je zehn Exemplaren. Der Preis je Motiv beträgt 650 Euro. Die Bilder der Edition sind ab 28. November unter dem Link www.lvz-kunstpreis.de/edition erhältlich.

Der Kunstpreis war 1994 anlässlich des 100. Geburtstags der LVZ ins Leben gerufen worden, die erste Auszeichnung ging 1995 an Via Lewandowsky. Seitdem wird der Preis im Zweijahres-Rhythmus ausgelobt, 1997 erhielt ihn Neo Rauch. Er ist mit 10.000 Euro dotiert, mit ihm verbunden sind die Finanzierung einer Ausstellung im Museum der bildenden Künste und eines Kataloges sowie der Ankauf von Kunstwerken.

jkl

Preisverleihung und Ausstellungseröffnung am Freitag um 18 Uhr im Museum der bildenden Künste (Katharinenstr. 10); bis 28. Februar 2016;

Künstlergespräch mit Owen Gump: Mittwoch, 27. Januar 2016, 18 Uhr; Öffentliche Führungen: 6. 12, 31. 1. (je 11 Uhr), 9. 12. und 6. 1. (je 18 Uhr)

Katalog (112 Seiten, 76 Abbildungen, Beiträge von Martin Engler, Hans-Werner Schmidt und Björn Steigert, 24,80 Euro)

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