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Kálmáns Zirkusprinzessin in der Musikalischen Komödie Leipzig

Kálmáns Zirkusprinzessin in der Musikalischen Komödie Leipzig

Mit freundlichem Applaus quittierte das Publikum am Samstagabend in der Musikalischen Komödie die Premiere von Emmerich Kálmáns Operette "Die Zirkusprinzessin" von 1926. Die Inszenierung besorgten Beate Vollack und Natascha Ursuliak, am Pult: Muko-Ehrendirigent Roland Seiffarth.

Leipzig. Das Sujet ist bekannt und bewährt: Reiche Witwe muss schnell wieder heiraten und bekommt nach allerlei Intrigen, Irrungen und Wirrungen am Ende doch den Richtigen.

Doch was bei Franz Lehár für Poesie und Menschlichkeit taugt, ist in Kálmáns "Zirkusprinzessin" nur noch die Folie für librettistischen Flachsinn, der weit zurückfällt hinter das Vorgängerwerk "Gräfin Mariza". Nein, natürlich muss die Operette nicht die Zeitläufte aus den Angeln hebeln. Aber so idiotisch sollte es dann doch nicht sein. Und dabei ist es völlig egal, ob die faden Verwicklungen im Zirkusmilieu nicht funktionieren, wie Kálmán und seine Texter Julius Brammer und Alfred Grünwald sich das dachten, oder beim Film, wohin Vollack und Ursuliak es zog.

Das ist erstens nicht neu und im konkreten Fall auch nicht weniger einfältig. Aber bunt geht's zu, und manchmal entsteht der Eindruck, dass es eine schöne Revue hätte werden können - mit ein wenig mehr Konsequenz wie bisweilen im ersten Akt. Oder eine schräge Parodie - wie im hinreißend bescheuerten Liedl von der Liese auf der Wiese. Oder gar eine Herzschmerz-Operette - wie in den Duetten der Fedora Palinska alias Zirkusprinzessin mit dem geheimnisvollen Zirkusreiter respektive Stuntman Mister X alias Prinz Korossow alias Fedja Palinski.

Aber da die beiden Regisseurinnen (Vollack verantwortet überdies die schlichte Choreographie) sich nicht entscheiden konnten, wird es nichts von alledem, sondern kommt in den quietschbunten und nicht immer vorteilhaften Kostümen Dieter Eisenmanns im weitgehend unerheblichen Bühnenbild Thomas Gabriels nicht recht in die Gänge.

So dünn Handlungsfaden, so herrlich süffig ist indes bisweilen Kálmáns üppige Musik. Vor allem die melancholischen Walzer-Reflexe geben selbst diesem späten Mädchen aus dem Luxus-Pensionat der Wiener Operette noch eine achtbare Aussteuer mit auf den Lebensweg. Und hier können Ruth Ingeborg Ohlmann in der Titelpartie und ihr Mister-X-und-so-weiter-Partner Radoslaw Rydlewski herzerweichend um die Wette schmachten. Wenngleich beide ein wenig brauchen, um zu sich zu finden. Was auch am Bühnenbild liegen mag, das für die Sänger streckenweise wie eine akustische Dunstabzugshaube wirken muss.

Und daran, dass sich auch im MuKo-Graben die Balance nicht sofort einstellt. Zu zurückhaltend bleiben anfangs die Geigen im Angesicht des fetten Restapparats, den Kálmán sich da gönnte. Und über die anfänglichen Unwägbarkeiten des gemeinsamen Musizierens rechts und links im Graben oder vor der Bühne und darauf möchte man lieber gleich den Mantel der Liebe und des Schweigens decken.

Aber im Verlauf der ersten Aktes rastet die Musik ein in der Musikalischen Komödie. Zunehmend findet Roland Seiffarth die richtigen Farben und dynamischen Abstufungen, um seinem Vorzeige-Tenor Rydlewski das Leben leichter zu machen in dieser bemerkenswert ausladenden und anspruchsvollen Partie. Ohlmann trägt er auf Händen, das komische Paar Toni/Mabel (hinreißend: Andreas Rainer und später auch Iva Mihanovic) begleitet er mit kokettem Hüftschwung durch die beliebten Foxtrotts von der Stange.

Dazu leuchten und schmeicheln die Melodramen, gibt Folker Herterich im Ganzkörper-Flokati einen herrlich lächerlichen Sergius Wladimir, sind die kleineren Rollen mit Anne-Kathrin Fischer, Alexander Voigt, Karl Zugowski, Ullrich Graichen und vielen anderen fabelhaft besetzt, gibt das Ballett alles, und dass immer wieder das Glück höchstselbst (Kristina Hauschild) durchs Bild läuft, hilft in seiner allegorischen Bedeutungshuberei zwar nicht wirklich, stört aber auch nicht weiter. Schade also, dass die Handlung so bescheuert ist und die Regie meist auf Augenhöhe navigiert. So fällt der Applaus zwar freundlich aus, bleibt aber für Muko-Verhältnisse eher reserviert.

Peter Korfmacher

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