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Klangzauber: Dirigent Thielemann beginnt seine Dresdner Jahre

Klangzauber: Dirigent Thielemann beginnt seine Dresdner Jahre

In einigen Momenten schien es so, als würde der Dirigent Christian Thielemann seinem neuen Orchester einfach nur lauschen wollen. Beim Antrittskonzert als Chefdirigent der Dresdner Staatskapelle machte der 53-Jährige am Samstagabend in der Semperoper das, was er womöglich wie kein anderer beherrscht: Musik der Romantik als Klangzauber.

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Bei seinem Einstand als Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle Dresden ist Dirigent Christian Thielemann am Samstagabend lautstark gefeiert worden.

Quelle: dpa

Dresden. Ein Magier auf dem Podium, der mit sparsamen Bewegungen das Orchester lenkt.

Raumgreifend holt er erst dann aus, wenn das Werk es verlangt. Eine Partitur braucht Thielemann bei Anton Bruckners 7. Symphonie nicht, auch wenn sie 70 Minuten dauert.

Als das Stück verklang, herrschte im Saal sekundenlang Stille. Thielemann hatte sein Antrittskonzert der Ende Juli gestorbenen Semperoper-Intendantin Ulrike Hessler gewidmet. Doch dann brach Jubel aus und das Publikum lag dem Maestro zu Füßen. Natürlich nur bildlich. Auch Ehrengäste wie Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) und die beiden Ministerpräsidenten von Bayern und Sachsen, Horst Seehofer (CSU) und Stanislaw Tillich (CDU) beteiligten sich an den kollektiven Standing Ovations. Immer wieder sprang Thielemann leichtfüßig auf das Podium, um sich zu verbeugen.

Die 464 Jahre alte „Kapelle“ aus Dresden hat einen neuen Chef und die Erwartungen sind riesig. Thielemann übernimmt das Orchester von Fabio Luisi, der 2010 sein Amt vorzeitig aufgab. Schon damals war die Staatskapelle in guter Verfassung und erprobt, vorübergehend ohne Chef auszukommen. Im Rückblick keine schlechte Zeit. Publikum und Musiker konnten viele Handschriften kennenlernen. Der erste Nachwende- Dirigent Giuseppe Sinopoli hatte 2001 bei einer Opernaufführung in Berlin einen tödlichen Herzinfarkt erlitten. Bernard Haitink übernahm die Dresdner zwischen 2002 und 2004.

Nach zwei Italienern und einem Holländer nun ein Berliner. Bereits sei 2009 war Thielemann in Dresden präsent und konnte deshalb auch zum Einstand mit einem Heimspiel rechnen. Dass er sich dafür einen Lieblingskomponisten aussuchte, überraschte kaum. Mit Sopranistin Renée Fleming lud er zudem eine Lieblingssängerin ein. Sie wird man in Thielemanns Amtszeit wohl des öfteren an der Elbe sehen. Genau wie Anna Netrebko, die nach eigenem Bekunden 2016 hier die Elsa aus Richard Wagners „Lohengrin“ singen wird.

Erfolg im Plattenverkauf

Mit der Verpflichtung Thielemanns verknüpfen die Dresdner das Ziel, vor allem auf dem internationalen Musikmarkt ihre Reputation zu erhöhen. Seitdem die Liaison bekannt ist, häufen sich die Anfragen internationaler Agenturen nach Gastspielen. Dabei waren die Dresdner schon zu DDR-Zeiten ein Exportschlager. Bei Tourneen in Amerika wurde die Staatskapelle mit Sprüchen wie „Beethoven liebte dieses Orchester“ beworben. Dass der früheren Dresdner Kapellmeister Richard Wagner von der „Wunderharfe“ schwärmte, ist gleichfalls bekannt.

Auch auf dem Plattenmarkt will das Duo Thielemann-Staatskapelle Kasse machen. Ab 2013 agiert man als Hausorchester der Salzburger Osterfestspiele und löst damit die Berliner Philharmoniker ab. Thielemann und die Dresdner sollen eine Marke werden. Der Dirigent hofft, dass fortan mehr Musikfans eigens für ein Konzert nach Dresden reisen. Solche Zeiten hat es früher schon einmal gegeben. Nun könnte die Elbestadt wieder zur Pilgerstätte für Klassikliebhaber werden - und nicht nur, weil die Oper eine schönes Gebäude hat.

„Die „Wunderharfe“ braucht einen Meisterspieler, der ihren wunderbaren Klang herauskitzelt. Das haben wir heute gehört“, lobte Tillich am Samstag den Maestro: „Wir haben heute etwas Grandioses erlebt. Ich sagte zu Christian Thielemann: „Das ist erst der Anfang“. Und zu Horst Seehofer sagte ich: „Die Bayern haben Martínez und wir Thielemann geholt. Ich will nicht spekulieren, wer länger die Form behält.“ Freilich sind anders als bei Ballkünstler Javier Martínez im Fall Thielemann keine finanziellen Details über den „Transfer“ nach Dresden bekannt. Nur dass sein Vertrag bis 2019 läuft, steht fest.

Jörg Schurig, dpa

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