Volltextsuche über das Angebot:

27 ° / 16 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Klassenziel erreicht: Kunsthalle der Sparkasse zeigt 21 HGB-Meisterschüler

Klasse von Annette Schröter Klassenziel erreicht: Kunsthalle der Sparkasse zeigt 21 HGB-Meisterschüler

Surreale Bilderwelten, sparsame Zeichnungen und ein aus 570 Kacheln bestehendes Wandbild: Nach Neo Rauchs Meisterschülern stellt die Kunsthalle der Sparkasse zum zweiten Mal Arbeiten von aktuellen oder früheren Nachwuchskünstlern vor, die diese für die HGB spezifische Institution durchlaufen haben.

Uta Kosliks „Sechs Arbeiten aus der Serie o.T.“

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Nach Neo Rauchs Meisterschülern stellt die Kunsthalle der Sparkasse zum zweiten Mal Arbeiten von aktuellen oder früheren Nachwuchskünstlern vor, die diese für die HGB spezifische Institution durchlaufen haben. Sarah Alberti hat als Kuratorin Werke der 21 Meisterschüler(innen) ausgewählt, die in den letzten zehn Jahren das Privileg hatten, bei Professorin Annette Schröter diese zwei Jahre des Aufbauens und Vervollkommnens durchlaufen zu können.

Auch wenn die Mentorin schon vor Jahren das Malen zugunsten großformatiger Scherenschnitte aufgegeben hat, steht erneut die Malerei im Mittelpunkt des Interesses. An diesem Ort kommt man dann zwangsläufig auch nicht um die Frage herum, wie es denn nun um die Leipziger Schule stehe. Claus Baumann als Initiator der Kunsthalle hat dieses Label so dauerhaft aufgeklebt, dass es schwer abgekratzt werden kann. Die Frage kann mit einem eindeutigen Na ja beantwortet werden.

„Exzentrische Gottesmutteroper“

Es finden sich durchaus Positionen, die sich in diese Schublade stecken lassen. Auffällig dabei ist, dass es sich um Leute handelt, die wegen des immer noch vorhandenen spezifischen Images der HGB von weither gekommen sind wie Ellen Akimoto aus Kalifornien oder Ivana de Vivanco aus Lissabon. Akimoto malt mit exaktem Pinselstrich Szenen, die mehr inszeniert als real wirken. Ein großer schwarzer Mann steht nackt im Wohnzimmer, mit farbigen Aufklebern dekoriert. Auf dem anderen Bild führt ein wütender Schwan eine „Bird Parade“ vor idyllischer Landschaft an. Bei der Portugiesin geht es dramatischer zu. Ihre „exzentrische Gottesmutteroper“ kann blasphemisch verstanden werden, doch gemalte Palette und Staffelei zeigen, dass alles nur fabulierende Einbildung ist.

Noch einen Tick surrealer wird es bei anderen Meisterschülern. Mona Broschár orientiert sich unübersehbar an Magritte mit ihrer Verkupplung disparater Dinge, häufig verbunden mit einer schwülen Erotik. Bei Markus M. Krüger sind es konstruierte Landschaften, detailreich und scheinbar naturgetreu gemalt sowie vorzeitig vergilbt. Ein Teich liegt in einer unendlich scheinenden Waldebene auf dem einzigen von ihm in der Ausstellung zu sehendem Bild. Er bildet ein exaktes Quadrat. Bei Leif Borges beschäftigt sich eine junge Frau mit einer Vielzahl von Köpfen, ihrem eigenen ähnelnd, die aus einer Wasserfläche herausragen.

Auch da, wo das Irreale nicht ganz so offensichtlich daherkommt, bleibt Verrätselung. Die sehr lebendig erscheinenden Porträts von Kathrin Landa verwirren, weil zumindest die Frauenköpfe wieder einmal in eine Flüssigkeit eingelegt sind, die Wimperntusche ist verlaufen. Bei Nabil el Makhloufi agieren Männer in abgedunkeltem Ambiente, deren Tätigkeit auch die Bildtitel nur teilweise erhellen können.

Anya Triestrams Wandbild aus 570 Kacheln

Dann gibt es aber eine ganze Reihe von Schröter-Meisterschülern, die nicht nur die Bezeichnung Malerei sehr frei interpretieren, sondern sich von der Gegenständlichkeit mehr oder weniger weit entfernen. Elena Kozlova findet ihre Motive in naturwissenschaftlichen Untersuchungen. Uta Koslik knüpft in ihren sparsamen Zeichnungen an Altmeister der Klassischen Moderne an. Robert Schwarks Lithografien sind noch reduzierter, ein Computerprogramm könnte zur Entstehung der Vorlagen beigetragen haben. Das auffälligste Werk, schon wegen der Größe, ist Anya Triestrams aus 570 Kacheln bestehendes Wandbild. Es wirkt zunächst abstrakt, erzählt beim Näherkommen aber kleine Geschichten.

Die beste Erklärung, was dieses postgraduale Studium nach dem Diplom eigentlich für einen Sinn hat, liefern nicht die Bilder dieser Ausstellung, sondern die Mitschrift eines Gesprächs zwischen mehreren Protagonisten, das die Kuratorin für den Katalog aufgezeichnet hat. Was die Arbeiten aber selbst sehr deutlich machen ist, dass es weder auf die Fortführung bestimmter Schultraditionen ankommt noch auf die Züchtung von Adepten. Keiner der Meisterschüler hat etwas von Annette Schröters Ausdrucksweise an sich. Das spricht dafür, dass sie eine gute Pädagogin ist.

Klassentreffen. Meisterschüler von Annette Schröter an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig (2006-2016); Kunsthalle der Sparkasse Leipzig, Otto-Schill-Straße 4a

Von Jens Kassner

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News
  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

  • Asisi - Welt der Panoramen
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Great Barrier Reef" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zum Great Barrier Reef im Panometer Leipzig und weitere asisi-Projekte in Dresden, Berlin und anderen Städ... mehr

  • Belantis - Infos und Events
    Belantis - Infos und Events

    Belantis - das AbenteuerReich im Herzen Mitteldeutschlands. Hier gibt es Neuigkeiten und alle Infos zu den Events! mehr

  • Wave-Gotik-Treffen
    Wave Gotik Treffen

    Das Wave-Gotik-Treffen Leipzig feierte 2016 sein 25-jähriges Bestehen. Einen Rückblick mit vielen Fotos gibt es in unserem Special. mehr

Blättern Sie hier durch die aktuelle Veranstaltungsbeilage "Applaus" und finden Sie Konzerte, Shows, Ausstellungen, Sport-Events und mehr in Leipzig und Umgebung. mehr

Erfahren Sie mehr auf www.leipziger-museen.de

Moderne Geschichtsreise: Das wieder eröffnete "Forum 1813" gibt neue Einblicke in die Ereignisse zwischen 1806 und 1813. Die Schau! des Monats August hilft, Befreiungskriege und Völkerschlacht besser zu verstehen. mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Onlineabo

    "LVZ-Online Extra" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kö... mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • So war das damals...
    So war das damals...

    Dies ist ein Geschichtenbuch der besonderen Art: Leserinnen und Leser der Leipziger Volkszeitung erzählen Erlebnisse aus ihrer Kindheit und Jugend,... mehr