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Kent Nagano dirgiert Großes Concert

Kent Nagano dirgiert Großes Concert

Debussy, Wagner und eine europäische Erstaufführung von Peter Eötvös bilden am Donnerstagabend im Großen Concert des Gewandhausorchesters eine seltsame Programm-Melange und hinterlassen so vielfältige wie schwer greifbare Eindrücke.

"DoReMi" ist der Titel von Eötvös' zweitem Violinkonzert. Er spielt damit nicht nur auf den Namen der Solistin Midori an, für die er das Stück schrieb, sondern hat vor allem die Solmisationssilben im Blick, mit denen Tonstufen bezeichnet werden.

Während sich auf der Bühne die zierliche Japanerin Midori auf eine sehr körperliche Art in ihren Solopart stürzt, zappelt Eötvös (Jahrgang 1944) im Zuschauerraum auf seinem Sitz und dirigiert mit. In seinem Werk arbeitet er mit verkleinerter Orchesterbesetzung oft partiell: ein paar spitze Töne im Blech hier, Streicherpizzikati da, anfangs mehr Röhrenglocken, später mehr Stabspiele, zudem Vierteltöne der umgestimmten Harfe. Einzelne Phrasen formen sich und zerfallen wieder.

Intensiv sind vor allem die kammermusikalischen Momente, etwa wenn im letzten Satz Midoris kraftvolle Solovioline in einer Art Kadenz mit der wunderbaren Solobratsche Kontakt aufnimmt und sich die Linien nur dieser beiden Instrumente immer wieder annähern und auseinanderdriften. Auch im Orchester gibt es diese besonderen Momente, in denen über einem gehaltenen Basston ein Holzbläsercluster schwebt und darüber die Solovioline, oder wenn erst die Streicher in geschwätzigen Figuren durcheinander-wuseln, danach die Bläser. Der Applaus im vollbesetzten Großen Saal jedenfalls ist freundlich, Begeisterung klingt anders.

Debussy gibt es an diesem Abend zweimal zu hören, einmal mit "La Mer - Drei sinfonische Skizzen", einmal mit den "Trois Nocturnes", in denen sich der für seinen Nuancenreichtum geschätzte Komponist auf monochrome Nachtbilder eines befreundeten Malers bezieht. So spielt Debussy im zarten Eröffnungsstück "Nuages" (Wolken) mit den Klangfarben nur scheinbar monotoner Figuren, die Dirigent Kent Nagano am Schluss extrem leise verklingen lässt.

Wesentlich lebhafter sind die "Fêtes" (Feste) mit ihrem Marschcharakter, ruhig dagegen der wogende Schlusssatz "Sirènes". Odysseus musste sich an den Schiffsmast fesseln lassen, um nicht dem lieblichen Gesang der Sirenen zu erliegen, Nagano allerdings bleibt angesichts der Damen des Gewandhauschores klar im Schlag. Debussy erzielt hier mit Sopranen und Mezzosopranen, die keinen Text sondern nur auf dem Vokal "a" singen, eine herrliche Klangwirkung, auch wenn der Chor fast zu stark besetzt ist.

Bei "La Mer" packt Nagano kräftiger zu, hier ist nicht nur der Liebreiz von Debussys harfen- und flötenreicher Musik gefragt, sondern vor allem im letzten Satz ("Zwiegespräch zwischen Wind und Meer") auch das Düstere und Brodelnde, gespickt mit arg schrillen Flageoletts der ersten Violinen. Dass das Ende in Blech und Schlagzeug obszön laut ist, spiegeln erstaunte Gesichter im Publikum wider.

In Wagners Vorspiel zu seinem Musikdrama "Parsifal" formt Nagano zu Beginn ein schönes Unisono von Streichern und Holzbläsern, dessen Tonwechsel allerdings zu oft verwischen. Im Verlauf erweist er sich aber als Herr allzu klarer Strukturen und Konturen, die Wagners Stimmungsbild das Geheimnisvolle nehmen. Gerade im Auf und Ab der Begleitfiguren der Violinen möchte man eigentlich nicht jede einzelne Note hören, sondern den daraus resultierenden flirrenden Effekt. Im "Karfreitagszauber", ebenfalls aus "Parsifal", entfaltet das Orchester schließlich den ruhigen Glanz, den Nagano so gut zu vermitteln mag.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 06.04.2013

Anja Jaskowski

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