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Klappern mit dem Zeitfenster: Kriegt der Leipziger Westen noch ein freies Theaterhaus?

Klappern mit dem Zeitfenster: Kriegt der Leipziger Westen noch ein freies Theaterhaus?

Der Symbolgehalt ist so nicht eingeplant. Als Sängerin Jamila Prempeh, die das von der Linken-Stadtratsfraktion angeregte Bürgerforum zum Thema Freie Szene am Montagabend im Lofft mit kleinen Gesangsbeiträgen auflockerte, Hanns Eislers "Über den Selbstmord" ankündigte, sind die Diskutanten gerade beim geplanten Theaterhaus angelangt.

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Jürgen Zielinski, Intendant des TdJW, Skadi Jennicke (Linke), Michael Arzt (Halle 14), Sebastian Weber (Vorstandsmitglied Lofft), Kulturbürgermeister Michael Faber und Moderator Tobias Prüwer (von links) debattieren im Lofft.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Jenes Objekt also, das im Leipziger Westen als Spiel- und Probenbühne für Lofft, Schaubühne, Leipziger Tanztheater und Westflügel dienen soll und die Betroffenen regelmäßig in die Verzweiflung treibt. Denn seit Jahren wird es angekündigt, um wieder zu scheitern. "Sagt lieber jetzt, das wird nichts", bricht es aus Lofft-Vorstandsmitglied Sebastian Weber irgendwann heraus. "Dann finden wir eine andere Lösung." So aber werde man zermahlen zwischen Politik und Verwaltung.

"Wir haben keine Lösung zur Stunde", räumt Kulturbürgermeister Michael Faber ein. Aktuell sind Felsenkeller, Spinnerei und vor allem das präferierte Gelände des Josephkonsums als Standort im Gespräch. Zeithorizont? Unklar. Jürgen Zielinski, Intendant des Theaters der Jungen Welt, sitzt etwas resigniert auf dem Podium. Sein Haus arbeitet gut mit dem Mieter Lofft zusammen, wartet dennoch dringend auf dessen Auszug ins Theaterzentrum, um den Lofft-Saal als Zweitbühne nutzen zu können. Zum Jahresende läuft der Lofft-Mietvertrag aus. Mal wieder. Und wie es aussieht, wird an einer Verlängerung kein Weg vorbeiführen. Auch wenn Zielinski sagt: "Ich bin nicht Existenzgarant der Lofft-Existenz." Und: "Qualität hängt auch von Produktionsbedingungen ab." Er habe Angst, dass gute Künstler abspringen.

Aus dem Publikum meldet sich Felsenkeller-Projektentwickler Ingo Seidemann zu Wort. Auch dort wünscht man sich ein schnelles Signal von der Stadt. Man werden den Felsenkeller aktivieren - "mit oder ohne Theaterzentrum". Das Zeitfenster sei nicht ewig offen.

Die Planungszeiträume von Politik und Kulturschaffenden haben, das zeigt das Beispiel, wenig Gemeinsamkeiten. Einig ist man sich wenigstens über die Bedeutung der Freien Szene für Leipzig. Von einem "enormen Professionalisierungsschub in den letzten 20 Jahren", spricht Skadi Jennicke, kulturpolitische Sprecherin der Linken-Fraktion im Stadtrat. Michael Arzt, Programmkurator der Halle 14, spricht für die bildende Kunst. Die sei durchaus zum Standortfaktor avanciert. Die Freie Szene besitze überregionale Strahlkraft.

Faber erwähnt dann auch die nächste Fördermittelerhöhung für die Freie Szene 2015. Wenn auch der anvisierte Fünf-Prozent-Anteil vom städtischen Kultur-Etat noch nicht erreicht sei, sei doch ein großer Schritt gemacht. Jennicke will sich dafür einsetzen, die Freie Szene langfristig über die fünf Prozent zu heben.

Letztlich geht es aber nicht nur um die absolute Summe, sondern um die Verteilungsfrage, um die Instrumente. Arzt etwa schlägt Stipendien vor, die den Übergang von der Akademie in eine Künstlerexistenz erleichtern können. Außerdem müsse auf spontane Entwicklungen reagiert werden können. Die Leipziger Vergabepraxis schließt bislang die Förderung von Einzelkünstlern weitgehend aus, erklärt Faber. Und, auch das ein Thema: Eine Stipendienvergabe erfordert eine externe Jury - oder ein breiter aufgestelltes Kulturamt.

Nicht nur die Kulturschaffenden wünschen sich mehr Transparenz. Auch Jennicke hält die gegenwärtige "tabellarische Vergabepraxis" für reformbedürftig. Das sei schon 2010 gefordert worden. Und es mangele an differenzierten Förderstrukturen. Man schwanke zwischen Breiten- und Spitzenförderung. Eine Debatte, die in Erinnerung ruft, was die Freie Szene seit Jahren fordert: Einen belastbaren Kulturentwicklungsplan, von dessen Basis aus Antworten auf die strittigen Fragen entwickelt werden könnten.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 09.04.2014
Dimo Rieß

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