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Kindlich opernhaft: CocoRosie begeistern im ausverkauften UT Connewitz in Leipzig

Kindlich opernhaft: CocoRosie begeistern im ausverkauften UT Connewitz in Leipzig

Es war rappelvoll und höllisch warm. Doch CocoRosie spielten so frisch und unverdrossen ihre satten zwei Stunden Konzert, als wäre dieses schwül-feuchte Sumpfklima, das im Saal dünstete, das bester aller möglichen, um diese eigentümliche Musik ihre eigentümlichen Blüten treiben zu lassen.

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Sie nennt sich Rosie: Sierra, eine Hälfte der Casady-Schwestern, ist im UT von ihrer Harfe aufgestanden und singt an der Grenze zum Wahnsinn.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Schon am Sonntag begeisterten CocoRosie ihr schwitzendes Publikum im UT Connewitz - und am Montag ist erneut ausverkauft.

"Tales Of A Grass Widow" heißt die neue CD der Casady-Schwestern Bianca (Coco) und Sierra (Rosie). Und es muss eine sehr seltsame Strohwitwe sein, deren seltsame Geschichten hier von den beiden vorgetragen werden. Wie gehabt in diesem Wechsel zwischen opernhaft aufschwingendem Sopran (Bianca) und dem gepressten Wortspucken eines vielleicht traumatisierten, aber mindestens verhaltensgestörten Kindes (Sierra). Der Kontrast, der für die Dissonanzen und Harmonien zugleich sorgt. Mithin für den gern auch melodramatischen Effekt.

Nun ist "Tales Of A Grass Widow" das tanzbarste, eingängigste Album von CocoRosie, wobei natürlich sowohl "tanzbar" als auch "eingängig" entsprechend relativ zu sehen sind. Eine gute Platte, zweifellos. Und doch ertappt man sich zum Konzert dabei, an diesem nach spätestens 40 Minuten das Interesse zu verlieren. Es kann nicht nur am Klima gelegen haben.

Die Struktur der meisten CocoRosie-Songs ist nicht halb so komplex, wie es mitunter anmuten mag - oder auch geschickt suggeriert wird. Was nichts macht, liegt ihr unbestrittener Reiz doch - neben den Lyrics - in ihren Arrangements. In den Soundtüfteleien zwischen spröde-vertrackt und rhythmisch-fließend. Zwischen sphärisch und labyrinthisch. Eine Harfe begegnet einem da ebenso wie auch mal ein Fön, eine Trompete oder Popcornmaschine. Pathetische Pianos perlen gern zu spröder Elektronik. Es ist die soundtechnische Entsprechung zum Gesang zwischen opernhaft und kindlich - und der Reiz besteht in der Feinarbeit der Verfügung. Die sich live so nicht transportieren lässt. Was zur Folge hat, dass man es plötzlich hört: das zu wenig Komplexe. Das Redundante auch.

Was sich zudem spiegelt in den Videoprojektionen der Show. Gut, den traurigen Clown im Gras nimmt man hin, muss so ein Mädchending sein, das poetisch zu finden. Aber die Häufigkeit, mit der sich das Schminkgesicht ins Bild schiebt, wird dann doch zur Toleranzprobe.

Davon abgesehen ist die Show stimmig. Die Exaltiertheit der Kostümierung bei gleichzeitiger Freundlichkeit der Sängerinnen. Der Ruhepunkt, den Multiinstrumentalist Takuya Nakamura liefert und der wiederum ein schöner Kontrast zu Beatboxer TEZ ist, der für den rhythmischen Drive sorgt. Dazu Gastauftritte von LA-Rapper Busdriver und Nomi Ruiz (die schon für den recht durchschnittlichen Support sorgte). Alles in allem gelungen - aber eben nicht wirklich fesselnd.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 25.06.2013

Steffen Georgi

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