Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Kindergeburtstag mit Monster-Gaudi: Liedermaching in der Moritzbastei

Kindergeburtstag mit Monster-Gaudi: Liedermaching in der Moritzbastei

Das akademische Viertel ist bei Liedermachern in einem Studentenklub Pflicht, auch wenn sie im Rudel singen. Dafür geht es von Null auf Hundert. Auf die Minute von 20.15 Uhr an haben Monsters of Liedermaching am Sonntag die Moritzbastei gerockt.

Voriger Artikel
Drehbuch von Clemens Meyer kommt ins Kino: "Herbert" wird in Leipzig und Halle verfilmt
Nächster Artikel
Peaches Geldof ist tot – Tochter von Bob Geldof stirbt mit 25 Jahren

Monster auf Stühlchen: Sechs Liedermacher in der Moritzbastei, von denen mindestens vier finden, dass man mitmachen soll.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Der Mann mit der poppigsten Frisur auf der Bühne winkt zum Auftakt wie ein Star und singt das Lied von der "Laterne", an der er im tiefsten Winter mit der Zunge kleben bleibt. Im Dreivierteltakt. Sofort schunkeln alle, auf der Bühne sowie im Saal - und grölen gemeinsam den Refrain: "Ich stehe mit meiner Laterne und meine Laterne mit mir". Das ist nichts für Feingeister, aber witzig.

Der Sänger mit der Popperlocke nennt sich übrigens Burger, ist im anderen Leben (und mit dem Vornamen Jens) Fotograf und war im früheren Leben mit der Pop-Punk-Band "Die Schröders" mal in den Charts. Nun also schunkeln. Und grölen. Sowas wie Volkspunk mit Klampfe. Das sorgt auf jeden Fall für ein ausverkauftes Haus.

Problem: Vorn hocken die Sänger auf Stühlchen; in fünf/sechs Reihen haben Frühkommer Sitzplätze ergattert, dahinter stehen die Hundertschaften und sehen mit zunehmender Entfernung: nix. Die Monster sind von der netten Art und kennen (vielleicht von Burgers anderem Job) die alte Weisheit des Gruppenfotografen - nur wer mich sieht, den habe ich auch in der Linse. Nach zwei Titeln wird die "Unzufriedenheit mit der optischen Gesamtsituation" erhoben, dann tauschen die Musiker die flachen Sitzmöbel gegen Barhocker.

Nun erkennen alle, dass die sechs freundlichen Monster zwar in mittlerer Kurorchesterstärke auf der Bühne sitzen, aber zumeist nur auf einer Gitarre geschrammelt wird. Die Kollegen helfen mit Satz-Gesang, pusten mal in eine Melodika oder in Block- oder Nasen-Flöten, bimmeln mit Glöckchen und bleiben ansonsten musikalisch dezent. Aber klar, wegen konzertanter Meisterleistungen am Instrument ist keiner hier.

Nein, es geht um Frohsinn. Der kommt auf bei diesem Volkspunk mit den gelegentlichen Anleihen aus Hip Hop ("Timing"), Chanson ("Französische Kleinstadt") oder Rockballaden ("Blues"). Zu all den Songs übers Trinken, Verlieren und Faulenzen johlen die Fans. Auf Anweisung von der Bühne wird gar rhythmisch geklatscht. So muss das auch bei, sagen wir, Helene Fischer sein -

Nein, dieser Vergleich hinkt selbstverständlich wie ein leibhaftiges Monster. Wegen der anarchischen Attitüde beim Liedermaching und natürlich der Texte wegen. Der Slogan "Ich bin schlau / sauf mich doof" wäre in der Wochenend-TV-Unterhaltung undenkbar. Und wann bekommt man in einem Konzert schon die Bauanleitung für Flitzebögen vorgesungen? Die Bogen-Nummer intoniert der Mann mit dem Künstlernamen "Der flotte Totte". Totte schafft es kurz darauf in einem Lesetext über Bud-Spencer-Filme als philosophische Abhandlungen zu sinnieren. Volkspunk-Pop geht sogar ohne Musik.

Auch ohne Text. In "Lied ohne Text" singen die sechs darüber, wie schwer es ist, ohne Worte erfolgreich Lieder aufzuführen. Herrlicher Nonsens. Albern sind auch die Modenschau mit den Band-T-Shirts vom Merchandising-Stand oder die Taschenlampen-Nummer. In der Zugabe bittet Burger das Publikum, die Bühne mit Smartphone-Lampen zu beleuchten. Ganz schön bleich sehen die Herren Sänger nun aus - wie Monster eben.

Schön am Ende des Abends: Was die Lederhosenträger im Murksikanten-Stadl versprechen, lösen die Monsters of Liedermaching ein. Hier feiert eine große Familie lustigen Kindergeburtstag. Da werden von der Bühne herab Heimfahrgelegenheiten gen Dresden vermittelt. Und nach der Show stehen die Sänger mit ihrem Bier in der Moritzbastei herum, trinken mit den Gästen, reden über diesen Gott und jene Welt. Das Publikum kennt das, nimmt die sprichwörtliche Augenhöhe selbstverständlich hin - nur Autogramme, die sind auch hier erwünscht.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 08.04.2014
Uwe Schimunek

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News
  • Lichtfest Leipzig 2017

    Alljährlich am 9. Oktober erinnert das Lichtfest Leipzig auf dem Augustusplatz an die Ereignisse im Herbst 1989. Hier gibt es alle Infos. mehr

  • Touristik & Caravaning
    Themen, Tickets, Öffnungszeiten: Die wichtigsten Infos zur Messe Touristik & Caravaning (TC) 2017 im Special auf LVZ.de

    Urlaubsstimmung im Novembergrau: Alle Infos und News zur Reisemesse Touristik & Caravaning (TC) 2017 in unserem Special. mehr

  • Lachmesse Leipzig 2017

    Vom 15. bis 20. Oktober 2017 werden in Leipzig wieder massiv die Lachmuskeln gereizt. Über 180 Künstler kommen zur Lachmesse. mehr

  • Schauspiel Leipzig
    Mikrologo Schauspiel Leipzig

    Theater in Leipzig: Höhepunkte, Premieren, Spielplan und Angebote der Spielzeit 2017/2018 im Schauspiel Leipzig. mehr

Blättern Sie hier durch die aktuelle Veranstaltungsbeilage "Applaus" und finden Sie Konzerte, Shows, Ausstellungen, Sport-Events und mehr in Leipzig und Umgebung. mehr

Erfahren Sie mehr auf www.leipziger-museen.de

Eine Papierfabrik stellt sich vor: "Edle Papiere aus Gmund" im Druckkunstmuseum Leipzig. Zur Schau des Monats! mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album
    Leipzig-Album

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr