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Kleiner Saal, großes Programm

Kleiner Saal, großes Programm

Der Hauptpreis bleibt in Leipzig. Die Kinobar Prager Frühling in der Bernhard-Göring-Straße machte 2012 das beste Kinoprogramm - befand die Jury des Kinoprogrammpreises Mitteldeutschland, den die Mitteldeutsche Medienförderung (MDM) mit insgesamt 65 000 Euro ausgestattet und zur Eröffnung der Filmkunstmesse zum elften Mal vergeben hat.

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Kino-Hauptpreis für Miriam Pfeiffer (Kinobar Prager Frühling Leipzig), hinten: Jury-Vorsitzende Margret Albers und MDM-Geschäftsführer Manfred Schmidt.

Quelle: Tom Schulze

Ein kleiner Saal mit 74 Plätzen, nicht eben im Zentrum der Stadt, und ein Programm, das auf jene zugeschnitten ist, die in Connewitz ins Kino gehen. Miriam Pfeiffer, die seit 1997 im Haus der Demokratie, erst gemeinsam mit der Schaubühne Lindenfels, seit 2006 allein, Filme zeigt, ist eine Versteherin: Sie bringt genau das auf die Leinwand, was ihre über die Jahre gewachsene Klientel sehen will - und das ist alles andere als Blockbuster-Ware. Das orientiert sich allerdings oft auch an eigenen Vorlieben: "Ich gehe den Leuten mit Filmen, die ich mag, auf die Nerven." So spiele sie nun das großartige französische Drama "Der Geschmack von Rost und Knochen" so lange, "bis ihn ganz Leipzig gesehen hat".

Ein stures Rezept, das nicht gerade nach Erfolg schmeckt. Worin das Geheimnis des Erfolges steckt. 25 631 Besucher in 1174 Vorstellungen 2012. Das liest man - und ist erstaunt. Gerade hat Miriam Pfeiffer auch eine überaus erfolgreiche Freiluft-Saison in der Leipziger "Feinkost" gespielt. Eigentlich wollte sie selbst Filme machen und hat auch zwei gedreht ("Das Monstrum", "Mathilda"), doch als es damit dann stockte, verlegte sie sich aufs Programmkino. Womit sie zu jenen gehört, die hartnäckig auf hochqualitatives und hochinteressantes Kino setzen, wie Manfred Schmidt, Geschäftsführer der Mitteldeutschen Medienförderung, bei der Preisverleihung im Grassi-Museum sagte. Preise gingen auch an die Leipziger Kinos Luru in der Spinnerei, Passage und Schauburg. Aus der Kino-Hochburg Dresden wurden das Programmkino Ost, Thalia Cinema. Coffee und Cigarettes, das Kino im Dach sowie das Kino in der Fabrik geehrt.

Nach den MDM-Preisen eröffneten Oberbürgermeister Burkhard Jung und Christian Bräuer, Vorsitzender der AG Kino - Gilde, die Filmkunstmesse, das größte Branchentreffen der Arthouse-Kinos in Europa. "Leipzig ist genau der richtige Ort dafür, fand Burkhard Jung, der sich daran erinnerte, dass seine ersten Filmbesuche, als er 1991 nach Leipzig kam, ins Kino im Grassi führten, dem Vorläufer der heutigen Passage.

Bereits am Nachmittag gab es in der Handelsbörse eine Diskussion um Gegenwart und Zukunft des Kinos. Zum Arthouse zählen in Deutschland 17 Prozent der Leinwände mit einem jährlichen Besucheranteil zwischen 12 und 15 Prozent. Zur Diskussion angereist war auch Iris Berben, Präsidentin der Deutschen Filmakademie, die ein Plädoyer für eine vielfältige Kinolandschaft, für eine lebendige Filmkultur und den Bestand der Filmförderung (80 Millionen Euro jährlich) hielt. Am 8. Oktober verhandelt das Bundesverfassungsgericht eine Beschwerde der großen Kinoketten gegen die Kinoabgabe des Filmförderungsgesetzes. Für deren Erhalt setzte sich Iris Berben mit Nachdruck ein. Es gehe darum, sagte sie, nationale Geschichten, die international zuletzt sehr erfolgreich waren, die aber so nur vom deutschen Film erzählt werden können, zu bewahren: "Inhalte, die der deutsche Kinogänger vielleicht mehr schätzt, als man an den Schreibtischen und Rechenschiebern multinationaler Kinokonzerne zu ahnen offensichtlich in der Lage ist."

Um Geld ging es immer wieder in der Diskussion, auch um den Unterschied von Kino und TV, der bisweilen etwas verkürzt gesehen wurde. Drehbuchautor Fred Breinersdorfer bemängelte, dass es an Kosten zur Entwicklung von Kino-Drehbüchern fehle, Produzentin Bettina Brokemper ("Hannah Arendt") plädierte für mutige Autoren, die an ihre Visionen glauben, für die sie dann auch kämpfen könnte, Verleiher und Produzent Dario Suter (Schweiz) sieht beim Rechtekauf auf Kinotauglichkeit, die er jedoch in Cannes auch bei einer TV-Produktion gefunden hat: "Liberace" von Steven Soderbergh mit Michael Douglas und Matt Damon, produziert von HBO. Christian Bräuer fragte, ob es angesichts der schmalen Zeitfenster für Kinoauswertung noch sinnvoll sei, an einer Frist bis zur DVD-Verwertung und Fernseh-Ausstrahlung festzuhalten. Die Antworten darauf waren vielstimmig. Die Diskussion geht weiter.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 19.09.2013

Norbert Wehrstedt

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