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Kein Grund für Ruhestand – Dresdner Sänger Gunther Emmerlich wird 70

Kein Grund für Ruhestand – Dresdner Sänger Gunther Emmerlich wird 70

Sein Markenzeichen ist die Vielfalt, und mit 70 ist für Gunther Emmerlich noch lange nicht Schluss. Der Sänger und Entertainer, der am Sonntag (14. September) eine weitere Dekade vollendet, erweitert stetig sein Portfolio.

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Archivfoto

Quelle: Archiv

Dresden. Zum Singen, Inszenieren, Moderieren und einem Ausflug in die Schauspielerei kam zuletzt das Schreiben. „Es ist eine Entdeckung für mich im etwas reiferen Alter“, sagt der gebürtige Thüringer.

Gerade ist das dritte Buch über sein Leben mit dem Arbeitstitel „Zweite Zugabe“ fertig, daneben hat er erstmals einen Krimi geschrieben - ohne Tote. „Zum erlebten und gelebten Leben ist auch eine ausgedachte Geschichte gekommen.“  Ans Aufhören denkt Emmerlich, wie andere Künstler in diesem Alter auch, dagegen nicht. „Diesen Beruf kann man nicht zur Hälfte machen.“ Auch das Kürzertreten hat bisher nicht geklappt.

Seit einer Herz-OP 2007 lebt der 1,93 Meter-Mann zumindest gesünder. Ein Mal im Jahr ist er mit seiner Wandergruppe „Bündnis 98 Die Blauen“ auf Tour - durch Irland, Schwarzwald, Vogesen, Rhön oder zum Rennsteig. Dabei wollte der 1944 in Eisenberg geborene Bassist als Junge eigentlich Pilot werden oder zur See fahren. Emmerlich wuchs nach dem frühen Tod der Eltern bei Schwester und Schwager auf, die ihm das Waisenhaus ersparten.

Mit 22 begann der ausgebildete Bauingenieur ein Studium des Operngesangs an der Weimarer Musikhochschule Franz Liszt. 1972 engagierte ihn das Nachwuchsstudio der Dresdner Oper - kurz darauf wurde er ins Ensemble übernommen. Daneben gründete der Banjo-Spieler und Jazzsänger 1985 mit gleichgesinnten Musikern der Staatskapelle die Semper HouseBand. Ab 1987 eroberte Emmerlich dann den TV-Bildschirm in der DDR und bot mit „Showkolade“ - einem Mix aus Glitzer, Zeitkritik und Kabarett - sogar Thomas Gottschalks „Wetten, dass...? “ im Westen Paroli.

Die Neigung zu aufmüpfigen politischen Randbemerkungen brachte ihn ins Fadenkreuz der DDR-Kulturbehörden, die ihn wegen „staatsfeindlicher Betrachtungen“ zeitweise mit Auftrittsverbot belegten. 1992 löste er seinen Vertrag mit der Semperoper, um frei zu arbeiten. Mit Sendungen wie „Nimm Dir Zeit“, „Gunther und drüber“ und „Zauberhafte Heimat“ avancierte er dann zu einem Liebling deutscher Fernsehzuschauer in Ost und West.

Nach wie vor ist der Künstler etwa 200 Tage im Jahr unterwegs, der Terminkalender randvoll: Konzerte mit der Semper HouseBand, Duette mit Deborah Sasson - mit ihr debütierte er 2008 erfolgreich in der New Yorker Carnegie Hall - und Eva Lind, Auftritte in Kirchen und Moderationen für TV-Sendungen. Sein Musik-Repertoire reicht von Kirchenmusik über Lieder-Zyklen, Arien und Duette bis zu Dixieland und Swing. 2015 debütiert er in einer Operette - als Oberst Ollendorf im „Bettelstudent“ bei den Bad Hersfelder Festspielen. 

Kürzer tritt Emmerlich, auch mehrfacher Schirmherr etwa für die Schlosskirche Wittenberg, in der Luther erstmals evangelisch predigte, bisher nur beim Wandern. „Da mache ich nicht mehr so große Schritte.“ Den 70. feiert er mit Familie und Freunden in seiner Jugendstilvilla am Elbhang in Dresden - aber ohne seine Frau, die  Schauspielerin Anne-Kathrein. „Wir haben eine Auszeit genommen und machen uns Gedanken, wie es weitergeht.“ Von Scheidung nach 35 Jahren Ehe ist keine Rede, das Verhältnis nicht gestört, versichert der Großvater von inzwischen sieben Enkelinnen.  

„Ich bin dem Herrgott unendlich dankbar, dass ich nach wie vor bei Stimme bin.“ Auch die Kondition hat noch nicht nachgelassen. „Zwei Stunden Gesang machen mir nichts aus. Die Töne kommen noch so, wie ich sie will“, sagt er. „Ich habe meine Freunde gebeten, mir ein Zeichen zu geben, wenn sie das Alterstremolo hören.“ Bisher rührte sich da keiner. Sollte es doch mal so weit sein, sieht sich Emmerlich gerüstet mit Plan B.: Lesungen und Hörbücher. „Da will ich noch viel aktiver werden.“

Simona Block, dpa

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